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Ausländer
in Deutschland
Fakten gegen Vorurteile
"Das
Land, das die Fremden nicht beschützt, geht bald unter" (Goethe)
Dieser Text wurde im August 2000 verfasst und wird
seitdem jeweils aktuell ergänzt. Die Ergänzungen sind im Anschluss
an den ursprünglichen Text angefügt.
| aus
einer Rede des Nürnberger Oberbürgermeisters Dr. Ulrich
Maly (SPD) am 18. Februar 2005 bei der Tagung der Bayerischen
Landeszentrale für politische Bildung:
"Multi-Kulti als
Gesellschaftsmodell ist gescheitert." Das ist eine
schlichte Themaverfehlung, denn die multikulturelle Gesellschaft
ist Realität, nicht Vision. Realität kann nicht scheitern, man
kann sich ihr verweigern, aber das sollte man nicht tun.
Was wäre auch bitte die Konsequenz? Monokulti? Oder eben die
deutsche Leitkultur? Diesem Begriff will ich jetzt nachgehen.
Was bedeutet "Leiten"? Führen, anleiten? Wen und
wohin? Die Migranten wegführen von ihrer eigenen Kultur und
Identität?
Unsere Kultur ist die Summe historischer, gesellschaftlicher, politischer,
sozialer, musischer, ja auch kulinarischer Faktoren, die die
gesellschaftliche Identität Deutschlands beschreibt. Wir
wachsen in sie hinein und sie wächst in uns. Sie ist schon
innerhalb Deutschlands, auch innerhalb Bayerns in mehr als in
Nuancen unterschiedlich. Aber da besteht ja "Einigkeit
über die Verschiedenheit". Diesen Begriff würde ich auch
gerne in der Integrationsdebatte verwenden: Einigkeit über die Verschiedenheit
herstellen.
Der Begriff "Leitkultur" taugt nichts und sollte so
schnell es geht, in die Mottenkiste der Agitation gesteckt
werden. Außer er soll bewusst Missverständnisse auslösen.
(...)
Die deutsche Geschichte ist wie die Geschichte in Stadt und
Region eine Geschichte von Migration, Integration und oft auch -
nach vielen Generationen erst - kultureller Verschmelzung. Jede
der Zuzugswellen hat bei uns Spuren hinterlassen, unsere heutige
Kultur mit geprägt. |
| Behauptung |
Tatsachen |
| Asylbewerber
bekommen das Geld nachgeschmissen |
Gezahlt
wird ein Taschengeld von ca. 40 Euro pro Monat für den
Haushaltsvorstand und 20 Euro für weitere Familienangehörige.
Für Lebensmittel und Kleidung gibt es nur noch Essenspakete und
Gutscheine, die Sozialhilfe liegt in ihrem Gesamtbetrag pro
Person nach mehreren Gesetzesänderungen deutlich unter der, die
Deutsche erhalten (Stand 2000).
Außerdem geht die Zahl der Asylbewerber seit der Änderung
des Grundrechts-Artikels 1993 kontinuierlich zurück - von 438
000 im Jahr 1992 auf 95 333 in 1999 und ca. 71.000 im Jahr 2002. |
| Asylbewerber
leben auf unsere Kosten und arbeiten nichts |
Seit
1997 durften Asylbewerber, die nach dem Stichtag 15. Mai 1997
eingereist sind, gar nicht arbeiten - auch wenn sie wollen und
sogar einen Arbeitsplatz fanden.
Die derzeitige Regierung hat dieses von der Kohl-Regierung
erlassene Verbot gelockert. Jetzt dürfen Asylbewerber nach
einem Jahr Aufenthalt in Deutschland arbeiten. Aber trotzdem
nehmen sie niemanden einen Arbeitsplatz weg: sie können nur
solche Arbeitsstellen annehmen bzw. vermittelt bekommen, für
die keine Deutschen oder Angehörige der EU zur Verfügung
stehen.
Nachtrag 2005: Diese Regelung ist für solche Menschen,
die eine so genannte "Duldung" haben, also aus
irgendwelchen Gründen nicht abgeschoben werden können, wieder
verschärft worden. Das führte dazu, dass ausländische
Arbeitnehmer mit einer Duldung, die teilweise seit Jahren z. B.
in der Gastronomie arbeiteten, von einem Tag auf den anderen
keine Arbeitserlaubnis mehr erhalten, sich damit ihren Lebensunterhalt
nicht mehr selbst verdienen können und Sozialhilfe beantragen
müssen. |
| Das
sind doch alles nur Wirtschaftsflüchtlinge, deren Asylantrag
gar nicht anerkannt wird |
Es
werden zwar nur rund 3,6 Prozent (Stand von 1999) der
Asylbewerber als politisch verfolgt anerkannt. Aber viele der
nicht anerkannten Asylbewerber können nicht abgeschoben
werden (Beispiel: die Bürgerkriegsflüchtlinge aus
Ex-Jugoslawien). Daran sind wir - wie andere Staaten auch -
durch die UN-Flüchtlingskonvention und andere
zwischenstaatliche Abkommen gebunden.
1998 hatten rund 285 000 Ausländer in Deutschland diesen Status
der Duldung. |
| Die
Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg |
Ausländer
nehmen Deutschen keine Arbeitsplätze weg - sie schaffen
teilweise selbst Stellen: Gerade die Türken - mit 2,1 Millionen
die größte Gruppe der 7,4 Millionen Ausländer in Deutschland
- sind zunehmend erfolgreiche Unternehmer, die über 160 000
Arbeitnehmer beschäftigen, darunter auch Deutsche, sie
erwirtschaften einen Jahresumsatz von ca. 18 Milliarden €.
