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Ausländer
in Deutschland
Fakten gegen Vorurteile
"Das Land, das die Fremden nicht beschützt, geht bald unter" (Goethe)
Dieser Text wurde im August 2000 verfasst und wird seitdem jeweils aktuell ergänzt. Die Ergänzungen sind im Anschluss an den ursprünglichen Text angefügt.
| aus
einer Rede des Nürnberger Oberbürgermeisters Dr. Ulrich
Maly (SPD) am 18. Februar 2005 bei der Tagung der Bayerischen
Landeszentrale für politische Bildung:
"Multi-Kulti als
Gesellschaftsmodell ist gescheitert." Das ist eine
schlichte Themaverfehlung, denn die multikulturelle Gesellschaft
ist Realität, nicht Vision. Realität kann nicht scheitern, man
kann sich ihr verweigern, aber das sollte man nicht tun. |
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| Behauptung | Tatsachen |
| Asylbewerber bekommen das Geld nachgeschmissen | Gezahlt
wird ein Taschengeld von ca. 40 Euro pro Monat für den
Haushaltsvorstand und 20 Euro für weitere Familienangehörige.
Für Lebensmittel und Kleidung gibt es nur noch Essenspakete und
Gutscheine, die Sozialhilfe liegt in ihrem Gesamtbetrag pro
Person nach mehreren Gesetzesänderungen deutlich unter der, die
Deutsche erhalten Außerdem geht die Zahl der Asylbewerber seit der Änderung des Grundrechts-Artikels 1993 kontinuierlich zurück - von 438 000 im Jahr 1992 auf 95 333 in 1999 und ca. 71.000 im Jahr 2002. |
| Asylbewerber leben auf unsere Kosten und arbeiten nichts | Seit
1997 durften Asylbewerber, die nach dem Stichtag 15. Mai 1997
eingereist sind, gar nicht arbeiten - auch wenn sie wollen und
sogar einen Arbeitsplatz fanden. Die derzeitige Regierung hat dieses von der Kohl-Regierung erlassene Verbot gelockert. Jetzt dürfen Asylbewerber nach einem Jahr Aufenthalt in Deutschland arbeiten. Aber trotzdem nehmen sie niemanden einen Arbeitsplatz weg: sie können nur solche Arbeitsstellen annehmen bzw. vermittelt bekommen, für die keine Deutschen oder Angehörige der EU zur Verfügung stehen. Nachtrag 2005: Diese Regelung ist für solche Menschen, die eine so genannte "Duldung" haben, also aus irgendwelchen Gründen nicht abgeschoben werden können, wieder verschärft worden. Das führte dazu, dass ausländische Arbeitnehmer mit einer Duldung, die teilweise seit Jahren z. B. in der Gastronomie arbeiteten, von einem Tag auf den anderen keine Arbeitserlaubnis mehr erhalten, sich damit ihren Lebensunterhalt nicht mehr selbst verdienen können und Sozialhilfe beantragen müssen. |
| Das sind doch alles nur Wirtschaftsflüchtlinge, deren Asylantrag gar nicht anerkannt wird | Es
werden zwar nur rund 3,6 Prozent (Stand von 1999) der
Asylbewerber als politisch verfolgt anerkannt. Aber viele der
nicht anerkannten Asylbewerber können nicht abgeschoben
werden (Beispiel: die Bürgerkriegsflüchtlinge aus
Ex-Jugoslawien). Daran sind wir - wie andere Staaten auch -
durch die UN-Flüchtlingskonvention und andere
zwischenstaatliche Abkommen gebunden. 1998 hatten rund 285 000 Ausländer in Deutschland diesen Status der Duldung. |
| Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg | Ausländer
nehmen Deutschen keine Arbeitsplätze weg - sie schaffen
teilweise selbst Stellen: Gerade die Türken - mit 2,1 Millionen
die größte Gruppe der 7,4 Millionen Ausländer in Deutschland
- sind zunehmend erfolgreiche Unternehmer, die über 160 000
Arbeitnehmer beschäftigen, darunter auch Deutsche, sie
erwirtschaften einen Jahresumsatz von ca. 18 Milliarden €. Das Rheinisch-Westfälische Institut hat nachgewiesen, dass die ausländischen Arbeitskräfte, die zwischen 1988 und 1992 in die deutsche Wirtschaft integriert wurden, allein 1992 durch ihren Beitrag 90.000 neue Arbeitsplätze in vor- und weiterverarbeitenden Branchen entstehen ließen. Außerdem kann ein Arbeitsplatz erst dann mit einem Nicht-EU-Ausländer besetzt werden, wenn sich zuvor kein Deutscher oder EU-Bürger für diese Stelle findet. Innerhalb der EU gilt das Prinzip der Freizügigkeit, so wie jeder Deutsche sich in jedem anderen EU-Land eine Arbeit suchen kann, so gilt das natürlich auch für die Bürger der anderen EU-Länder in Deutschland. Und wenn wir keine Ausländer