| Januar/Februar
2010: Eigentlich hätte dieser unten aufgezeigte
Spendenskandal inzwischen Geschichte sein können, ist er aber
nicht. In Augsburg steht nun endlich einer der Geldgeber der
Unionsparteien, Karl-Heinz Schreiber, vor Gericht. Und er nannte in seiner ersten Stellungnahme weitere
illegale Spenden, die angeblich unter den Namen von Toten
("die kann man nicht mehr fragen") bei der CSU
verbucht worden sein sollen bzw. auf ein Nummernkonto in der
Schweiz eingezahlt wurden. Es geht dabei um eine 1991 an die CSU
gezahlte Summe in Höhe von rund 1,4 Millionen Mark.
Aber viel schlimmer noch ist die
aktuelle Entwicklung: CDU/CSU und FDP regieren wieder in Berlin
und machen sich inzwischen nicht mehr die Mühe, sich
"illegal" für ihre Politik bezahlen zu lassen. Ganz
offiziell und legal werden Spenden von Unternehmen einkassiert
und eine Politik genau zu Gunsten dieser Unternehmen gemacht:
Die FDP war in
der vergangenen Woche für Spenden in Höhe von 1,1 Millionen
Euro in die Kritik geraten, die sie seit 2008 von der Düsseldorfer
Substantia AG erhalten hatte. Bei der CSU gingen im September
2008 vor der bayerischen Landtagswahl zwei Großspenden von
insgesamt 820.000 Euro ein. Alle Zuwendungen kamen aus dem
Firmengeflecht von August Baron von Finck, einem Miteigentümer
der Mövenpick-Hotelgruppe, und wurden von den Parteien korrekt
verbucht. In den Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU im
vergangenen Oktober erwirkte die FDP dann die Absenkung des
Mehrwertsteuersatzes auf Hotelübernachtungen von 19 auf sieben
Prozent. Für den stark umstrittenen Steuerbonus hatte sich die
CSU ebenfalls massiv eingesetzt.
Nach der
Debatte über diese Millionenspende des Milliardärs August von
Finck an die FDP sind die Liberalen mit einem weiteren pikanten
Spendenfall konfrontiert. Auch die Solarindustrie hat die Partei
nach SPIEGEL-Informationen finanziell unterstützt: Am 12.
September hatte die Firma Solarworld ein Abendessen für
potentielle FDP-Spender organisiert. Bei der Veranstaltung, an
der auch Parteichef Guido Westerwelle und Bundesschatzmeister
Hermann Otto Solms teilnahmen, ist nach FDP-Angaben eine
"Rekordsumme" zusammengekommen. Pikant dabei: Wenige
Wochen nach der Bundestagswahl änderten die Liberalen ihre
Position in der Solarpolitik. Die in den Koalitionsverhandlungen
zunächst geforderte Reduzierung der Fördermittel für
Photovoltaikanlagen um 30 Prozent entfiel schließlich im
Koalitionsvertrag, stattdessen wurde ein "Dialog mit der
Solarbranche" vereinbart.
Nur
wenige Tage nach der Bundestagswahl haben außerdem die BMW-Großaktionäre
Johanna Quandt und ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten
der CDU am 1. Oktober je 150.000 Euro gespendet. Bevor die
Zahlungen am 17. November 2009 vom Bundestag veröffentlicht
wurden, hatten Union und FDP einen neuen Rabatt bei der
Besteuerung von Jahreswagen für Mitarbeiter und einen weiteren
Steuerrabatt für die Privatnutzung von Firmenwagen vereinbart.
(Quelle: SPIEGEL Online, 23.01.2010).
Während
die FDP offen ihre Klientel als Dank für die Spenden bedient,
sieht der Vorsitzende der FDP, Westerwelle, bei der Diskussion
um höhere Hartz IV-Sätze eine "sozialistische"
Diskussion" und "römische Dekadenz". Nun gut,
Rom ist an der Dekadenz kaputt gegangen. Aber dekadent waren
nicht die Armen, sondern diejenigen, die nach Sauf- und
Fressgelagen in Eselsmilch badeten, die sogar einen Esel zum
Konsul ernannten. Dekadent sind heute nicht die Hartz
IV-Empfänger, sondern diejenigen, die ihr Geld vor dem
deutschen Finanzamt in der Schweiz in Sicherheit bringen, sich
nicht an der Finanzierung öffentlicher Aufgaben beteiligen.
Dekadent sind die Banker, die mit ihren Finanzgeschäften die
Krise bewirkt haben und immer noch saftige Boni kassieren,
dekadent sind diejenigen, die ihren Arbeitnehmern für einen
Vollzeitjob Hungerlöhne zahlen, so dass diese mit Hartz IV
aufstocken müssen, um überhaupt leben zu können, dekadent
sind diejenigen, die sich immer noch gegen die Einführung eines
Mindestlohnes wehren usw. usw.
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Ein
Krimiautor hätte sich es nicht besser ausdenken können: der
Schatzmeister der CDU fährt in die Schweiz auf den Parkplatz
eines Einkaufszentrums und erhält dort vom Waffenhändler
Schreiber im Dunkel der Nacht einen Koffer mit Geld überreicht.
