|
|
||||||||
|
|
|
|||||||
Diese Hinrichtung symbolisiert den Niedergang und das Scheitern der bürgerlichen Revolution in Deutschland. |
Zu dieser Zeit trat nach der Zerschlagung der Revolution, nach Überwindung der darauf folgenden Stagnation Deutschland an, sich einen "Platz an der Sonne", sich die Vormachtstellung in Konkurrenz zu den anderen imperialistischen Großmächten England und Frankreich zu erkämpfen. Bebel beschrieb in seiner Rede sehr weitsichtig, wohin diese Entwicklung führen wird. |
Innerhalb weniger Tage verwirklichte die Revolutionsregierung wichtige Forderungen der Arbeiterbewegung: Demokratisierung des Wahlrechts, Frauenwahlrecht, Achtstundentag. Doch schnell blieb die Revolution stecken, u. a. an der Frage, ob - wie in der UdSSR - ein Rätesystem oder die parlamentarische Demokratie eingeführt werden solle. Die sozialdemokratische Reichsregierung mußte sich bereits Anfang 1919 gegen die aufständischen Arbeiter verteidigen, sie stützte sich dabei auf die Hilfe ehemaliger kaiserlicher Offiziere und antirepublikanischer Freikorps. In der Folge begründeten
diejenigen, die das deutsche Volk in diesen verheerenden Krieg
geführt hatten, die Niederlage auch noch mit der schamlosen Lüge
vom "Dolchstoß", den "antideutsche Elemente,
Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden" angeblich der
erfolgreich kämpfenden Truppe durch die Revolution zugefügt
hatten. Der Sozialdemokrat Ernst Fraenkel stellte 1943 im amerikanischen Exil fest: "Weil der Neunte November somit eine halbe Revolution war - unter den besonderen Verhältnissen des verlorenen Krieges damals nichts anderes sein konnte -, ist uns vierzehn Jahre später eine ganze Niederlage bereitet worden." |
| Hitler
versuchte das erste Mal, die Macht im Deutschland zu übernehmen.
Der Hitler-Ludendorff-Putsch brach vor der Münchner
Feldherrenhalle im Kugelhagel der bayerischen Landespolizei
zusammen. In der Folge wurde der 9. November zu einem zweifachen Geburtstag für die Faschisten der NSDAP: zum einen entstand 1918 an diesem Tag die ihnen verhaßte Weimarer Republik, zum anderen war es der "Geburtstag" des "Dritten Reiches", das es noch zu erkämpfen galt. |
| Gründung der Terrororganisation "SS" (Schutzstaffel), Eliteorganiation der NSDAP. Wurde als Parteipolizei gegründet. 1929 übernahm Heinrich Himmler die Führung der 280 Mann starken Truppe und schuf aus ihr einen Männerorden mit schwarzen Uniformen, Totenkopf-Symbolik und strengen Auslesekriterien. Die SS wurde die wichtigste Staatsschutztruppe der Nazis, ihr Name ist untrennbar verbunden mit den schlimmsten Verbrechen der Faschisten. Das Motto H. Himmlers "Ich habe nicht Gerechtigkeit zu üben, sondern zu vernichten und auszurotten" (4. März 33), wurde von der SS in den zwölf Jahren Terrorherrschaft rücksichtslos umgesetzt. |
Noch weniger als für die um Hilfe rufende spanische Republik fanden sich die demokratischen Staaten bereit, sich für die verfolgten Juden im "Dritten Reich" einzusetzen. Knapp ein Jahr später begannen die Nationalsozialisten den Zweiten Weltkrieg, der die Menschheit an den Abgrund führte und für die Juden zur größten Katastrophe ihrer Geschichte wurde. Ca. sechs Millionen Juden bezahlten die vom deutschen Staat, der NSDAP und der SS systematisch organisierte Vernichtung mit dem Leben. |
| Der Zweite Weltkrieg
endete mit der Neuaufteilung der besiegten Länder, der
Aufteilung der Welt in zwei Blöcke und dem Beginn des sog.
Kalten Krieges. Deutschland war durch Stacheldraht und Minen
geteilt, Berlin durch eine Mauer mitten durch die Stadt. Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 unter dem Druck einer revolutionären Volksbewegung in der DDR beendete die Spaltung Deutschlands und die zweite Diktatur in Deutschland in diesem Jahrhundert. Es war eine friedliche Selbstbefreiung. An diesem Tag scheiterten auch alle Illusionen derjenigen, die meinten, die DDR sei die bessere deutsche Alternative. In der darauffolgenden Zeit entglitt der Bürgerbewegung der DDR die Initiative, die von der Maueröffnung überraschte Bundesregierung und die Großmächte gerieten unter Zugzwang. Ein Jahr später wurden beide Teile Deutschlands "wiedervereinigt", Berlin ist wieder Hauptstadt. Doch das Postulat Willy Brandts am Tag nach der Maueröffnung "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört" ist noch lange nicht erfüllt. |
"Entscheidend scheint mir
(...) die grundlegende Bedeutung von Widerstand und Opposition für das
politische Bewußtsein der Deutschen zu sein. Zuerst sollte hier das Gefühl
für die permanente Gefährdung des Rechtsstaates und die Erkenntnis
erhalten bleiben, daß jedes Volk bei Verletzung elementarer
Menschenrechte zum Widerstand aufgerufen ist. Wenn dies in das
demokratische Bewußtsein der Bundesrepublik Eingang fände, wäre die Bürgerbewegung
des Herbstes 1989 doch mehr als Treibsand in einer sie überrollenden
historischen Entwicklung gewesen."
Dr. Rainer Eckert, Leiter der Projektgruppe Leipzig des
Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Berlin
|
Verantwortlich: |