beschäftigen würden, gäbe es in bestimmten Branchen wie z. B. der Gastronomie sehr schnell Engpässe. Und wir brauchen doch nur mal an die jährliche Wein- oder Spargelernte denken, wo es nicht einmal gelingt, deutsche Sozialhilfeempfänger für diese Tätigkeiten zu gewinnen. In den neuen Bundesländern hat die Beteiligung ausländischer Investoren mit mehr als 13,3 Milliarden € 146.000 Arbeitsplätze gesichert bzw. neu geschaffen. Ausländer sind von der Arbeitslosigkeit stärker als die Deutschen betroffen (die Quote betrug 1999 bei Ausländern 19,2 Prozent, bei Deutschen 11,7 Prozent). Als Arbeitslose erhalten Ausländer die gleichen Leistungen wie Deutsche - sie haben vorher während ihrer Berufstätigkeit auch die gleichen Versicherungsbeiträge entrichtet. Nach einer RWI-Untersuchung geben die gut sieben Millionen Ausländer in Deutschland mit 50 Milliarden Euro Abgaben dem Gemeinwesen 15 Milliarden mehr, als sie selbst wieder an öffentlichen Leistungen bekommen. |
| Wir haben zu viele Ausländer in Deutschland, Deutschland ist doch kein Einwanderungsland | Gleich
mal zu Beginn ein Blick in die "gute, alte (Kaiser-)Zeit",
als noch alles "besser" war: 1910 betrug der Anteil
der Ausländer in Deutschland 6,5 Millionen bei einer
Gesamtbevölkerung von 65 Millionen - also ziemlich genau 10
Prozent! Heute leben 7,32 Millionen Migranten in Deutschland,
das sind dagegen nur 8,9 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Entlarvend ist das Argument, es seien zu viele Ausländer in Deutschland, ganz besonders dann, wenn es von solchen Menschen kommt, die die Zeit des Naziterrors als politisches "Vorbild" sehen. 1944 befanden sich mehr als sieben Millionen so genannter Fremdarbeiter in Deutschland, ca. 20 Prozent aller Beschäftigten waren Ausländer! Womit klar wird, dass es denen, die "Ausländer raus" schreien, in Wirklichkeit darum geht, Ausländer als billige Arbeitskräfte, als rechtlose Sklaven zu behandeln - wie schon einmal während des "Tausendjährigen Reiches". Die Ausländer, die von der deutschen Wirtschaft seit Anfang der 60er Jahre ins Land geholt wurden, haben wesentlich durch ihre Arbeit zu unserem "Wirtschaftswunder" beigetragen. Trotz Anwerbestopp kamen weiter Menschen aus anderen Ländern - legal -in unser Land, zum einen durch Familiennachzug, dann durch die Aussiedler aus den osteuropäischen Ländern. Teilweise leben diese Familien inzwischen in der dritten Generation hier, kennen ihr "Ursprungsland" ebenso wie deutsche Touristen nur aus dem Urlaub, leben und arbeiten hier, haben ihren Lebensmittelpunkt hier. Sie werden aber immer noch als "Ausländer" behandelt: während in den meisten anderen europäischen Ländern die in diesem Land geborenen Menschen die jeweilige Staatsangehörigkeit dieses Landes erhalten (und dann in der Statistik auch nicht mehr als "Ausländer" auftauchen), war ein erster Schritt in diese Richtung in Deutschland 1999 erst nach langen Debatten möglich (und wir sollten nicht vergessen, dass die damalige CDU-Kampagne gegen eine verbesserte Integration trefflich als Stichwortgeber für Rechtsradikale geeignet war!). Diese Menschen werden in der Bevölkerungsstatistik als "Ausländer" geführt, obwohl sie längst keine mehr sind, sondern hier geboren und aufgewachsen, also höchsten noch "ausländischer" Abstammung sind. Und ihnen werden damit wesentliche Rechte vorenthalten wie z. B. das Wahlrecht, obwohl sie die gleichen Pflichten wie Deutsche haben, was Steuerzahlen usw. angeht. Außerdem dürfen wir gerade für
die Zukunft nicht außer acht lassen, dass die deutsche
Bevölkerung zusehends vergreist und stark schrumpft. Das
hat Folgen - für die sozialen Sicherungssysteme, für den
Arbeitsmarkt, für die gesamte staatliche Entwicklung. Der Berliner Migrationsforscher Rainer Münz prophezeite im Handelsblatt: "Bald wird der unfreundliche Westen mit erhobenen Händen um Nachschub von Menschen aus dem Ausland betteln." Wie Anfang der 60er Jahre. |
| Ausländer leben auf unsere Kosten und schaffen das Geld in ihr Heimatland | Die
erwerbstätigen Ausländer in Deutschland erarbeiten ein
Bruttosozialprodukt von jährlich ca. 128 Milliarden €.