Weitere Barspenden folgen. Im gleichen Land gibt es bei dessen
verschwiegenen Banken schwarze Konten der Bundes-CDU und des
hessischen Landesverbandes der CDU ... Eine französische Firma
zahlt Millionen von Schmiergeldern, um ostdeutsche Firmen
aufzukaufen, aber niemand will Geld erhalten haben... Und ein
Innenminister Kanther sagt dem organisierten Verbrechen den
Kampf an, während er in der eigenen Partei für die Errichtung
schwarzer Konten und Geldwäsche verantwortlich ist ...
Kein Verlag hätte ein solches Buch veröffentlicht. Aber die
Wirklichkeit ist manchmal schlimmer als jede Fantasie...
Deshalb
hier die
Chronik
des CDU-Spendenskandals
4.
November 1999
Das Amtsgericht Augsburg erlässt Haftbefehl gegen den früheren
CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep wegen des Verdachts, er
habe 1991 eine Million Mark von Schreiber als Spende für
die CDU erhalten und nicht versteuert - allerdings auch nicht an
die Partei weiter gegeben. Weyrauch, Schatzmeister Kiep
und dessen Bevollmächtigter Uwe Lüthje hatten das Geld unter
sich aufgeteilt.
26.
November 1999
Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler räumt ein,
dass die Partei in der Ära Kohl «schwarze Konten» geführt
habe. Alle anderen früheren Generalsekretäre wollen davon
nichts gewußt haben.
30.
November 1999
Der ehemalige Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl übernimmt
die politische Verantwortung für Fehler bei den CDU-Finanzen in
seiner Amtszeit, nachdem er einige Tage vorher das ganze noch
als üble Kampange und Verleumdung abgetan hat. Doch er weist
Vorwürfe zurück, politische Entscheidungen bei
Waffenlieferungen und dem Verkauf der Mineralölraffinerien in
Leuna seien käuflich gewesen. Gleichzeitig mehren sich aber die
Hinweise, dass aus Frankreich erhebliche Summen an
Bestechungsgeldern wegen des Raffineriekaufs geflossen sein
sollen.
2.
Dezember 1999
Der Bundestag setzt einen Untersuchungsausschuss ein, der vor
allem klären soll, ob Parteispenden Einfluss auf politische
Entscheidungen der Regierung Kohl hatten.
4.
Dezember 1999
Die CDU suspendiert den Kohl-Vertrauten Hans Terlinden. Er hatte
eine Unterlage zur Affäre nicht an den Parteivorsitzenden
Wolfgang Schäuble gegeben, sondern an Kohl.
16.
Dezember 1999
Kohl räumt ein, dass er in den 90-er Jahren 1,5 bis zwei
Millionen Mark Spenden in bar entgegengenommen und an den Büchern
seiner Partei vorbei geschleust habe. Die Namen der Spender will
er nicht nennen. Einen Verstoß gegen die Verfassung sieht er
dabei nicht, sein angebliches "Ehrenwort" gegenüber
den Spendern sieht er als wichtiger an wie Grundgesetz und
Parteiengesetz.
22.
Dezember 1999
Krisensitzung des CDU-Präsidiums ohne Kohl.
3.
Januar 2000
Die Staatsanwaltschaft Bonn nimmt Ermittlungen gegen Kohl wegen
Verdachts der Untreue auf.
14.
Januar
2000
Der ehemalige hessische CDU-Vorsitzende Manfred Kanther
räumt ein, 1983 acht Millionen Mark der Landes-CDU ins Ausland
transferiert und Rücküberweisungen als Vermächtnisse oder
Kredite getarnt zu haben.
18.
Januar 2000
Präsidium und Vorstand der CDU brechen mit ihrem
Ehrenvorsitzenden und sprechen Schäuble das Vertrauen aus. Kohl
legt von sich aus den Ehrenvorsitz nieder.
19.
Januar 2000
Merkel bestätigt, dass bei der Überprüfung der CDU-Kassenbücher
weitere Millionen unbekannter Herkunft aus der Amtszeit Kohls
entdeckt worden seien.
27.
Januar 2000
Hessens CDU-Chef Roland Koch berichtet, 1983 seien nicht acht,
sondern 18 Millionen Mark in die Schweiz transferiert worden. Außerdem
stellt sich heraus, das Koch, der sich als "brutaltsmöglicher"
Aufklärer sieht, selbst dabei geholfen hat, Gelder aus
illegalen Konten als "Darlehen" zu tarnen und trotz
dieses Wissens das Parlament und die Öffentlichkeit belogen
hat. Einen Grund für einen Rücktritt als Ministerpräsident
sieht er deswegen nicht, die hessische Wahl wird in der Folge
vom Wahlprüfungsgericht überprüft.
15.
Februar 2000
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse verhängt gegen die CDU
wegen falscher Rechenschaft eine Buße von 41,3 Millionen Mark.
Die Partei lässt diese Entscheidung gerichtlich überprüfen.
16.