Das Rheinisch-Westfälische Institut hat nachgewiesen,
dass die ausländischen Arbeitskräfte, die zwischen 1988 und
1992 in die deutsche Wirtschaft integriert wurden, allein 1992
durch ihren Beitrag 90.000 neue Arbeitsplätze in vor- und
weiterverarbeitenden Branchen entstehen ließen.
Außerdem kann ein Arbeitsplatz erst dann mit einem
Nicht-EU-Ausländer besetzt werden, wenn sich zuvor kein
Deutscher oder EU-Bürger für diese Stelle findet.
Innerhalb der EU gilt das Prinzip der Freizügigkeit, so wie
jeder Deutsche sich in jedem anderen EU-Land eine Arbeit suchen
kann, so gilt das natürlich auch für die Bürger der anderen
EU-Länder in Deutschland.
Und wenn wir keine Ausländer beschäftigen würden, gäbe es in
bestimmten Branchen wie z. B. der Gastronomie sehr schnell Engpässe.
Und wir brauchen doch nur mal an die jährliche Wein- oder
Spargelernte denken, wo es nicht einmal gelingt, deutsche
Sozialhilfeempfänger für diese Tätigkeiten zu gewinnen.
In den neuen Bundesländern hat die Beteiligung ausländischer
Investoren mit mehr als 13,3 Milliarden € 146.000 Arbeitsplätze
gesichert bzw. neu geschaffen.
Ausländer sind von der Arbeitslosigkeit stärker als die
Deutschen betroffen (die Quote betrug 1999 bei Ausländern 19,2
Prozent, bei Deutschen 11,7 Prozent). Als Arbeitslose erhalten
Ausländer die gleichen Leistungen wie Deutsche - sie haben
vorher während ihrer Berufstätigkeit auch die gleichen
Versicherungsbeiträge entrichtet.
Nach einer RWI-Untersuchung geben
die gut sieben Millionen Ausländer in Deutschland mit 50
Milliarden Euro Abgaben dem Gemeinwesen 15 Milliarden
mehr, als sie selbst wieder an öffentlichen Leistungen
bekommen. |
| Wir
haben zu viele Ausländer in Deutschland, Deutschland ist doch
kein Einwanderungsland |
Gleich
mal zu Beginn ein Blick in die "gute, alte (Kaiser-)Zeit",
als noch alles "besser" war: 1910 betrug der Anteil
der Ausländer in Deutschland 6,5 Millionen bei einer
Gesamtbevölkerung von 65 Millionen - also ziemlich genau 10
Prozent! Heute leben 7,32 Millionen Migranten in Deutschland,
das sind dagegen nur 8,9 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Entlarvend ist das Argument, es
seien zu viele Ausländer in Deutschland, ganz besonders dann,
wenn es von solchen Menschen kommt, die die Zeit des Naziterrors
als politisches "Vorbild" sehen. 1944 befanden sich
mehr als sieben Millionen so genannter Fremdarbeiter in
Deutschland, ca. 20 Prozent aller Beschäftigten waren Ausländer!
Womit klar wird, dass es denen, die "Ausländer raus"
schreien, in Wirklichkeit darum geht, Ausländer als billige
Arbeitskräfte, als rechtlose Sklaven zu behandeln - wie schon
einmal während des "Tausendjährigen Reiches".
Die Ausländer, die von der
deutschen Wirtschaft seit Anfang der 60er Jahre ins Land geholt
wurden, haben wesentlich durch ihre Arbeit zu unserem
"Wirtschaftswunder" beigetragen. Trotz Anwerbestopp
kamen weiter Menschen aus anderen Ländern - legal -in
unser Land, zum einen durch Familiennachzug, dann durch die
Aussiedler aus den osteuropäischen Ländern. Teilweise leben
diese Familien inzwischen in der dritten Generation hier, kennen
ihr "Ursprungsland" ebenso wie deutsche Touristen nur
aus dem Urlaub, leben und arbeiten hier, haben ihren
Lebensmittelpunkt hier. Sie werden aber immer noch als
"Ausländer" behandelt: während in den meisten
anderen europäischen Ländern die in diesem Land geborenen
Menschen die jeweilige Staatsangehörigkeit dieses Landes
erhalten (und dann in der Statistik auch nicht mehr als
"Ausländer" auftauchen), war ein erster Schritt in
diese Richtung in Deutschland 1999 erst nach langen Debatten möglich
(und wir sollten nicht vergessen, dass die damalige CDU-Kampagne
gegen eine verbesserte Integration trefflich als Stichwortgeber
für Rechtsradikale geeignet war!). Diese Menschen werden in der
Bevölkerungsstatistik als "Ausländer" geführt,
obwohl sie längst keine mehr sind, sondern hier geboren und
aufgewachsen, also höchsten noch "ausländischer"
Abstammung sind. Und ihnen werden damit wesentliche Rechte
vorenthalten wie z. B. das Wahlrecht, obwohl sie die gleichen
Pflichten wie Deutsche haben, was Steuerzahlen usw. angeht.
