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Dokumente zur Antifaschistischen Chronik

aus dem Aufruf des DGB zur Protestdemonstration gegen die NPD am 10. Mai 1967:

Die Rechtsradikalen sind dabei, unsere Stadt zum zweiten Male zu einer "Stadt der Reichsparteitage" zu machen! Erinnert Euch, wie das beim erstenmal endete: In Schutt und Trümmern, in Blut und Tränen!
Es ist höchste Zeit, den Unverbesserlichen zu zeigen, daß die Arbeitnehmer dieser Stadt nicht bereit sind, die Provokation des Rechtsradikalismus widerstandslos hinzunehmen!
Der Feind steht rechts!
Das war so in der Geschichte der Arbeiterbewegung und es gilt noch heute!
Nach wie vor ist es das offene oder versteckte Ziel des Rechtsradikalismus, die Gewerkschaften zu vernichten! Rechtsradikale Redner preisen die "erzieherische Wirkung der KZ", in denen von 1933 bis 1945 Zehntausende von aufrechten Demokraten verfolgt, geschunden und in den Tod getrieben wurden.
In den "Grundsätzen" der Rechtsradikalen lesen wir den Spruch "Jedem das Seine". Dieser Spruch schmückte auch die Eingangstore von Konzentrationslagern der Nazis. Das besagt deutlich genug, was damit gemeint ist. Warten wir nicht, bis es wieder zu spät ist!
Ein zweites 1933 darf es nicht geben!

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Nürnberger Appell

Wir fordern von den verantwortlichen Politikerinnen und Politikern, sich einzusetzen für

  • die Einführung einer erleichterten Einbürgerung und die Anerkennung einer doppelten Staatsbürgerschaft,
  • die Einführung eines allgemeinen Wahlrechts für alle hier lebenden Bürger,
  • die Verteidigung des individuellen Rechtsanspruchs auf Asyl,
  • die Verabschiedung eines Einwanderungsgesetzes,
  • eine offensive Politik gegen jede Form von Diskriminierung,
  • die entschlossene Bekämpfung des Rechtsradikalismus.

Bunter Tisch Nürnberg, DGB Kreis Mittelfranken, Ausländerbeirat Nürnberg

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Der gute Ruf ist futsch

Für sehr viele Ziegelsteinerinnen und Ziegelsteiner bedeutet die "Kärwa" einen Höhepunkt im Jahresablauf. (...) Nach der diesjährigen "Kärwa" mußte man sich am Arbeitsplatz die Frage gefallen lassen, in welchem braunen Sumpf man lebe. Der Nordost-Anzeiger berichtete ja ausführlich über die Gründe. Wer zur Zeit des "Kärwa"-Anstichs von Heroldsberg hereinkam, traute seinen Augen kaum wegen der Polizeibusse und -kontrollen in den Bierweg hinein. Ab Fritz-Munkert-Platz war die Polizeipräsenz überwältigend. (...) aus Süddeutschland und Thüringen hatten sich bewaffnete Neonazis zur Ziegelsteiner "Kärwa" aufgemacht. Die Ziegelsteiner "Kärwa" muß sich wohl in den letzten Jahren als Geheimtip für solche Kreise herumgesprochen haben, die wohl wissen, welches Brauchtum dort gepflegt wurde...

Immer wieder gab es Hinweise auf Verbindungen des rechtsradikalen Kreises um Thomas Scharf vom "Freiheitlichen Volksblock" zu den "Kärwaburschen", was sich in Naziliedern und Schlägereien äußerte. Der Ziegelsteiner Brauchtumsverein hatte die Ziegelsteiner mit der Mitteilung beruhigt,, im Verein und unter den "Kärwa"-Burschen aufgeräumt zu haben.