Februar 2000
Schäuble kündigt seinen Rückzug vom Partei- und
Fraktionsvorsitz an. Seine wiederholten Erinnerungslücken über
Treffen mit dem Waffenhändler und Spendenüberbringer Schreiber
sowie gegensätzliche, bislang unaufgeklärte Aussagen
seiner ehemaligen Bundesschatzmeisterin zum Verbleib einer DM
100.000-Schreiber-Spende lassen ihm keine andere Wahl. Wo das
Geld genau geblieben ist, ist unklar. Nach Aussagen des
damaligen CDU-Wirtschaftsprüfers Horst Weyrauch habe dieser die
100.000 Mark von Baumeisters Büroleiter Jürgen Schornack
erhalten. Dieses Geld habe er dann an den ehemaligen
Schatzmeister Walther Leisler Kiep übergeben, der das Geld in
die Jackentasche gesteckt haben soll. Das Geld sei schließlich
über ein Konto von Kiep auf Konten der Bundesgeschäftsstelle
geflossen. Allerdings: Kiep bestreitet das.
23.
Februar 2000
Die Empfänge der CDU zum 70. Geburtstag Kohls am 3. April
werden abgesagt.
9.
März 2000
Kohl gibt die Ergebnisse einer erneuten, eigenen
Spendensammelaktion bekannt, die den finanziellen Schaden durch
seinen Umgang mit Parteispenden zumindest finanziell wieder gut
machen soll.
17.
März 2000
Die Augsburger Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Kiep, den
Waffenhändler Karlheinz Schreiber sowie die ehemaligen
Thyssen-Manager Jürgen Maßmann und Winfried Haastert.
18.
März 2000
Kohl nimmt erstmals nach rund drei Monaten wieder an einer
Sitzung des Bundestages teil.
20.
März 2000
Die CDU-Führungsgremien nominieren Merkel als Nachfolgerin von
Wolfgang Schäuble.
23.
März 2000
Der Parteispendenuntersuchungsausschuss des Bundestages belegt
den früheren CDU-Hauptabteilungsleiter Hans Terlinden wegen
Aussageverweigerung mit der höchstmöglichen Geldstrafe von
1.000 Mark und droht Beugehaft an.
27.
März 2000
Es wird bekannt, dass die Stasi und damit die DDR-Führung spätestens
seit 1976 über Schweizer Konten und schwarze Spenden der
West-CDU Bescheid wusste und Kohl seit Jahrzehnten von der Stasi
abgehört wurde.
3.
April 2000
Das Innenministerium bestätigt, dass vor der Wiedervereinigung
auf Beschluss der Regierung Kohl Stasi-Abhörprotokolle
westdeutscher (CDU-?) Politiker vernichtet worden sind.
6.
April 2000
Der Bundestagsausschuss zur Untersuchung der
CDU-Parteispendenaffäre beschließt, beim
Amtsgericht-Tiergarten einen Antrag auf Beugehaft gegen
Terlinden, der weiterhin schweigt.
Kohl versucht inzwischen, die Gauck-Behörde zu veranlassen,
seine Stasi-Abhörprotokolle nicht heraus zu geben.
09.
April 2000
Als Ergebnis der Hausdurchsuchungen der Staatsanwaltschaft sind
lt. verschiedenen Nachrichtenagenturen bei einem rheinland-pfälzischen
Ortsverein (Grünstadt bei Worms) weitere nicht im
Rechenschaftsbericht angegebene Spenden in Höhe von ca. 230.000
DM auf Schwarzkonten aufgetaucht. Damit sind die
Rechenschaftsberichte des Landesverbandes und der Bundespartei
CDU seit fast dreissig Jahren (seit 1972) nicht korrekt.
11.
April 2000
Der CDU-Parteitag fand ohne Kohl statt, Merkel wird Vorsitzende,
Schäuble wieder Präsidiumsmitglied und alle scheinen sich
einig zu sein, dass dies der "Neuanfang" sei und man
alles nur mögliche zur "Aufklärung" beigetragen
habe. Die wichtigsten Zeugen schweigen weiter vor dem
Untersuchungsausschuss und die CDU scheint nichts
unternehmen zu wollen, um ihre ehemaligen Spitzenleute zum Reden
zu veranlassen. Gegen Terlinden wurde deshalb vom
Untersuchungsausschuss inzwischen beim zuständigen Gericht
Beugehaft beantragt.
12.
April 2000
Die Regierung Koch in Hessen will nun vor dem
Bundesverfassungsgericht gegen das Hessische Wahlprüfungsgericht
klagen und damit im Vorfeld einer Entscheidung über die Rechtmäßigkeit
der hessischen Landtagswahlen das Gericht weiter unter Druck
setzen. Dieses hatte bereits festgestellt, dass die Umstände,
die zum Wahlsieg der CDU geführt haben,
"sittenwidrig" gewesen seien.
Im Rahmen der Ermittlungen gegen den Strauß-Sohn Max ist
inzwischen dessen Laptop-Festplatte auf geheimnisvolle Weise
verschwunden - und zwar aus der "Obhut" der
Staatsanwaltschaft bzw. von ihr beauftragter vereidigter
Sachverständiger! Auf der Platte hatten sich wichtige Daten
befunden, die zur Aufklärung der Schreiber-Strauß-CDU-usw.-Connection
hätten beitragen können und damit evtl. zur Beantwortung der
Frage, ob deutsche Politik zu Kohls Zeiten käuflich war.
14.
April 2000
Nach Schäuble hat nun auch die frühere Schatzmeisterin
Baumeister vor dem Untersuchungsausschuss ausgesagt. Beide
sind bei ihrer Version zur Übergabe der Schreiberspende
geblieben.