Außerdem dürfen wir gerade für
die Zukunft nicht außer acht lassen, dass die deutsche
Bevölkerung zusehends vergreist und stark schrumpft. Das
hat Folgen - für die sozialen Sicherungssysteme, für den
Arbeitsmarkt, für die gesamte staatliche Entwicklung.
Derzeit ist in Deutschland bereits jeder fünfte Bürger über
60 Jahre alt - schon in drei Jahrzehnten wird das Land die zweitälteste
Bevölkerung aller Staaten der Welt aufweisen. Und die Vereinten
Nationen rechneten kürzlich fünf Szenarien der Bevölkerungsentwicklung
in Deutschland durch. Bei der mittleren Variante kämen demnach
bis zum Jahr 2050 gut 200 000 Ausländer zusätzlich ins Land -
doch selbst dann würde die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 von
derzeit 82 auf 73 Millionen sinken. Ohne jeden Zuzug gäbe es in
der Mitte des 21.Jahrhunderts nur noch 59 Millionen Einwohner in
Deutschland - das "Boot" ist also noch lange nicht
"voll". Nur um die Bevölkerungszahl zu halten, müssten
laut UNO jährlich 324 000 Zuwanderer nach Deutschland kommen.
Deutschland muss sich endlich einer rationalen Diskussion des
Themas Zuwanderung stellen, um Konzepte zu ihrer Gestaltung zu
entwickeln.
Der Berliner Migrationsforscher
Rainer Münz prophezeite im Handelsblatt: "Bald wird der
unfreundliche Westen mit erhobenen Händen um Nachschub von
Menschen aus dem Ausland betteln." Wie Anfang der 60er
Jahre. |
| Ausländer
leben auf unsere Kosten und schaffen das Geld in ihr Heimatland |
Die
erwerbstätigen Ausländer in Deutschland erarbeiten ein
Bruttosozialprodukt von jährlich ca. 128 Milliarden €.
Damit liegt das BSP sechs Prozent höher als ohne Ausländer.
1991 zahlten die Ausländer z. B. 6,5 Milliarden € in die
Rentenversicherung ein, erhielten aber nur 1,9 Milliarden an
Renten ausgezahlt, tragen so also wesentlich zur Stabilität
unserer Sozialversicherungssysteme bei, entlasten die
Rentenkassen.
Ergänzung Oktober 2006:
Nach der neuesten Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der
Arbeit (IZA) bringen die in Deutschland lebenden Ausländer den
Sozialkassen derzeit zusätzliche Einnahmen in Höhe von 12,8
Milliarden Euro. Der Wissenschaftler Bonin vom IZA sagt
wörtlich: Das Stammtischgerede, dass Ausländer die
Sozialsysteme ausplündern, ist blanker Unsinn.
(Quelle: Das Parlament, Ausgabe 40/41 v. Okt. 2006)
Die Summe der Zahlungen an die Heimatländer ist rückläufig..
So verdienten 1984 die türkischen Mitbürger in Deutschland ca.
9 Milliarden €, von denen sie 1,8 Milliarden in die Türkei überwiesen.
Obwohl die Zahl der türkischen Arbeitnehmer bis 1992 um 30
Prozent gestiegen war, betrugen die Überweisungen in ihre
Heimat nur noch 1,2 Milliarden €.
Ergänzung August 2007:
Die Zahl der Unternehmen türkischer Herkunft nimmt zu. Demnach
gab es im Jahr 2006 rund 69.000 Unternehmer türkischer Herkunft
in Deutschland. Und das sind nicht nur Döner-Buden. Nur 24,8
Prozent der Betriebe waren der Gastronomie zuzuordnen. Der
Handel nahm mit 35 Prozent den ersten Platz ein,
Dienstleistungen machten 22,4 Prozent aus, Handwerk, Industrie
und Baugewerbe zusammen 17,8 Prozent. Von diesen Unternehmern
werden rund 120.000 Menschen beschäftigt. Also: Ausländer
raus, um Arbeitsplätze zu schaffen?
|
| Ausländer
sind kriminell |
Das
Gefühl vieler Deutschen, sie lebten heute gefährlicher als früher
ist objektiv unbegründet. Auch die Behauptung, Ausländer
tendieren mehr zu Gewalttaten als Deutsche halte einer Analyse
nicht stand, meint der Leiter des Kriminologischen Instituts
Niedersachsen, Christian Pfeiffer in einem Interview mit dem
Handelsblatt. Unter den 7 Millionen Ausländern sank der Anteil
der Tatverdächtigen von 1993 bis 1996 um fast 20 Prozent.
Im Gegensatz zu deutschen
Kriminellen sind Ausländer in allen Delikten prozentual
geringer vertreten. (Von 1993 bis 1996):
- Gewaltkriminalität:
Steigerung bei Ausländern um 1,5%, bei Deutschen um 12,3%
- Schwerer Diebstahl: Senkung
bei Deutschen 3,6%, bei Ausländern 27,3%
- Beim einfachen Diebstahl
verzeichnet die Statistik gar einen Anstieg von 7,6% bei
Deutschen und einen Rückgang um 39,8% bei Ausländern.
- Im Gesamtbild aller Delikte
ergeben sich dann eine Steigerung von 9,3% bei Straftaten
von Deutschen und eine Verringerung von 19,7% bei
Straftaten von Ausländern.