(...) Daß es sich bei der "Rauswurfaktion" um eine Vernebelungstaktik handelte, macht die Tatsache deutlich, daß Thomas Scharf unbehelligt mindestens fünf Jahre lang eine der Leitfiguren der "Kärwa"-Burschen war. Noch deutlicher wird dies durch die inzwischen sattsam bekannte Stoffpuppenstrangulierung durch die "gesäuberten" "Kärwa"-Burschen. Auf dem "Kärwa"-Umzug wurde eine rothaarige Stoffpuppe mitgeführt - es soll auch auf ihr herumgetrampelt worden sein - die am Kärwabaum "aufgehängt" wurde und zweifelsfrei Frau S. darstellte. Sie war die einzige Kritikerin innerhalb des Brauchtumsvereins, der der totale Alkoholismus der "Kärwaburschen" und deren rechtslastige Tendenzen zu viel gewesen waren, wofür die durch die üblichen Tricks als Beisitzerin aus dem Vorstand hinausgewählt worden war, wobei auch Herr Vogel nachgeholfen hatte. Nun sagen manche in Ziegelstein, das mit der Puppe sei halt ein grober Scherz. Grob schon, aber ein Scherz ist es nicht, wenn Menschen symbolisch stranguliert werden. Welche Menschenverachtung und welcher Haß steckt hinter einer solchen Tat? Von Historikern weiß man, daß lange vor der Massenvernichtung von Juden erkennbar Puppen bei Umzügen mitgeführt und aufgehängt wurden. Wie das geendet hat wissen wir, zumindest die, die es wissen wollen.

Nun hat der Vorsitzende des Brauchtumsvereins und Organisator der "Kärwa", Herr Vogel, erklärt, daß er das alles in dem ganzen Streß nicht mitbekommen hat. Den Streß und auch Pannen kann ihm, wer selbst öfter größere Veranstaltungen organisiert, abnehmen, die Unkenntnis nicht. Frau S. hat einen Zeugen, der das Aufstellen des "Kärwa"-Baumes miterlebte und Herrn Vogel ahnungslos fragte, welches "Madla" da oben sei? Vogels Antwort: "Eine in Ziegelstein sattsam bekannte Dame". Der Zeuge: "Aber, ich glaube, die hat kürzere Haare!" Herr Vogel: "Dann meinen wir dieselbe" (...) Herr Vogel wußte also, was da geschah, und schritt nicht ein... (...) Frau S. lebt inzwischen in Angst. Schließlich bekam sie, wie die Polizei feststellte, am 20. August zwei fingierte Briefbomben. Das ist doch kein Scherz mehr!

Will man verstehen, wie es möglich war, daß über Jahre Rechtsradikale als "Kärwa"-Burschen (...) im Brauchtumsverein einen wärmenden Schoß fanden, muß man sich mit diesem Verein und seinem Brauchtumsbegriff einmal genauer befassen. Gegründet wurde er 1990. Ursprünglich sollte es ein reiner "Kärwa"-Verein werden (...) Brauchtumspflege gibt es dann, wenn Bräuche schon ausgestorben sind aber am Aussterben sind, weil das, was für frühere Generationen und ihrer Gegenwart wichtig war, durch die geschichtliche Entwicklung überholt wurde. (...) nicht alles, was unseren Vorfahren gefiel, ist es wert, erhalten zu werden. Dazu gehört zum Beispiel die Frauenfeindlichkeit in manchem "Kärwa-Liedla". Anderes wieder kann für uns Menschen der Gegenwart noch wertvoll sein. Dann ist Brauchtumspflege wirklich sinnvoll. (...) Ziegelstein/Loher Moos ist ein Stadtteil, der viel Tradition zu bieten hat. (...) Da gibt es Traditionen der Nachbarschaftshilfe, die heute noch z. B. im Siedlerverein weiterleben (...) Es gab viele tapfere Ziegelsteinerinnen und Ziegelsteiner wie Fritz Munkert, Johann Prölß, Andreas Umrath, Ernst Walz oder Gunda Fuchs und viele andere, die ihren Widerstand gegen das Dritte Reich mit Angst, Freiheitsentzug, KZ oder sogar mit dem Leben bezahlten. Für all dies ist im Brauchtumsverein Ziegelstein kein Platz. Man marschiert zwar am "Kärwa"-Sonntag zum Kriegerdenkmal, aber der Ziegelsteine Fritz Munkert, dem letztendlich ein Zigarettenstummel, den er einem Zwangsarbeiter gegeben hatte, zum Verhängnis wurde, kommt bei dieser Brauchtumspflege nicht vor. Trägt doch ein Platz auf dem Weg zur "Kärwa" seinen Namen. Die Erforschung und Bewahrung der Geschichte von Ziegelstein und Loher Moos durch den Geschichtskreis wurde vom Brauchtumsverein ignoriert. (...) Stattdessen wurden Bräuche aus der ländlichen Region implantiert. Man half sich mit Imitaten. Osterbrunnen sehen schön aus, sind aber nicht Ziegelsteiner Brauchtum.