Damit liegt das BSP sechs Prozent höher als ohne Ausländer. 1991 zahlten die Ausländer z. B. 6,5 Milliarden € in die Rentenversicherung ein, erhielten aber nur 1,9 Milliarden an Renten ausgezahlt, tragen so also wesentlich zur Stabilität unserer Sozialversicherungssysteme bei, entlasten die Rentenkassen. Ergänzung Oktober 2006:
Nach der neuesten Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der
Arbeit (IZA) bringen die in Deutschland lebenden Ausländer den
Sozialkassen derzeit zusätzliche Einnahmen in Höhe von 12,8
Milliarden Euro. Der Wissenschaftler Bonin vom IZA sagt
wörtlich: Das Stammtischgerede, dass Ausländer die
Sozialsysteme ausplündern, ist blanker Unsinn. Die Summe der Zahlungen an die Heimatländer ist rückläufig.. So verdienten 1984 die türkischen Mitbürger in Deutschland ca. 9 Milliarden €, von denen sie 1,8 Milliarden in die Türkei überwiesen. Obwohl die Zahl der türkischen Arbeitnehmer bis 1992 um 30 Prozent gestiegen war, betrugen die Überweisungen in ihre Heimat nur noch 1,2 Milliarden €. Ergänzung August 2007: Die Zahl der Unternehmen türkischer Herkunft nimmt zu. Demnach gab es im Jahr 2006 rund 69.000 Unternehmer türkischer Herkunft in Deutschland. Und das sind nicht nur Döner-Buden. Nur 24,8 Prozent der Betriebe waren der Gastronomie zuzuordnen. Der Handel nahm mit 35 Prozent den ersten Platz ein, Dienstleistungen machten 22,4 Prozent aus, Handwerk, Industrie und Baugewerbe zusammen 17,8 Prozent. Von diesen Unternehmern werden rund 120.000 Menschen beschäftigt. Also: Ausländer raus, um Arbeitsplätze zu schaffen? |
| Ausländer sind kriminell | Das
Gefühl vieler Deutschen, sie lebten heute gefährlicher als früher
ist objektiv unbegründet. Auch die Behauptung, Ausländer
tendieren mehr zu Gewalttaten als Deutsche halte einer Analyse
nicht stand, meint der Leiter des Kriminologischen Instituts
Niedersachsen, Christian Pfeiffer in einem Interview mit dem
Handelsblatt. Unter den 7 Millionen Ausländern sank der Anteil
der Tatverdächtigen von 1993 bis 1996 um fast 20 Prozent.