Gestern wurde ein Brief Kieps an Kohl veröffentlicht: Mit
Hinweis auf die hochbrisante Lieferung von Fuchs-Spürpanzern an
Saudi-Arabien 1991 hat der ehemalige CDU-Schatzmeister Walther
Leisler Kiep in diesem Brief den damaligen Bundeskanzler Helmut
Kohl 1993 um Hilfe für den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber
gebeten.
Die Bild-Zeitung zitiert aus Kieps Schreiben: «Lieber Helmut,
Du wirst Dich sicher an die Hilfe und Unterstützung in der
Angelegenheit 'Fuchs-Systeme' erinnern, welche seinerzeit an
Saudi-Arabien geliefert wurden. Die Initiative dazu ging von
Herrn Karlheinz Schreiber aus, der für Thyssen in Ottawa tätig
ist.» Danach wirbt Kiep für ein neues Schreiber-Projekt,
die Errichtung einer Thyssen-Panzerfabrik in Kanada: «Ich wäre
Dir zu großem Dank verbunden, wenn Du Herrn Schreiber helfen
und damit ein erhebliches Arbeitsbeschaffungs- und
Arbeitsplatzerhaltungsprojekt für uns realisieren könntest».
27.
April 2000
Leisler-Kiep war gestern vor dem Untersuchungsausschuss: Er
hatte keine plausible Antwort auf die Frage, was aus den 1,5
Millionen Franken der Stiftung Norfolk geworden ist, die Lüthje
und Weyrauch in Liechtenstein unterhalten hatten. Weyrauch
behauptet, Kiep hat nach deren Auflösung Bargeld bekommen.
Daran kann oder will Kiep sich nicht erinnern.
SPD und Grüne sehen den Verdacht der Käuflichkeit der
Regierung Kohl erhärtet. Vertreter beider Parteien bezogen sich
dabei vor allem auf eine unvollständige Aussage Kieps über ein
Rüstungsprojekt der Firma Thyssen. Kiep räumte zunächst nur
die Weiterleitung von lediglich einem Brief des Waffenhändlers
Schreiber an Kohl ein. Ein SPD-Abgeordneter konfrontierte den
ehemaligen CDU-Schatzmeister dann mit einem weiteren Schreiben,
in dem sich Kiep bei Kohl nach dem Fortgang des Projekts
erkundigt. Schreiber hatte 1991 im Auftrag von Thyssen eine
Million Mark an die CDU gespendet. Kiep nahm diese Spende damals
entgegen.
06.
Mai 2000
Die Süddeutsche Zeitung meldet, dass Kohl angeblich auch Geld
aus dem SED-Vermögen nach dem Zusammenbruch der DDR erhalten
haben soll.
Und es gibt anscheinend Hinweise, dass die Augsbuger
Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen, die zur Aufdeckung
der "schwarzen Konten" geführt haben, behindert
wurde. So sollen angeblich Haftbefehle - u. a. gegen den
inzwischen flüchtigen Staatssekretär Pfahls - außer Kraft
gesetzt worden sein.
13.
Mai 2000
Kanther - der Mann, der als Innenminister der Geldwäsche den
Kampf angesagt hatte - stand gestern vor dem
Untersuchungsausschuss und wunderte sich, dass gegen ihn von der
Staatsanwaltschaft Ermittlungen durchgeführt werden.
In Kanthers Amtszeit als Generalsekretär der Hessen-CDU wurden
1983 rund 20,8 Millionen Mark auf schwarze Konten in die Schweiz
geschafft und später nach Bedarf wieder zurück geholt. Dass er
bei Bekanntwerden der Vorgänge im Januar dieses Jahres von
einer Geldsumme von höchstens neun Millionen Mark ausging,
versuchte Kanther mit schlechtem Erinnerungsvermögen zu erkläeren.
Ebenfalls konnte er nicht erklären, woher das Geld ursprünglich
stammte, wer die Spender waren. Und zum Verbleib einer Summe von
über DM 600.000 konnte er ebenfalls keine Angaben machen, war
sich aber sicher, dass sich niemand privat bereichert habe.
18.
Mai 2000
Heute musste Wallmann vor dem Untersuchungsausschuss aussagen
und bestätigte wieder einmal die Ahnungslosigkeit aller führenden
CDU-Politiker: Wallmann war zwar von 1982 bis 1991
Landesparteivorsitzender der CDU und regierte in Hessen von 1987
bis 1991. Aber den Transfer von 22 Millionen Mark im Jahr 1983
(während seiner Amtszeit als Vorsitzender!) auf schwarze Konten
der CDU nannte er einen "beachtlichen Fehler",
von dem er aber nicht gewusst habe. Die Transaktion sei ihm
angeblich vom Schatzmeister Casimir Prinz Wittgenstein und dem
damaligen Generalsekretär Manfred Kanther nicht mitgeteilt
worden.
12.
Juni 2000
Im Bundeskanzleramt sind vor der Amtsübergabe an die rot-grüne
Regierung offenbar in erheblichem Umfang sensible Akten
vernichtet oder entfernt worden. Zu diesem Ergebnis komme der
von der Bundesregierung zur Aufklärung der Affäre um die
verschwundenen Leuna-Akten eingesetzte Sonderermittler Burkhard
Hirsch (FDP) in seinem Untersuchungsbericht. Beim Verkauf von
Leuna und Minol sollen Schmiergelder in Höhe von 85 Millionen
Mark geflossen sein.