Um das Bild noch weiter zu
korrigieren: bei den in den Polizeistatistiken Genannten handelt
es sich um Tatverdächtige; während deutsche Tatverdächtige
letztlich zu etwa 30 Prozent verurteilt werden, liegt der Anteil
bei Nichtdeutschen bei nur 25 Prozent - mit dunkler Hautfarbe
und ausländischem Aussehen ist man halt schneller "verdächtig".
Außerdem muss bei der Statistik
berücksichtigt werden, dass bei der Nennung ausländischer
Tatverdächtiger auch solche aus den Gruppen ausländische
Touristen, Angehörige der bei uns stationierten NATO-Streitkräfte
und Menschen ohne legale Aufenthaltserlaubnis mitgezählt
werden. Diese Gruppen tauchen aber in der Bevölkerungsstatistik
nicht als ausländische Mitbürger auf.
(Quelle: u. a. kriminologisches
Forschungsinstitut Niedersachsen)
Einzig in einem Delikt stehen
Ausländer an der Spitze: Fast 100% der Tatverdächtigen sind
Ausländer bei Verstößen gegen das Ausländer- oder
Asylgesetz. Das liegt aber immerhin daran, dass Deutsche gegen
diese Gesetze nicht verstoßen können, da sie ja keine Ausländer
sind. Und teilweise reicht für ein "Vergehen" schon
die Tatsache, dass eine Aufenthaltserlaubnis ein paar Tage zu spät
neu beantragt wurde oder ein Pass abgelaufen ist.
Aktualisierung August
2001:
1999 besaßen 26,6 % der von der Polizei ermittelten Tatverdächtigen
(d. h. noch nicht, dass es auch wirklich die Täter waren und
als solche verurteilt wurden!) nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.
Allerdings sind bestimmte Ausländergruppen, unter denen es
ebenfalls Tatverdächtige gab, zwar in der Kriminalitätsstatistik,
nicht aber in der Bevölkerungsstatistik enthalten wie z.
B. Touristen, Besucher, Grenzpendler und ausländische Streitkräfte
(s. o.).
1999 waren etwa 30 Prozent aller von Ausländern
begangenen Delikte solche wie unerlaubte Einreise, Scheinehe
oder Einschleusen von Ausländern. Delikte also, die Deutsche
nicht begehen können. An der Ostgrenze Deutschlands ist der
Unterschied besonders extrem: in Sachsen wurden mit den Verstößen
bei den Einwanderungsbestimmungen 21 Prozent der Straftaten von
Ausländern begangen, ohne diese Verstöße waren es nur noch
acht Prozent.
Die Kriminalität von Deutschen und Ausländern ist mit den herkömmlichen
Methoden nur schwer zu vergleichen, weil die Zusammensetzung der
Gruppen völlig verschieden ist. Wenn es um Gewalt, Sachbeschädigung,
Diebstahl und Raub geht, dann sind auch unter den Deutschen die
Tatverdächtigen überdurchschnittlich oft arbeitslos, männlichen
Geschlechts und zwischen 14 und 21 Jahre alt, gehören zu den
unteren Einkommensschichten und leben in Großstädten. Setzt
man diesen Maßstab auch bei Ausländern an, stellt man
schnell fest, dass der Anteil junger, großstädtischer,
arbeitsloser und ärmerer Männer bei den Ausländern höher ist
als bei der deutschen Bevölkerung. Sie gehören aber wie
die vergleichbare deutsche Bevölkerungsgruppe zu den
"Risikogruppen" für härtere Straftaten. Wenn dann
der statistische Anteil an Tatverdächtigen bei Ausländern höher
als bei Deutschen liegt, so ist eben auch der höhere Anteil der
Risikogruppen an der ausländischen Wohnbevölkerung ein Grund
hierfür - nicht aber die Nationalität. Aktualisierung
Mai 2006:
Aus der im Mai 2006 vorgelegten Kriminalitätsstatistik
des Bundesinnenministers Schäuble:
Der erfreuliche Trend eines überproportionalen
Rückgang der nichtdeutschen Tatverdächtigen setzt
sich fort. Nachdem deren Zahl in den Jahren 2003 uns 2004
bereits um 2,3 % bzw.
1,2 % gesunken war, ist 2005 nochmals ein spürbares Minus
von 5 % zu verzeichnen (deutsche Tatverdächtige: -2,4 %). |
| Deutschland
ist doch kein Einwanderungsland (Teil 2), wir werden überfremdet |
Was
ist eigentlich "typisch deutsch"?
Carl Zuckmayer formuliert dies in seinem Theaterstück "Des
Teufels General" sehr treffend:
"Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor -
seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein
schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden
Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler
in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der
Heirat Christ geworden und hat die katholische Familientradition
begründet. Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein
keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein
schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter
Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch
vom Elsass, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein
Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler,
ein böhmischer Musikant - das alles hat am Rhein gelebt,
gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt - und - und
der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und
der Gutenberg (...) Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten
der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben.
Vermischt - wie die Wasser aus den Quellen und Bächen und Flüssen,
damit sie zu einem, großen, lebendigen Strom
zusammenrinnen." Es gibt keine Deutschen, die über
Jahrhunderte "deutsche" Vorfahren nachweisen kann. Die Nachkommen all dieser Völker,
die in Mitteleuropa lebtenb oder durchzogen, sind das deutsche Volk - ein Eintopf mit Zutaten aus der ganzen
Welt.
Also, was bitte ist
"deutsch", was bitte ist "Überfremdung"?