Im Gegensatz zu deutschen Kriminellen sind Ausländer in allen Delikten prozentual geringer vertreten. (Von 1993 bis 1996):
Um das Bild noch weiter zu korrigieren: bei den in den Polizeistatistiken Genannten handelt es sich um Tatverdächtige; während deutsche Tatverdächtige letztlich zu etwa 30 Prozent verurteilt werden, liegt der Anteil bei Nichtdeutschen bei nur 25 Prozent - mit dunkler Hautfarbe und ausländischem Aussehen ist man halt schneller "verdächtig". Außerdem muss bei der Statistik berücksichtigt werden, dass bei der Nennung ausländischer Tatverdächtiger auch solche aus den Gruppen ausländische Touristen, Angehörige der bei uns stationierten NATO-Streitkräfte und Menschen ohne legale Aufenthaltserlaubnis mitgezählt werden. Diese Gruppen tauchen aber in der Bevölkerungsstatistik nicht als ausländische Mitbürger auf. (Quelle: u. a. kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen) Einzig in einem Delikt stehen Ausländer an der Spitze: Fast 100% der Tatverdächtigen sind Ausländer bei Verstößen gegen das Ausländer- oder Asylgesetz. Das liegt aber immerhin daran, dass Deutsche gegen diese Gesetze nicht verstoßen können, da sie ja keine Ausländer sind. Und teilweise reicht für ein "Vergehen" schon die Tatsache, dass eine Aufenthaltserlaubnis ein paar Tage zu spät neu beantragt wurde oder ein Pass abgelaufen ist. Aktualisierung August
2001: Aktualisierung Mai 2006: |
| Deutschland ist doch kein Einwanderungsland (Teil 2), wir werden überfremdet | Was
ist eigentlich "typisch deutsch"? Carl Zuckmayer formuliert dies in seinem Theaterstück "Des Teufels General" sehr treffend: "Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor - seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Familientradition begründet. Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsass, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant - das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt - und - und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg (...) Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt - wie die Wasser aus den Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem, großen, lebendigen Strom zusammenrinnen." Es gibt keine Deutschen, die über Jahrhunderte "deutsche" Vorfahren nachweisen kann. Die Nachkommen all dieser Völker, die in Mitteleuropa lebtenb oder durchzogen, sind das deutsche Volk - ein Eintopf mit Zutaten aus der ganzen Welt. Also, was bitte ist "deutsch", was bitte ist "Überfremdung"? Aber auch hier mal einige Zahlen
(denn das, was manche Menschen als Vorurteile pflegen, stimmt
nicht immer mit der Realität überein): Und eine Begriffserklärung: es wird viel von Menschen mit "Migrationshintergrund" gesprochen, die dabei genannten Zahlen sind deutlich höher als die Zahlen des Ausländeranteils in Deutschland. Das wird dann gerne als Beweis dafür genommen, dass viel mehr Ausländer in Deutschland leben, als bisher zugegeben wurde. Ist aber falsch: bei Menschen mit Migrationshintergrund handelt es sich generell um Menschen, die aus einem anderen Land gekommen sind, also über die Grenze nach Deutschland gekommen sind. Und da gehören auch die vielen Spätaussiedler dazu. Menschen, die in keiner Statistik als "Ausländer" gezählt wurden oder werden, weil sie von Anfang an als Deutsche gelten - aber nichts desto trotz einen "Migrationshintergrund" haben. Und dann noch ganz nebenbei: die "deutsche" Staatsbürgerschaft gibt es erst seit 1934! Bis dahin gab es nur die Staatsbürgerschaft der Länder des Deutschen Reiches. Im Pass stand dann also: "bayerisch" oder preußisch". |
| Ergänzung
(März 2003):