Und der CDU könnten noch weitere
finanzielle Verluste entstehen. Der Wirtschaftsprüfer Hendrik
Hollweg vertrat vor dem Untersuchungsausschuss die
Meinung, niemand habe ihm "vertrauenswürdig sagen können",
dass es nicht noch weitere Schwarzkonten gebe. Damit könnten
der CDU staatliche Zuschüsse für 1999 von bis zu 40 Millionen
Mark verloren gehen.
24.
Juni 2000
Sonderermittler Burkhard Hirsch hat offenbar doch einige
verschwundene Akten von Altbundeskanzler Helmut Kohl gefunden.
In den Unterlagen steckte auch eine Visitenkarte von Waffenhändler
Karlheinz Schreiber. Der FDP-Politiker Hirsch
sei auf Unterlagen zum geplanten Verkauf von Hubschraubern an
Kanada ("Bearhead-Projekt") und zum Wirtschaftsgipfel
im kanadischen Halifax gestoßen, berichtet die "Berliner
Morgenpost".
Die meisten der verschwundenen Akten zu brisanten Themen aus der
Amtszeit von Kohl konnte Hirsch aber nicht finden.
Durch Hirschs Bericht habe sich der Verdacht erhärtet, dass
Unterlagen manipuliert oder teilweise entfernt wurden, meinte
Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye.
Bei den im Kanzleramt vor dem Amtsende von Kohl gelöschten
Festplatten konnten allerdings einige Daten inzwischen wieder
rekonstruiert werden, diese Unterlagen werden dem
Untersuchungsausschuss übergeben.
Neumann und SPD-Obmann Frank Hofmann
sprachen inzwischen von einem "kollektiven Gedächtnisschwund"
bei den meisten der bislang vernommenen 26 Zeugen. Bei großen
Teilen der CDU tendiere seit dem Wechsel an der Partei-Spitze
der Aufklärungswillen inzwischen "gegen Null", meinte
Neumann. Dies erschwere angesichts fehlender Sanktionsmittel die
Ausschussarbeit. Hofmann sprach von einem "illegalen
Arm" der CDU, der in einem geschlossenen System wie im
Bereich der organisierten Kriminalität vor allem mit mündlichen
Absprachen operiert habe.
30. Juni 2000
Beim Auftritt Helmut Kohls vor dem Untersuchungsausschuss wurden
zwei Dinge klar: Kohl schweigt weiter, verweigert die Aussage
und hat von nichts gewusst - außer dass er und seine Politik
"nie käuflich" waren. Und das System Kohl lebt in der
CDU weiter. Regelmäßig traf sich Kohl bisher - von ihm
unbestritten - vor den Sitzungen des Untersuchungsausschussses
mit den Unionsvertretern im Ausschuss, um das Vorgehen mit ihnen
abzuklären. Hier funktioniert offensichtlich weiter ein System,
mit dessen Hilfe auch in Zukunft die Wahrheit vertuscht
werden soll.
08.
Juli 2000
Auch der zweite Auftritt Kohls vor dem Untersuchungsausschuss
hat nichts Neues gebracht. Kohl schweigt weiter, sieht sich
trotz Verstoß gegen Grundgesetz und Parteiengesetz im Recht,
wirft statt dessen den Regierungsparteien
"Verfassungsfeindlichkeit" vor. Zu den verschwundenen
Akten im Kanzleramt erklärt Kohl nun (nachdem er beim letzten
Mal überhaupt die Existenz der verschwundenen Akten geleugnet
hat), der Tatort war das Kanzleramt - und meint damit, dass die
neue Regierung die Akten habe verschwinden lassen.
Die Unionsparteien stehen weiter zu Kohl und ihren Mitgliedern
im Untersuchugnsausschuss - auch wenn diese sich regelmäßig
mit Kohl zu Besprechungen treffen: das Sytem Kohl lebt weiter in
der Union.
12.
Juli 2000
Der französische Mineralölkonzern Elf Aquitaine soll der CDU
unter ihrem Vorsitzenden Helmut Kohl doch Schmiergelder für
den Erwerb der Leuna-Raffinerie gezahlt haben. Das behauptet
ein früherer leitender Mitarbeiter des Konzerns. Die Zahlungen
seien vom damaligen Präsidenten Frankreichs, François
Mitterrand, abgesegnet gewesen, sagte André Tarallo nach
Informationen der Zeitungen "Le Monde" und "Le
Parisien" in den Korruptionsermittlungen gegen Elf.
Auf die Frage, wer das Geld erhalten habe, soll Tarallo am
Montag gesagt haben, er habe später erfahren, dass es sich um
die CDU gehandelt habe. Der frühere CDU-Vorsitzende und
Bundeskanzler Helmut Kohl bestreitet, dass Schmiergelder von Elf
eine Rolle im Parteispenden-Skandal um die CDU spielten.
Beweisen kann er seine Version allerdings nicht, da zum Ende
seiner Amtszeit die entsprechenden Akten im Kanzleramt
vernichtet wurden. Der Verdacht, die Regierung Kohl sei käuflich
gewesen, erhält nun neue Nahrung.
15.