Aber auch hier mal einige Zahlen
(denn das, was manche Menschen als Vorurteile pflegen, stimmt
nicht immer mit der Realität überein):
So sind 1997 und 1998 mehr Ausländer aus Deutschland
fortgezogen als hergekommen. Der zahlenmäßige
Zuwanderungsgewinn in den Jahren vor 1997 lag vor allem an den
Spätaussiedlern, Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen, nicht
aber an Arbeitsimmigranten.
Bei den Aussiedlern gibt es einen massiven Rückgang: kamen 1990
noch rund 400.000 Aussiedler nach Deutschland, waren es 1999 nur
noch 100.000.
Die Zahl der Asylbewerber ist ebenfalls rückläufig: sie betrug
1992 noch über 400.000, 1999 lag sie bei rund 90.000 jährlich,
im Jahr 2000 bereits unter 79.000 und im Jahr 2002 kamen nur
noch 71.127 Asylbewerber nach Deutschland. Und
eine Begriffserklärung: es wird viel von Menschen mit "Migrationshintergrund"
gesprochen, die dabei genannten Zahlen sind deutlich höher als
die Zahlen des Ausländeranteils in Deutschland. Das wird dann
gerne als Beweis dafür genommen, dass viel mehr Ausländer in
Deutschland leben, als bisher zugegeben wurde. Ist aber falsch:
bei Menschen mit Migrationshintergrund handelt es sich generell
um Menschen, die aus einem anderen Land gekommen sind, also
über die Grenze nach Deutschland gekommen sind. Und da gehören
auch die vielen Spätaussiedler dazu. Menschen, die in keiner
Statistik als "Ausländer" gezählt wurden oder
werden, weil sie von Anfang an als Deutsche gelten - aber nichts
desto trotz einen "Migrationshintergrund" haben. Und
dann noch ganz nebenbei: die "deutsche"
Staatsbürgerschaft gibt es erst seit 1934! Bis dahin gab es nur
die Staatsbürgerschaft der Länder des Deutschen Reiches. Im
Pass stand dann also: "bayerisch" oder
preußisch". |
| |
Ergänzung
(März 2003):
Der Ausländeranteil von 8,9
Prozent ist auch 2002 stabil geblieben. 79,3 % der Ausländer
stammen aus europäischen Ländern, und 20,9 Prozent der hier
lebenden Ausländer wurden bereits in Deutschland geboren.
Etwa zwei Drittel der in
Deutschland lebenden Ausländer lebte 2002 schon acht Jahre oder
länger in Deutschland und hatte damit die für eine Einbürgerung
notwendige Aufenthaltsdauer erreicht.
Die Zahl der in Deutschland
lebenden Ausländer hat sich gegenüber dem Vorjahr nur um 0,2
Prozent erhöht.
Quelle: Ausländerzentralregister
Ergänzung (Januar 2004): 2003
wurden nur noch 50.563 Asylanträge gestellt, knapp 29 Prozent
weniger als im Vorjahr. Insgesamt
blieben, wenn man Zu- und Wegzüge gegeneinander aufrechnet,
2001 knapp 273.000 Migranten in Deutschland. 2002 lag die Zahl
bei 219.000. Und im ersten Halbjahr 2003 lag der Wanderungssaldo
bei 85.000. Bei den zuziehenden Ausländern ist der Anteil der
18 - 40-jährigen deutlich größer als bei der deutschen
Bevölkerung. Der Anteil
der Ausländer an der Gesamtbevölkerung liegt bei 9 Prozent,
der Anteil der Zuwanderer bei 0,25 Prozent der
Gesamtbevölkerung. Quelle:
Nürnberger Nachrichten, 17.01.04 Ergänzung
(Februar 2005): Christian
Pfeiffer, der Leiter des Kriminologischen Instituts in Hannover
erklärt, dass die zunehmende Furcht der Deutschen vor
Kriminalität unbegründet sei. So ist die Zahl der Sexualmorde
zwischen 1993 und 2003 um 37,5 % zurückgegangen, die Zahl der
Morde sogar um 40,8 Prozent! In der Öffentlichkeit entstehe
allerdings durch die Berichterstattung der Privatsender der
entgegengesetzte Eindruck. Besonders
problematisch ist der Umgang mit Ausländern. "Wenn ein
Deutscher von einem Deutschen verprügelt wird, zeigt er das in
20 Prozent der Fälle an. Wird er von einem Ausländer
geschlagen, meldet er das zu 30 Prozent". Auch Richter
hätten im Strafmaß bei Ausländern stärker als bei Deutschen
zugelegt. Quelle:
Nürnberger Nachrichten/dpa, 15.02.2005 März
2005, Anmerkungen zur "Visa-Affäre": Derzeit
wird die vorübergehend erleichterte Erteilung von Einreisevisa
an der deutschen Botschaft in der Ukraine von den Unionsparteien
und verschiedenen Medien dazu genutzt, das Horrorbild eines
ungebremsten Zuzugs von Schwarzarbeitern und
Zwangsprostituierten aus der Ukraine an die Wand zu malen. Wie
sehen dagegen die Fakten aus?