Der Ausländeranteil von 8,9 Prozent ist auch 2002 stabil geblieben. 79,3 % der Ausländer stammen aus europäischen Ländern, und 20,9 Prozent der hier lebenden Ausländer wurden bereits in Deutschland geboren. Etwa zwei Drittel der in Deutschland lebenden Ausländer lebte 2002 schon acht Jahre oder länger in Deutschland und hatte damit die für eine Einbürgerung notwendige Aufenthaltsdauer erreicht. Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer hat sich gegenüber dem Vorjahr nur um 0,2 Prozent erhöht. Quelle: Ausländerzentralregister Ergänzung (Januar 2004): 2003 wurden nur noch 50.563 Asylanträge gestellt, knapp 29 Prozent weniger als im Vorjahr. Insgesamt blieben, wenn man Zu- und Wegzüge gegeneinander aufrechnet, 2001 knapp 273.000 Migranten in Deutschland. 2002 lag die Zahl bei 219.000. Und im ersten Halbjahr 2003 lag der Wanderungssaldo bei 85.000. Bei den zuziehenden Ausländern ist der Anteil der 18 - 40-jährigen deutlich größer als bei der deutschen Bevölkerung. Der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung liegt bei 9 Prozent, der Anteil der Zuwanderer bei 0,25 Prozent der Gesamtbevölkerung. Quelle: Nürnberger Nachrichten, 17.01.04 Ergänzung (Februar 2005): Christian Pfeiffer, der Leiter des Kriminologischen Instituts in Hannover erklärt, dass die zunehmende Furcht der Deutschen vor Kriminalität unbegründet sei. So ist die Zahl der Sexualmorde zwischen 1993 und 2003 um 37,5 % zurückgegangen, die Zahl der Morde sogar um 40,8 Prozent! In der Öffentlichkeit entstehe allerdings durch die Berichterstattung der Privatsender der entgegengesetzte Eindruck. Besonders problematisch ist der Umgang mit Ausländern. "Wenn ein Deutscher von einem Deutschen verprügelt wird, zeigt er das in 20 Prozent der Fälle an. Wird er von einem Ausländer geschlagen, meldet er das zu 30 Prozent". Auch Richter hätten im Strafmaß bei Ausländern stärker als bei Deutschen zugelegt. Quelle: Nürnberger Nachrichten/dpa, 15.02.2005 März 2005, Anmerkungen zur "Visa-Affäre": Derzeit wird die vorübergehend
erleichterte Erteilung von Einreisevisa an der deutschen
Botschaft in der Ukraine von den Unionsparteien und
verschiedenen Medien dazu genutzt, das Horrorbild eines
ungebremsten Zuzugs von Schwarzarbeitern und
Zwangsprostituierten aus der Ukraine an die Wand zu malen. Wie
sehen dagegen die Fakten aus? Ergänzung Juni 2005: Im Jahr 2004 wurden vom Nürnberger
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nur 960 Asylbewerber
als Asylberechtigte anerkannt. Weiteren 1100 Menschen wurde
Abschiebeschutz gewährt. Die Migrationsbeauftragte der
Bundesregierung hat ihren 6. Bericht zur Lage der Ausländer in
Deutschland abgegeben. Ergänzung 2006:
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Diskussionsbeitrag:
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Die
türkischstämmige Soziologin Necla Kelek hat die Thesen ihres
Buches "Die fremde Braut" bei einer Tagung des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg
vorgestellt. Jede zweite in Deutschland lebende Türkin hat sich demnach ihren Partner nicht selbst aussuchen können, sondern ist Opfer einer Zwangsehe. Dass Zwangsehen nach wie vor auf der Tagesordnung sind, hält auch der aktuelle Migrationsbericht der Bundesregierung (Juni 2005) fest. "Import-Bräute" sind teils minderjährige Frauen, die in der Türkei aufwachsen. Ihre Eltern entscheiden, dass sie einen nach Deutschland ausgewanderten Landsmann heiraten sollen. Sie kommen nach Deutschland, kennen weder die Sprache, Geschichte, Strukturen und Kultur dieses Landes und bewegen sich nur im Umfeld ihrer Familie. Diese Abschottung reproduzieren sie bei ihren Kindern und tragen damit zur Entstehung einer Parallelgesellschaft bei, in der weiterhin Zwangsehen, aber auch "Ehrenmorde" möglich sind, bei denen Brüder ihre Schwestern töten, wenn diese eine Affäre mit einem nicht genehmigten Partner eingehen oder aus dem Familienverbund ausscheiden wollen. Kelek kritisiert in diesem Zusammenhang auch die "Multi-Kulti-Romantik", mit der manche Deutsche über diese Fehlentwicklung hinweggesehen hätten. Da habe es zu lange eine "falsche Toleranz" auch gegenüber fundamentalistischen Strömungen von Muslimen in Deutschland gegeben. Die Gleichberechtigung der Frau ist für die Autorin die Nagelprobe dafür, ob Integration gelingen kann. "Denn wer die Gleichberechtigung nicht will, der will eine geteilte Gesellschaft und keine echte Demokratie". |