Juli 2000
Der hessische Ministerpräsident und CDU-Vorsitzende Koch war
der Meinung, er habe "brutalstmöglich" alles aufgeklärt,
nun hat die Staatsanwaltschaft eine weitere Million Schwarzgeld
bei der hessischen CDU entdeckt.
Dieses Geld stammt anscheinend vom Süßwarenhersteller Ferrero
("Guten Freunden gibt man ein Küsschen" - oder viel
Geld) , floss in den letzten zwanzig Jahren (für die
achtziger Jahre konnte der Betrag nur geschätzt werden, da es
keine Unterlagen mehr gibt) bar in die Parteikasse des
Landesverbandes und wurde nicht ordnungsgemäß als Spende
verbucht. Weitere Barspenden seien derzeit nicht
ausgeschlossen.
Die hessische SPD erklärte dazu, der Spendensumpf bei der
hessischen Union werde immer tiefer. "Es gilt weiterhin,
dass die CDU alles bestreitet, was ihr nicht aus den Akten
bewiesen wird", sagte Jürgen Walter, Obmann der
Sozialdemokraten im Untersuchungsausschuss des Landtags.
18.Juli
2000
Der Süßwarenhersteller Ferrero, der an die hessische CDU
jahrelang nicht korrekt verbuchte Barspenden in Höhe von
fast einer Million Mark geleistet haben soll, hat - wie
verschiedene Nachrichtenagenturen berichten - von der Großzügigkeit
eines hessischen Unionspolitikers profitiert. Wie das
Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf am
Dienstag bestätigte, hat das Unternehmen für sein Werk im
mittelhessischen Stadtallendorf jahrelang zu niedrige
Gewerbesteuervorauszahlungen geleistet. Während die Prüfer für
die Jahre 1993 und 1994 Vorauszahlungen von jeweils 40,2
Millionen Mark für angemessen hielten, setzte die
Finanzverwaltung der CDU-regierten Kommune lediglich 6,8
Millionen Mark an. Allein für die Jahre 1994 bis 1996 musste
Ferrero deshalb für sein Werk in Mittelhessen Gewerbesteuer in
Höhe von 52 Millionen Mark nachzahlen. Allerdings: die
Zinsgewinne, die Ferrero durch die niedrigen Vorauszahlungen hat
erwirtschaften können, werden auf 13 Millionen Mark geschätzt
- da kann man "guten Freunden" leicht eine Million
als "Spende" abgeben...und die CDU behauptet
weiterhin, ihre Politik sei nicht käuflich gewesen.
05.
August 2000
Die von der hessischen Union beauftragten Wirtschaftsprüfer fühlen
sich vom CDU-Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten Roland
Koch «objektiv getäuscht». Dies erklärte ihr Geschäftsführer,
Hans-Joachim Jacobi, am Freitag vor dem Untersuchungsausschuss
des hessischen Landtags. Jacobi sagte, er habe sich an die
Wiesbadener Staatsanwaltschaft gewandt, um Einsicht in die
beschlagnahmten CDU-Unterlagen zur Schwarzgeldaffäre nehmen zu
können. Seine Prüfer hätten den Bericht zum korrigierten
CDU-Rechenschaftsbericht 1998 nicht unterschrieben, wenn sie
gewusst hätten, dass die von Koch und seinem damaligen
Generalsekretär Herbert Müller abgegebene Vollständigkeitserklärung
zu den Unterlagen falsch war. Man habe auch nicht gewusst, dass
ein Darlehen in Höhe von einer Million Mark, das in dem ergänzenden
Prüfvermerk von 1999 ausgewiesen war, erst wenige Tage zuvor
zurückdatiert wurde. Koch und Müller hätten das bei Abgabe
des Rechenschaftsberichts für 1998 gewusst.
06. August 2000
Alt-Kanzler Helmut Kohl (CDU) hat die rund zwei Millionen Mark
illegal gesammelten Spenden offensichtlich anders verwendet als
bisher behauptet. Die Bonner Staatsanwaltschaft bestätigte
inzwischen einen entsprechenden Spiegel-Bericht. Danach wurde
das Geld nicht vorwiegend für den Aufbau der CDU in
Ostdeutschland, sondern vor allem für Wahlkämpfe der CDU und
Meinungsumfragen ausgegeben.
12.
August 2000
Der ehemalige Generalbevollmächtigte der CDU, Uwe Luethje, hat
Altbundeskanzler Helmut Kohl lt. ZDF schwer belastet. In
seiner schriftlichen Vernehmung durch den Untersuchungsausschuss
des Bundestages habe Luethje angegeben, Kohl 1992 von der Auflösung
eines verdeckten Parteikontos in der Schweiz berichtet zu haben.
Die insgesamt 1,5 Millionen Schweizer Franken seien dann
zu gleichen Teilen unter dem damaligen Schatzmeister Walther
Leisler Kiep, dem Finanzberater Horst Weihrauch und ihm selbst -
also in die privaten Taschen! - aufgeteilt worden. Kohl hat
bisher immer bestritten, von dem Konto gewusst zu haben.
25.
August 2000
Im unvollständigen Rechenschaftsbericht der Hessen-CDU von Ende
1999 gab es noch mehr Unregelmäßigkeiten als bislang bekannt.
