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NovemberDer 9. November

in der deutschen Geschichte


1848, 1911, 1918, 1923, 1925, 1938 und zuletzt 1989 spielte dieses
Datum eine wichtige Rolle in der deutschen Geschichte:

 

9. November 1848

Barrikaden in BerlinDer aus Köln stammende Buchhändler und Schriftsteller Robert Blum wird in Wien erschossen. Als begeisterter Demokrat beteiligte er sich an der Revolution von 1848 und war einer der bekanntesten Redner in der Paulskirche. Seine Hinrichtung stand in Zusammenhang mit der Überbringung eines Manifestes der deutschen Revolutionäre an ihre österreichischen Gesinnungsgenossen.
Diese Hinrichtung symbolisiert den Niedergang und das Scheitern der bürgerlichen Revolution in Deutschland.

9. November 1911

BebelAn diesem Tag hielt August Bebel, der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei im Deutschen Reichstag eine nahezu prophetische Rede: "Dann kommt die Katastrophe. Alsdann wird in Europa der große Generalmarsch geschlagen, auf den hin 16 bis 18 Millionen Männer, die Männerblüte der verschiedenen Nationen, ausgerüstet mit den besten Mordwerkzeugen gegeneinander als Feinde ins Feld rücken. Aber nach meiner Überzeugung steht hinter dem großen Generalmarsch der große Kladderadatsch. Hinter diesem Kriege steht der Massenbankrott, steht das Massenelend, steht die Massenarbeitslosigkeit, die große Hungersnot". Er schloß seine Rede mit "Ihr seid gewarnt".

Zu dieser Zeit trat nach der Zerschlagung der Revolution, nach Überwindung der darauf folgenden Stagnation Deutschland an, sich einen "Platz an der Sonne", sich die Vormachtstellung in Konkurrenz zu den anderen imperialistischen Großmächten England und Frankreich  zu erkämpfen. Bebel beschrieb in seiner Rede sehr weitsichtig, wohin diese Entwicklung führen wird.

9. November 1918

Revolution in DeutschlandInzwischen hatte sich gezeigt, wie recht Bebel hatte: Arbeiter und Soldaten waren nicht mehr bereit, die Verhältnisse weiter zu ertragen, der Aufstand der Matrosen von Kiel am 7./8. November hatte die Reichshauptstadt Berlin erreicht. Unter dem Druck von Massendemonstrationen und Streiks dankte der letzte kaiserliche Reichskanzler Prinz Max von Baden ab und übergab die Regierungsgeschäfte an den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Friedrich Ebert. Am gleichen Tag verkündete der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Philipp Scheidemann die deutsche Republik, die an diesem Tag bereits fast im gesamten Reichsgebiet zur Tatsache geworden war.

Innerhalb weniger Tage verwirklichte die Revolutionsregierung wichtige Forderungen der Arbeiterbewegung: Demokratisierung des Wahlrechts, Frauenwahlrecht, Achtstundentag.

Doch schnell blieb die Revolution stecken, u. a. an der Frage, ob - wie in der UdSSR - ein Rätesystem oder die parlamentarische Demokratie eingeführt werden solle. Die sozialdemokratische Reichsregierung mußte sich bereits Anfang 1919 gegen die aufständischen Arbeiter verteidigen, sie stützte sich dabei auf die Hilfe ehemaliger kaiserlicher Offiziere und antirepublikanischer Freikorps.

In der Folge begründeten diejenigen, die das deutsche Volk in diesen verheerenden Krieg geführt hatten, die Niederlage auch noch mit der schamlosen Lüge vom "Dolchstoß", den "antideutsche Elemente, Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden" angeblich der erfolgreich kämpfenden Truppe durch die Revolution zugefügt hatten.
Die weiterhin amtierende reaktionäre Justiz, die reaktionäre  kaiserliche Beamtenschaft, das auf Revanche wartende Militär, die nationalistischen Universitätsprofessoren und Studenten und gewerkschaftsfeindliche Unternehmer trugen alle dazu bei, daß sich die erste deutsche Republik, genannt die "Weimarer Republik", nicht stabil entwickeln konnte. Sie alle bekämpften gemeinsam mit den Faschisten der NSDAP die Republik als "Judenrepublik".
Die liberalen Parteien schmolzen zu einem kleinen Haufen zusammen, die Kommunisten fielen für die Verteidigung der Republik weg, die bürgerlichen Parteien entwickelten sich immer reaktionärer, so daß am Schluß nur noch die Sozialdemokratische Partei als Verteidigerin der Republik übrigblieb.

Der Sozialdemokrat Ernst Fraenkel stellte 1943 im amerikanischen Exil fest: "Weil der Neunte November somit eine halbe Revolution war - unter den besonderen Verhältnissen des verlorenen Krieges damals nichts anderes sein konnte -, ist uns vierzehn Jahre später eine ganze Niederlage bereitet worden."