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Diskussionsbeitrag:
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Prominente Deutsch-Türken haben an die Musliminnen in Deutschland appelliert, als Zeichen ihrer Integrationsbereitschaft das Kopftuch abzulegen: Wer sich verschleiere, grenze sich bewusst von der deutschen Gesellschaft ab. "Das Kopftuch ist ein Symbol der Frauenunterdrückung. Wer von Frauen verlangt, dass sie ihren Kopf und das Haar verhüllen, macht sie zu einem Sexualobjekt", sagte Ekin Deligöz, Bundestagsabgeordnete der Grünen, der "Bild am Sonntag". Deligöz richtete sich an die muslimischen Frauen: "Kommt im Heute an, kommt in Deutschland an. Ihr lebt hier, also legt das Kopftuch ab!" Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün kritisierte das Kopftuch als diskriminierend und forderte Gleichberechtigung für Musliminnen. "Es geht nicht an, dass der türkische Mann im modischen Anzug auf die Straße geht - und seine Frau neben ihm muss einen unscheinbaren, bodenlangen Mantel und ein Kopftuch tragen." Quelle: Spiegel Online, 15.10.06 |
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Die Rütli-Schule in Berlin und die Folgen |
„Voraussetzung zur Integration ist nach Überzeugung Stoibers das Beherrschen der deutschen Sprache. Hinzukommen müssen, so Stoiber weiter, spürbare Sanktionen bei Nichterfüllung der Deutschpflicht.“ So die CSU und der bayerische Ministerpräsident Stoiber am 04. April 2006 als Reaktion auf die Ereignisse in der Berliner Rütli-Schule. Kennt Stoiber überhaupt die Realität in Bayern? Anscheinend nicht. Eine offizielle Statistik des Kultusministeriums für das laufende Schuljahr 2005/2006 weist aus, dass von 13.500 eingeschulten Migrantenkindern nur 208 (!!!) keine ausreichenden Deutschkenntnisse hatten. Das sind nur ca. 1,5 Prozent! Diese Schüler wurden ein Jahr zurückgestellt. Und nur 448 Kinder dieser 13.500 Kinder hatten keinen Kindergarten besucht.(Quelle: Nürnberger Nachrichten v. 4.04.06) Trotzdem wurde heute im bayerischen Kabinett beschlossen, Sanktionen gegen die Familien einzuführen, deren Kinder keine ausreichenden Deutschkenntnisse haben – eine populistische Maßnahme, die davon ausgeht, die mangelnden Deutschkenntnisse seien die Regel. Aber da zeigt die Statistik des Kultusministeriums etwas anderes. Und die angebliche Kriminalität der ausländischen Jugendlichen? Am Beispiel Nürnbergs zeigt die Statistik, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen deutschen Jugendlichen und Jugendlichen ausländischer Herkunft gibt. Dies wurde im März 2006 auch ausdrücklich von der Polizei bei der Vorstellung des Sicherheitsberichtes im Stadtrat betont. Ein nicht zu unterschätzendes Manko der gegenwärtigen Diskussion ist, dass sie – was die Zukunftsperspektiven der Jugendlichen auf Hauptschulen betrifft – auf Jugendliche mit Migrationshintergrund beschränkt wird. Aber davon, dass die Hauptschule tatsächlich – was die berufliche Perspektive angeht – zum Abstellgleis geworden ist, sind auch die deutschen Jugendlichen betroffen, die einen Hauptschulabschluss machen. Vielleicht wäre es sinnvoller, sich mal Gedanken um die Aufhebung des streng getrennten Schulsystems zu machen, über die Einführung von flächendeckenden Ganztagsschulen und die stärkere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schultypen nachzudenken. Nicht nur die Ergebnisse der Pisa-Studie, auch solche Ereignisse wie in der Berliner Rütli-Schule und die Perspektivlosigkeit von Hauptschülern zeigt, dass etwas faul ist im Bildungssystem. |
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Dezember 2007 |
Das
Thema “Ausländergewalt” steht in diesen Tagen wieder ganz
oben in den Schlagzeilen der Boulevard-Zeitungen. Es geht es um
einen brutalen Überfall auf einen Rentner in München. Da es
sich bei den Tätern um Jugendliche handelt, die griechischer
bzw. der türkischer Herkunft sind, wird sofort ein generelles
Problem konstruiert.