Lt. Auskunft der Zentrale der Ermittlungsbehörde
"Finanzkontrolle Schwarzarbeit" wurden im letzten Jahr
91.000 Strafverfahren wegen illegaler Beschäftigung
eingeleitet. Insgesamt richtete sich die Hälfte (!) der
Ermittlungen gegen Deutsche, die andere Hälfte gegen
Ausländer, wobei in erster Linie Polen, Tschechen, Ungarn und
Menschen aus Ex-Jugoslawien betroffen waren. "Ukrainische
Bürger waren und sind eine Seltenheit". Selbst nach einer
Umfrage bei den zuständigen Hauptzollämtern ergab sich kein
anderes Bild. Die Fahnder, die täglich Baustellen und Betriebe
kontrollieren, wussten nichts von einer "Schwemme"
ukrainischer Schwarzarbeiter.
"Es mag sein, dass Hunderttausende mit erschlichenen Visa
eingereist sind", so Horst, der Sprecher der
"Finanzkontrolle Schwarzarbeit", "aber die
meisten sind offenbar auch wieder ganz normal in ihre Heimat
zurückgekehrt."
Und auch in der Statistik des Bundeskriminalamtes hinterließen
die Ukrainer keine besonderen Spuren, es fehlen die Hinweise auf
die angeblich scharenweise eingereisten Kriminellen und
Prostituierten. Das "Lagebild Menschenhandel" des BKA
lenkt den Blick in erster Linie auf Litauen, Lettland und
Bulgarien. Die Zahl ukrainischer Opfer von Menschenhändlern ist
von 174 im Jahr 1999 auf 103 im Jahr 2003 gesunken!.
Auch in der allgemeinen Kriminalitätsstatistik spielen
ukrainische Staatsangehörige nur eine untergeordnete Rolle. Ihr
Gesamtanteil an den nichtdeutschen Tatverdächtigen lag lt. BKA
in den Jahren 2001 und 2002 - als besonders viele Ukrainer
einreisten - bei nur drei Prozent. 2003 sank der Anteil auf 2,3
Prozent.
Alles Zahlen, die belegen, dass derzeit von verschiedenen
Gruppierungen bzw. Parteien die Visa-Affäre aufgebauscht wird.
Damit wird Stimmung gegen Ausländer gemacht, damit wird ein
ganzes Volk, das der Ukraine, zu Kriminellen gestempelt.
Ergänzung Juni 2005: Im
Jahr 2004 wurden vom Nürnberger Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge nur 960 Asylbewerber als Asylberechtigte anerkannt.
Weiteren 1100 Menschen wurde Abschiebeschutz gewährt.
Ein breites Bündnis von Wohlfahrtsverbänden und
Menschenrechtsorganisationen hat diese restriktive Politik der
Nürnberger Behörde angesichts weltweiter Folter und
Unterdrückung als widerrechtlich kritisiert. Die
Migrationsbeauftragte der Bundesregierung hat ihren 6. Bericht
zur Lage der Ausländer in Deutschland abgegeben.
Demnach leben deutlich weniger Ausländer in Deutschland als
bisher angenommen. Ihre Zahl sank in den vergangenen Jahren auf
6,7 Millionen. Gestiegen ist dagegen die Anzahl der Menschen mit
Migrationshintergrund auf fast acht Millionen. Dabei handelt es
sich zum Beispiel um Eingebürgerte, hier geborene Kinder von
Ausländern und Aussiedlern. Über eine Million Menschen haben
in den letzten fünf Jahren einen deutschen Pass bekommen. Jedes
vierte in Deutschland geborene Kind hat heute einen Elternteil
mit ausländischer Abstammung, jede fünfte Ehe ist binational.
Ergänzung 2006:
Im letzten Jahr beantragten nur 17.458 Menschen Asyl in
Deutschland. Damit ist deren Zahl (s. o.) weiter deutlich
zurück gegangen. |
|
Diskussionsbeitrag:
Stichwort
"Parallelgesellschaft"
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Die
türkischstämmige Soziologin Necla Kelek hat die Thesen ihres
Buches "Die fremde Braut" bei einer Tagung des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg
vorgestellt.
Jede zweite in Deutschland lebende Türkin hat sich demnach
ihren Partner nicht selbst aussuchen können, sondern ist Opfer
einer Zwangsehe. Dass Zwangsehen nach wie vor auf der
Tagesordnung sind, hält auch der aktuelle Migrationsbericht der
Bundesregierung (Juni 2005) fest.
"Import-Bräute" sind teils minderjährige Frauen, die
in der Türkei aufwachsen. Ihre Eltern entscheiden, dass sie
einen nach Deutschland ausgewanderten Landsmann heiraten sollen.
Sie kommen nach Deutschland, kennen weder die Sprache,
Geschichte, Strukturen und Kultur dieses Landes und bewegen sich
nur im Umfeld ihrer Familie. Diese Abschottung reproduzieren sie
bei ihren Kindern und tragen damit zur Entstehung einer
Parallelgesellschaft bei, in der weiterhin Zwangsehen, aber auch
"Ehrenmorde" möglich sind, bei denen Brüder ihre
Schwestern töten, wenn diese eine Affäre mit einem nicht
genehmigten Partner eingehen oder aus dem Familienverbund
ausscheiden wollen.
Kelek kritisiert in diesem Zusammenhang auch die
"Multi-Kulti-Romantik", mit der manche Deutsche über
diese Fehlentwicklung hinweggesehen hätten. Da habe es zu lange
eine "falsche Toleranz" auch gegenüber fundamentalistischen
Strömungen von Muslimen in Deutschland gegeben.