9. November 1923

Hitler versuchte das erste Mal, die Macht im Deutschland zu übernehmen. Der Hitler-Ludendorff-Putsch brach vor der Münchner Feldherrenhalle im Kugelhagel der bayerischen Landespolizei zusammen.
In der Folge wurde der 9. November zu einem zweifachen Geburtstag für die Faschisten der NSDAP: zum einen entstand 1918 an diesem Tag die ihnen verhaßte Weimarer Republik, zum anderen war es der "Geburtstag" des "Dritten Reiches", das es noch zu erkämpfen galt.

9. November 1925

Gründung der Terrororganisation "SS" (Schutzstaffel), Eliteorganiation der NSDAP. Wurde als Parteipolizei gegründet. 1929 übernahm Heinrich Himmler die Führung der 280 Mann starken Truppe und schuf aus ihr einen Männerorden mit schwarzen Uniformen, Totenkopf-Symbolik und strengen Auslesekriterien. Die SS wurde die wichtigste Staatsschutztruppe der Nazis, ihr Name ist untrennbar verbunden mit den schlimmsten Verbrechen der Faschisten. Das Motto H. Himmlers "Ich habe nicht Gerechtigkeit zu üben, sondern zu vernichten und auszurotten" (4. März 33), wurde von der SS in den zwölf Jahren Terrorherrschaft rücksichtslos umgesetzt.

9. November 1938

SA-Männer beim Feuerlegen in der Nürnberger SynagogeAm 9. November erfährt die Verfolgung der Juden im Deutschen Reich einen ersten traurigen Höhepunkt: in vom nationalsozialistischen Staat, von der NSDAP und der SA organisierten Pogromen werden jüdische Einrichtungen, Geschäfte und Firmen zerstört, zahlreiche Menschen gequält, getötet (127 Tote) oder in KZs (ca. 30.000 Menschen) verschleppt. Mindestens 267 Synagogen wurden niedergebrannt, fast alle jüdischen Friedhöfe zerstört. Das planmäßige Vorgehen war ein weiterer Schritt in der totalen Ausschaltung der Juden aus dem öffentlichen Leben Deutschlands.
Noch weniger als für die um Hilfe rufende spanische Republik fanden sich die demokratischen Staaten bereit, sich für die verfolgten Juden im "Dritten Reich" einzusetzen.
Knapp ein Jahr später begannen  die Nationalsozialisten den Zweiten Weltkrieg, der die Menschheit an den Abgrund führte und für die Juden  zur größten Katastrophe ihrer Geschichte wurde. Ca. sechs Millionen Juden bezahlten die vom deutschen Staat, der NSDAP und der SS  systematisch organisierte Vernichtung mit dem Leben.

9. November 1989

Der Zweite Weltkrieg endete mit der Neuaufteilung der besiegten Länder, der Aufteilung der Welt in zwei Blöcke und dem Beginn des sog. Kalten Krieges. Deutschland war durch Stacheldraht und Minen geteilt, Berlin durch eine  Mauer mitten durch die Stadt.
Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 unter dem Druck einer revolutionären Volksbewegung in der DDR beendete die Spaltung Deutschlands und die zweite Diktatur in Deutschland in diesem Jahrhundert. Es war eine friedliche Selbstbefreiung.
An diesem Tag scheiterten auch alle Illusionen derjenigen, die meinten, die DDR sei die bessere deutsche Alternative.
In der darauffolgenden Zeit entglitt der Bürgerbewegung der DDR die Initiative, die von der Maueröffnung überraschte Bundesregierung und die Großmächte gerieten unter Zugzwang. Ein Jahr später wurden beide Teile Deutschlands "wiedervereinigt", Berlin ist wieder Hauptstadt.
Doch das Postulat Willy Brandts am Tag nach der Maueröffnung "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört" ist noch lange nicht erfüllt.

"Entscheidend scheint mir (...) die grundlegende Bedeutung von Widerstand und Opposition für das politische Bewußtsein der Deutschen zu sein. Zuerst sollte hier das Gefühl für die permanente Gefährdung des Rechtsstaates und die Erkenntnis erhalten bleiben, daß jedes Volk bei Verletzung elementarer Menschenrechte zum Widerstand aufgerufen ist. Wenn dies in das demokratische Bewußtsein der Bundesrepublik Eingang fände, wäre die Bürgerbewegung des Herbstes 1989 doch mehr als Treibsand in einer sie überrollenden historischen Entwicklung gewesen."
Dr. Rainer Eckert, Leiter der Projektgruppe Leipzig des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Berlin

 

Verantwortlich:
Rüdiger Löster
http://www.loester.net
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