In dem ohnehin schon korrigierten Bericht waren lt. dem
Rechnungsprüfer Karl-Heinz Barth rund 190 000 Mark falsch
verbucht. Das Geld sei als «Sonstige Einnahme» aufgeführt
worden, obwohl in einem internen Vermerk Spenden als Quelle
angegeben worden waren. Tatsächlich aber stammte das Geld aus
Schwarzen Konten in der Schweiz.
Neue
Vorwürfe gibt es auch gegen den hessischen Ministerpräsidenten
Roland Koch (CDU): SPD und Grüne warfen Koch am Mittwoch vor,
im Berliner Untersuchungsausschuss zur CDU-Finanzaffäre falsch
ausgesagt zu haben. In einer Ausschusssitzung des Wiesbadener
Landtags hatte der Unionsabgeordnete Frank Lortz zuvor erklärt,
über die Unterschlagung von Fraktionsgeldern zwischen 1988 und
1992 sei Anfang 1993 die gesamte CDU-Fraktion - also auch
Koch - informiert worden. Koch selbst hatte dagegen in Berlin
erklärt, er sei über den Fall erst im Sommer 1993 von
Manfred Kanther unterrichtet worden. Koch bleibt weiterbei
seiner Darstellung: «Ich habe keinerlei Erinnerung an einen
Rechnungsprüfungsbericht, in dem von Unterschlagungen in der
CDU-Fraktion berichtete wurde.»
Der ehemalige CDU-Buchhalter Franz-Josef Reischmann hatte
zwischen 1988 und 1992 bei der CDU-Landespartei rund 1,8
Millionen Mark und bei der Fraktion weitere 336.000 Mark
unterschlagen. Die Partei glich den finanziellen Schaden
vermutlich aus den Schwarzen Kassen aus.
Helmut Kohl gerät inzwischen weiter
unter Druck: Der Altkanzler soll gleich nach seiner Wahl im
Jahre 1982 persönlich den Anstoß zur Einrichtung der schwarzen
Kassen bei der CDU gegeben haben. Damals seien etwa sechs
Millionen Mark heimlich aus der Unions-Bundestagsfraktion an die
CDU transferiert worden, berichtet die "Süddeutsche
Zeitung" (SZ). Nach SZ- Angaben soll das Geld auf Anweisung
Kohls durch einen Mittelsmann der Fraktion dem damaligen
Generalbevollmächtigten der CDU- Schatzmeisterei, Uwe Lüthje,
übergeben worden sein. Über den damaligen Finanzberater der
Partei, Horst Weyrauch, sei das Geld dann auf Treuhandkonten
versteckt worden. Kohl ließ dazu umgehend erklären, er
habe "an diesen Vorgang, der achtzehn Jahre zurückliegt,
im Einzelnen keine Erinnerung". Kohl halte es "aber für
denkbar, dass vor dem schweren Bundestagswahlkampf im März 1983
auch alle Möglichkeiten der Fraktion eingesetzt wurden".
30.
August 2000
Entgegen einiger Erwartungen hat die Gegenüberstellung der
ehemaligen CDU-Schatzmeisterin Baumeister und des ehemaligen
Vorsitzenden Schäuble im Untersuchungsausschuss nichts
gebracht: beide bleiben vehement bei Ihrer Version der Übergabe
der Schreiber-Spende. Jetzt wird sich die Staatsanwaltschaft
damit befassen müssen, weil einer von beiden eine Falschaussage
gemacht haben muss. Oder: es gab in Wirklichkeit zwei Spenden,
beide Versionen stimmen, dann aber wurde eine Spende
unterschlagen.
01.
September 2000
CDU-Politik durch Spenden nicht käuflich? Die Fakten sprechen
immer mehr eine andere Sprache: am Mittwoch, 30.08. war bekannt
geworden, dass Kanther den Süßwarenkonzern Ferrero 1999
anwaltlich beraten hat. Ferrero hat der CDU seit Anfang der
achtziger Jahre fast eine Million Mark gespendet, die schwarz
eingenommen und ausgegeben wurden. 1993 und 1994 hatte das
Ferrero-Werk im mittelhessischen Stadtallendorf (Kreis
Marburg-Biedenkopf) nach Überzeugung der Kommunalaufsicht von
einem CDU-Bürgermeister Steuervorteile von 13 Millionen Mark
bekommen.
03.
September 2000
Die hessische CDU und Ministerpräsident Koch geraten immer mehr
unter Druck. Inzwischen wird der CDU vorgeworfen, 1998 und 1999
eine parteinahe Stiftung als Geldwaschanlage benutzt zu haben.
Der Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) bestätigt
im SPIEGEL, 1998 und 1999 insgesamt 450.000 Mark an die CDU-nahe
Hessische Akademie für politische Bildung gezahlt zu haben, um
Koch zu unterstützen.
Die Nachrichtenagentur DPA berichtet weiter, dass die CDU in
Hessen auch noch unter dem Parteivorsitzenden Roland Koch,
der seit Januar 1998 im Amt ist, schwarze Konten geführt habe
(Hessischer Rundfunk). Aus einer geheimen Spendenkasse heraus
seien freie Mitarbeiter der Parteizentrale honoriert
worden. Koch hatte zu jenem Zeitpunkt bereits eine
"brutalst mögliche Aufklärung" der Affäre
versprochen. Statt dessen haben CDU-Funktionäre den
freien Mitarbeitern bereits vorgefertigte Honorarverträge zur
Unterschrift vorgelegt.