Die Gleichberechtigung der Frau ist für die Autorin die Nagelprobe
dafür, ob Integration gelingen kann. "Denn wer die
Gleichberechtigung nicht will, der will eine geteilte
Gesellschaft und keine echte Demokratie". |
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Diskussionsbeitrag:
Stichwort "Kopftuch"
|
Prominente
Deutsch-Türken haben an die Musliminnen in Deutschland
appelliert, als Zeichen ihrer Integrationsbereitschaft das
Kopftuch abzulegen: Wer sich verschleiere, grenze sich bewusst
von der deutschen Gesellschaft ab.
"Das
Kopftuch ist ein Symbol der Frauenunterdrückung. Wer von Frauen
verlangt, dass sie ihren Kopf und das Haar verhüllen, macht sie
zu einem Sexualobjekt", sagte Ekin Deligöz,
Bundestagsabgeordnete der Grünen, der "Bild am
Sonntag". Deligöz richtete sich an die muslimischen
Frauen: "Kommt im Heute an, kommt in Deutschland an. Ihr
lebt hier, also legt das Kopftuch ab!"
Die
SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün kritisierte das Kopftuch
als diskriminierend und forderte Gleichberechtigung für
Musliminnen. "Es geht nicht an, dass der türkische Mann im
modischen Anzug auf die Straße geht - und seine Frau neben ihm
muss einen unscheinbaren, bodenlangen Mantel und ein Kopftuch
tragen."
Quelle:
Spiegel Online, 15.10.06 |
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Die
Rütli-Schule in Berlin und die Folgen
|
„Voraussetzung zur
Integration ist nach Überzeugung Stoibers das Beherrschen der
deutschen Sprache. Hinzukommen müssen, so Stoiber weiter, spürbare
Sanktionen bei Nichterfüllung der Deutschpflicht.“ So die CSU
und der bayerische Ministerpräsident Stoiber am 04. April 2006
als Reaktion auf die Ereignisse in der Berliner Rütli-Schule.
Kennt Stoiber überhaupt die
Realität in Bayern? Anscheinend nicht. Eine offizielle
Statistik des Kultusministeriums für das laufende Schuljahr
2005/2006 weist aus, dass von 13.500 eingeschulten
Migrantenkindern nur 208 (!!!) keine ausreichenden
Deutschkenntnisse hatten. Das sind nur ca. 1,5 Prozent!
Diese Schüler wurden ein Jahr zurückgestellt. Und nur 448
Kinder dieser 13.500 Kinder hatten keinen Kindergarten
besucht.(Quelle: Nürnberger Nachrichten v. 4.04.06)
Trotzdem wurde heute im
bayerischen Kabinett beschlossen, Sanktionen gegen die Familien
einzuführen, deren Kinder keine ausreichenden Deutschkenntnisse
haben – eine populistische Maßnahme, die davon ausgeht, die
mangelnden Deutschkenntnisse seien die Regel. Aber da zeigt die
Statistik des Kultusministeriums etwas anderes.
Und die angebliche
Kriminalität der ausländischen Jugendlichen? Am Beispiel Nürnbergs
zeigt die Statistik, dass es keine signifikanten
Unterschiede zwischen deutschen Jugendlichen und Jugendlichen
ausländischer Herkunft gibt. Dies wurde im März 2006 auch
ausdrücklich von der Polizei bei der Vorstellung des
Sicherheitsberichtes im Stadtrat betont.
Ein nicht zu unterschätzendes
Manko der gegenwärtigen Diskussion ist, dass sie – was die
Zukunftsperspektiven der Jugendlichen auf Hauptschulen betrifft
– auf Jugendliche mit Migrationshintergrund beschränkt wird.
Aber davon, dass die Hauptschule tatsächlich – was die
berufliche Perspektive angeht – zum Abstellgleis geworden ist,
sind auch die deutschen Jugendlichen betroffen, die einen
Hauptschulabschluss machen. Vielleicht wäre es sinnvoller, sich
mal Gedanken um die Aufhebung des streng getrennten Schulsystems
zu machen, über die Einführung von flächendeckenden
Ganztagsschulen und die stärkere Durchlässigkeit zwischen den
einzelnen Schultypen nachzudenken. Nicht nur die Ergebnisse der
Pisa-Studie, auch solche Ereignisse wie in der Berliner Rütli-Schule
und die Perspektivlosigkeit von Hauptschülern zeigt, dass etwas
faul ist im Bildungssystem. |
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Dezember 2007
Überfall auf einen Rentner in München
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Das
Thema “Ausländergewalt” steht in diesen Tagen wieder ganz
oben in den Schlagzeilen der Boulevard-Zeitungen. Es geht es um
einen brutalen Überfall auf einen Rentner in München. Da es
sich bei den Tätern um Jugendliche handelt, die griechischer
bzw. der türkischer Herkunft sind, wird sofort ein generelles
Problem konstruiert.