Die beiden Jugendlichen haben ihr Opfer aber offenbar ausgesucht, weil er sie in der Bahn gebeten hatte, nicht zu rauchen. Nur zum Vergleich - bevor hier ein "deutschfeindlicher" Übergriff konstruiert wird: In Potsdam wurde ein Schwarzer während ein Schlägerei rassistisch beschimpft , es soll sich dabei aber nicht um eine rassistische Tat gehandelt haben… Koch - der um seine Wiederwahl
als hessischer Ministerpräsident fürchtet - aber hat aus
Wiesbaden die Tat und ihre Ursachen sofort knallhart analysiert:
“Wir haben zu viele kriminelle Ausländer” und “Wer sich
nicht an die Regeln hält, der muss weg.” Bei der Verwendung
derartiger NPD-Parolen vergisst Koch aber: Viele Jugendlichen
sind zwar auf dem Papier keine Deutschen, praktisch sind sie
aber Bürger dieses Landes - wenn auch zweiter oder dritter
Klasse. Viele wurden hier geboren oder sind schon seit vielen
Jahre hier (und können z. B. als EU-Bürger gar nicht
abgeschoben werden). Und dass die Kinder und Enkelkinder der
Immigranten weiter als "Ausländer" von der Politik an
den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden (und werden), keine
Perspektive haben, ist keine Folge von rot-grünen "Multi-Kulti-Träumereien":
In den entscheidenden Jahren, in denen die Weichen gegen eine
Integration gestellt wurden, regierte die CDU/CSU mit Kanzler
Kohl. Und gerade Politiker wie Koch sind es, die - anstatt sich
für eine vernünftige Integration einzusetzen - weiterhin mit
rassistischen Parolen und rassistischer Politik Wahlen gewinnen
(wollen). Es ist kein Zufall, dass gerade Koch jetzt unmittelbar
vor den Landtagswahlen in Hessen wieder NPD-Parolen hoffähig
macht: seinen ersten Wahlsieg in Hessen erreichte er mit einer
Unterschriftensammlung gegen eine Modernisierung des
Staatsbürgerrechts durch die damalige Rot-Grüne
Bundesregierung. Alles, was nach vernünftiger Integration
aussieht, bekämpfen und bei den Folgen dann die rassistischen
Parolen rausholen - das ist eine Politik, die Probleme nicht
löst, sondern letztendlich Pogromstimmungen anheizt.
weitere Informationen zum Thema: Die polizeilichen Daten schlüsseln die
Entwicklung der Gewaltverbrechen durch Jugendliche in
unterschiedliche Vergehen auf: Die Zahl der Tötungsdelikte, verübt
von Jugendlichen, ist in den vergangenen zehn Jahren um 30
Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Raubtaten sank um 20
Prozent. Erschreckend dagegen ist ein Anstieg
bei Körperverletzungen. Seit Mitte der neunziger Jahre ist
die Zahl der angezeigten Prügeleien, Messerstechereien und
anderen Verletzungen mit jugendlichen Tätern um 60 Prozent
gestiegen. Alarmierende Zahlen, die Experten aber
darauf zurückführen, dass Opfer immer öfter Anzeige erstatten
würden. Eine Studie der Innenministerkonferenz verweist
nachdrücklich darauf, dass kriminologische Forschungen zu dem
Ergebnis kommen, dass vor allem "die steigende
Anzeigebereitschaft" für die Zahlen verantwortlich ist.
Weiterhin verzeichnet die Studie der Innenminister bundesweit bei den
nichtdeutschen jugendlichen Tatverdächtigen einen Rückgang von
26,1 auf knapp 25 Prozent. Die Situation in Mittelfranken: 28 Prozent
aller Tatverdächtigen sind Jugendliche, also unter 21 Jahre
alt. Bei deutschen Tatverdächtigen macht der Jugendanteil 30
Prozent aus, bei den ausländischen Tatverdächtigen nur knapp
23 Prozent (Nürnberger Nachrichten v. 4. Januar 2008). Bessere Bildungspolitik anstatt
Boot-Camps Und das nicht nur auf Seiten der oft
perspektivlosen Einwandererkinder. Rechtsextreme und
gewalttätige Migranten seien zwei Seiten derselben Medaille.
"Sie sind Zwillinge im Geiste", sagt Pfeiffer. In
Familien von Rechtsextremen oder gewalttätigen Migranten sei
oft viel misshandelt worden, auch bei den rechtsradikalen
Tätern gäbe es starke Machokulturen. "Die Strukturen sind
so ähnlich, dass es schon absurd ist, wie sie sich
hassen." "Die nehmen beide nicht viel Rücksicht wenn
es um Gewalt gegen Andersdenkende geht", sagt auch Berlins
Polizeipräsident Glietsch. |
| diese
Liste wird bei Bedarf weiter ergänzt
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Quellen: u. a. Nürnberger Nachrichten, div. Tageszeitungen und Zeitschriften, Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge, Veröffentlichungen des Innenministeriums.
empfehlenswerte Literatur:
Tahar Ben Jelloun, Papa, was ist ein Fremder?, Rowohlt
zuletzt aktualisiert: 04.01.08
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