Außerdem sei auch noch in diesem Jahr ein Kassenbuch für
eine Schwarzkasse der CDU gefälscht worden. Das Buch soll
demnach nach der ersten Durchsuchung der CDU-Zentrale in
Wiesbaden im Januar vernichtet worden sein. Ein nachher
aufgefundenes Kassenbuch sei nach Erkenntnissen der Ermittler
erst später mit falschen Eintragungen angefertigt worden.
15.
September 2000
Die "Berliner Zeitung" berichtet, Untersuchungen der
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young im
Zusammenhang mit der Finanzaffäre der hessischen CDU belasteten
den früheren Bundeskanzler und CDU-Bundesvorsitzenden Helmut
Kohl. Die Wirtschaftsprüfer hätten in einem handschriftlichen
Vermerk vom Februar den Verdacht geäußert, dass einer der
Bargeldbeträge, die Kohl nach eigener Darstellung in den
neunziger Jahren von Spendern erhalten hat, in Wirklichkeit von
einem der Schweizer Konten der Hessen-CDU geflossen sei.
Der Vermerk bezieht sich auf die 1993 erfolgte Einzahlung von
900.000 Mark auf ein Treuhand-Anderkonto der Bundes-CDU. Kohl
hat angegeben, es handele sich um eine Zuwendung eines der
Spender, deren Namen preiszugeben er sich weigert.
02.
Dezember 2000
Die CDU verliert als Folge der von Kohl gesammelten Spenden (die
Namen der Spender nennt er immer noch nicht) weitere 7,7
Millionen DM aus der staatlichen Parteinfinazierung. Dies wurde
gestern von Bundestagspräsident Thierse mitgeteilt.
24.
Januar 2001
Die Staatsanwaltschaft Bonn hat ein Verfahren gegen die frühere
Schatzmeisterin der CDU, Brigitte Baumeister, eröffnet. Ihr
wird im Zusammenhang mit der 100.000-Mark-Spende des Waffenhändlers
Schreiber Untreue vorgeworfen. Bei dem Verfahren geht es nach
Angaben der Staatsanwaltschaft Bonn um die 100.000-Mark-Spende
des Waffenhändlers Karlheinz Schreiber. Oberstaatsanwalt Bernd
König sagte, diese Spende sei nicht im Rechenschaftsbericht der
CDU ausgewiesen worden.
26.
Januar 2001
Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl hat gestern vor dem
Untersuchungsausschuss erneut Angaben zu den anonymen Spendern für
die CDU verweigert und belastende Aussagen gegen seine Person zu
allen weiteren Aspekten der Affäre zurück gewiesen.
3. März 2001
Der Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen CDU-Alt-Kanzler
Helmut Kohl hat das Bonner Landgericht zugestimmt. Kohl muss nun
eine Geldbuße von 300 000 Mark zahlen. Das Gericht gab damit
dem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt. Sie
hatte das Verfahren wegen des Verdachts der Untreue Kohls zum
Nachteil der eigenen Partei im letzten Jahr eingeleitet.
Zur Einstellung des Ermittlungsverfahrens
gegen Altkanzler Helmut Kohl erklärt der Generalsekretär
der SPD, Franz Müntefering: Helmut Kohl bleibt sich treu: Mit
"Bimbes" kann man alles regeln. Jetzt hat er sich mit
300.000,- DM aus den Ermittlungen rausgekauft. Es gibt zwar
jetzt kein Verfahren mehr, das ändert aber nichts an seiner
Schuld. Er lebt weiter in fortgesetztem Rechtsbruch. Das kann
nicht hingenommen werden.
Allerdings hat er jetzt keine Ausrede mehr, vor dem
Untersuchungsausschuss die Aussage zu verweigern. Er muss jetzt
endlich die Namen seiner Spender nennen, wenn es sie denn gibt. Ergänzung
April 2005:
18 Monate Haft (auf Bewährung) sowie eine Geldstrafe in Höhe
von 25.000 Euro - das ist das Strafmaß, zu dem der frühere
Bundesinnenminister Kanther (CDU) vom Wiesbadener Landgericht
wegen der Schwarzgeldkonten, die er für die CDU führte,
verurteilt wurde. Besonders pikant an der Geschichte: er hat mit
seinem Verhalten gegen ein von ihm selbst initiiertes und
unterzeichnetes Gesetz zur Parteienfinanzierung verstoßen. Aber
einsichtig ist er immer noch nicht, Kanther nannte das Urteil
"abwegig". Der Richter dagegen nannte es
"abwegig", dass Kanther als früherer Innenminister
die Konsequenzen eines in seinem Haus formulierten Gesetzes
nicht habe absehen wollen.
Die CDU-Spitzen schweigen das Thema tot. Einschätzungen,
selbst Bewertungen über die Höhe des Strafmaßes waren den
Vertretern der Union nicht zu entlocken. Das Thema wurde
schlichtweg ausgeblendet - oder zumindest der Versuch
unternommen. Was nicht verwundern darf: immerhin wird der
frühere Kanzler und Parteivorsitzende Kohl - der immer noch
sein "Ehrenwort" über das Gesetz stellt und die Namen
der Spender nicht nennt - in der CDU wieder gefeiert (wie
zuletzt anlässlich seines 75. Geburtstages). |