Die beiden Jugendlichen haben ihr
Opfer aber offenbar ausgesucht, weil er sie in der Bahn gebeten
hatte, nicht zu rauchen. Nur zum Vergleich - bevor hier ein
"deutschfeindlicher" Übergriff konstruiert wird: In
Potsdam wurde ein Schwarzer während ein Schlägerei rassistisch
beschimpft , es soll sich dabei aber nicht um eine rassistische
Tat gehandelt haben…
Koch - der um seine Wiederwahl
als hessischer Ministerpräsident fürchtet - aber hat aus
Wiesbaden die Tat und ihre Ursachen sofort knallhart analysiert:
“Wir haben zu viele kriminelle Ausländer” und “Wer sich
nicht an die Regeln hält, der muss weg.” Bei der Verwendung
derartiger NPD-Parolen vergisst Koch aber: Viele Jugendlichen
sind zwar auf dem Papier keine Deutschen, praktisch sind sie
aber Bürger dieses Landes - wenn auch zweiter oder dritter
Klasse. Viele wurden hier geboren oder sind schon seit vielen
Jahre hier (und können z. B. als EU-Bürger gar nicht
abgeschoben werden). Und dass die Kinder und Enkelkinder der
Immigranten weiter als "Ausländer" von der Politik an
den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden (und werden), keine
Perspektive haben, ist keine Folge von rot-grünen "Multi-Kulti-Träumereien":
In den entscheidenden Jahren, in denen die Weichen gegen eine
Integration gestellt wurden, regierte die CDU/CSU mit Kanzler
Kohl. Und gerade Politiker wie Koch sind es, die - anstatt sich
für eine vernünftige Integration einzusetzen - weiterhin mit
rassistischen Parolen und rassistischer Politik Wahlen gewinnen
(wollen). Es ist kein Zufall, dass gerade Koch jetzt unmittelbar
vor den Landtagswahlen in Hessen wieder NPD-Parolen hoffähig
macht: seinen ersten Wahlsieg in Hessen erreichte er mit einer
Unterschriftensammlung gegen eine Modernisierung des
Staatsbürgerrechts durch die damalige Rot-Grüne
Bundesregierung. Alles, was nach vernünftiger Integration
aussieht, bekämpfen und bei den Folgen dann die rassistischen
Parolen rausholen - das ist eine Politik, die Probleme nicht
löst, sondern letztendlich Pogromstimmungen anheizt.
weitere Informationen zum Thema:
Die polizeilichen Daten schlüsseln die
Entwicklung der Gewaltverbrechen durch Jugendliche in
unterschiedliche Vergehen auf:
Die Zahl der Tötungsdelikte, verübt
von Jugendlichen, ist in den vergangenen zehn Jahren um 30
Prozent zurückgegangen.
Die Zahl der Raubtaten sank um 20
Prozent.
Erschreckend dagegen ist ein Anstieg
bei Körperverletzungen. Seit Mitte der neunziger Jahre ist
die Zahl der angezeigten Prügeleien, Messerstechereien und
anderen Verletzungen mit jugendlichen Tätern um 60 Prozent
gestiegen.
Alarmierende Zahlen, die Experten aber
darauf zurückführen, dass Opfer immer öfter Anzeige erstatten
würden. Eine Studie der Innenministerkonferenz verweist
nachdrücklich darauf, dass kriminologische Forschungen zu dem
Ergebnis kommen, dass vor allem "die steigende
Anzeigebereitschaft" für die Zahlen verantwortlich ist.
Weiterhin verzeichnet die Studie der Innenminister bundesweit bei den
nichtdeutschen jugendlichen Tatverdächtigen einen Rückgang von
26,1 auf knapp 25 Prozent.
Die Situation in Mittelfranken: 28 Prozent
aller Tatverdächtigen sind Jugendliche, also unter 21 Jahre
alt. Bei deutschen Tatverdächtigen macht der Jugendanteil 30
Prozent aus, bei den ausländischen Tatverdächtigen nur knapp
23 Prozent (Nürnberger Nachrichten v. 4. Januar 2008).
Bessere Bildungspolitik anstatt
Boot-Camps
Was sind die Gründe für die Gewalt? Kriminologe Pfeiffer macht
vor allem die fehlende soziale Integration für die grassierende
Gewalt unter Einwandererkindern verantwortlich. Dort wo der
Anteil von Migranten auf den Gymnasien höher sei, nehme auch
die Gewalt ab. "Die Konflikte in unserer
Winner-und-Loser-Gesellschaft werden immer deutlicher und
schlagen immer häufiger in Hass um", sagt er.
Und das nicht nur auf Seiten der oft
perspektivlosen Einwandererkinder. Rechtsextreme und
gewalttätige Migranten seien zwei Seiten derselben Medaille.
"Sie sind Zwillinge im Geiste", sagt Pfeiffer. In
Familien von Rechtsextremen oder gewalttätigen Migranten sei
oft viel misshandelt worden, auch bei den rechtsradikalen
Tätern gäbe es starke Machokulturen. "Die Strukturen sind
so ähnlich, dass es schon absurd ist, wie sie sich
hassen." "Die nehmen beide nicht viel Rücksicht wenn
es um Gewalt gegen Andersdenkende geht", sagt auch Berlins
Polizeipräsident Glietsch.
(Quelle u. a.
"Spiegel online") |
| diese
Liste wird bei Bedarf weiter ergänzt
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Quellen: u. a. Nürnberger Nachrichten,
div. Tageszeitungen und Zeitschriften, Bundesamt für die Anerkennung
ausländischer Flüchtlinge, Veröffentlichungen des Innenministeriums.
Weitere Argumente unter: http://www.bnr.de/aktiv/argumentegegenrechts/
empfehlenswerte Literatur:
Tahar Ben Jelloun, Papa, was ist ein Fremder?, Rowohlt
zuletzt aktualisiert: 04.01.08
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