(...) Der Brauchtumsverein unterstützt die "Kärwa"-Burschen finanziell und durch Dienstleistungen in erheblichem Umfang. Deshalb hätte man erwarten können, daß er bei den ersten rechtsradikalen Anzeichen einschreitet, vor allem als man wußte, welche braune Soße man pflegte. Lange geschah überhaupt nichts. Die einzige Person, die auf die Mißstände hinwies, wurde hinausgeekelt. Verantwortlich dafür ist der große Macher der "Kärwa", Bezirksrat Jürgen Vogel. Herr Vogel war gegenüber Naziliedern und Ausländerfeindlichkeit taub und blind. Heute lehnt er jede Verantwortung ab, wie seine veröffentlichten Äußerungen erkennen lassen. Er sei kein Sozialarbeiter, Herr Scharf sei nur privat ein Neonazi - das muß man sich einmal vorstellen! - usw. (...) Durch die öffentlich bekundete Dickfelligkeit und Verantwortungs-Losigkeit (...) hat er als Mensch und Mandatsträger Selbstdemontage betrieben. (...) Der sogenannte Brauchtumsverein würde sich und Ziegelstein mit der Selbstauflösung einen Gefallen tun. Die Ziegelsteiner "Kärwa" war auch vor seiner Existenz schon sehr populär. Vor allem wäre sie wieder die "Kärwa" aller Ziegelsteinerinnen und Ziegelsteiner und gehörte nicht nur denen, die vor den rechtsradikalen Geschehnissen die Augen schlossen. So mußte sich Stadträtin Erika Faul von ihrer CSU-Kollegin Barbara Regitz den Vorwurf gefallen lassen, was sie überhaupt auf der "Kärwa" verloren habe, nur weil sie aus guten Gründen nicht auf den "Kärwa"-Wagen gestiegen war und dies öffentlich kundgetan hatte. (...) Tobias Schmidt von der Jungen Union irrt, wenn er meint: "Ziegelstein ist kein Tummelplatz für Radikale, ob von rechts oder links". Für Rechtsradikale ist dies unser Stadtteil schon lange. Und dazu hat der Brauchtumsverein seinen Beitrag geleistet (...)

Quelle: "der ziegelstein", Zeitung der SPD Ziegelstein/Loher Moos, Ausgabe Nr. 53 v. Oktober 1996 , mit freundlicher Genehmigung des Verfassers

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Pressemitteilung der SPD Nürnberg
vom 9. Dezember 1997

Die Fraktion der SPD wird morgen im Nürnberger Stadtrat beantragen, daß dem Unternehmer Karl Diehl die Ehrenbürgerwürde wieder aberkannt wird.

Auch der Vorstand der Nürnberger SPD erhebt diese Forderung. Die Ereignisse, die unter einer nicht abstreitbaren Verantwortung des Betriebsführers Karl Diehl in dessen Firma stattgefunden haben, sind mit einer Ehrenbürgerwürde nicht zu vereinbaren. Sie sind auch nicht kompensierbar durch die Verdienste, die sich Diehl als sozial engagierter Unternehmer und Mäzen in der Bundesrepublik Deutschland erworben hat.

Der Vorstand der Nürnberger SPD bedauert, daß Herr Diehl nicht von sich aus jenen Schritt gegangen ist, der eine förmliche Entscheidung im Stadtrat überflüssig gemacht hätte.

Die Frage der Ehrenbürgerwürde für Karl Diehl ist zu einem öffentlichen Politikum von weit über die Stadt Nürnberg hinausreichender Tragweite geworden. Herr Diehl selbst hat in einem offenen Brief sich an die Öffentlichkeit gewandt. Die morgige Beratung und Entscheidung im Stadtrat darf deshalb nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. In der nun entstandenen Situation darf es weder ein Verschweigen noch ein Verdrängen geben. Es geht auch um die Betroffenheit der Opfer. Es geht auch um den Ruf der Stadt Nürnberg.

Der Unterbezirksvorstand hält deshalb eine Behandlung des Stadtrats-Tagesordungspunktes "Ehrenbürgerwürde Karl Diehl" in öffentlicher Sitzung für geboten.

Günter Gloser MdB
Vorsitzender der SPD Nürnberg

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Verantwortlich:
Rüdiger Löster
http://www.loester.net
http://www.loester-fotografie.de