Antifaschistische Chronik für Nürnberg
Teil 1: 1930 - 8. Mai 1945
Teil 2: Mai 1945 bis 31.12.1999
Teil 3: 2000 - 2002
Teil 4: ab 2003  
 Teil 5: ab 2011

Diese Chronik wird ständig erweitert und aktualisiert.  Anregungen, Ergänzungen und Kritik sind willkommen.


© Rüdiger Löster, 1997, 2010

Der Name Nürnbergs ist verbunden mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte als die "Stadt der Reichsparteitage" und der Rassegesetze. Bereis ab 1925 wirkte hier Julius Streicher, der Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes "Der Stürmer", als Gauleiter der NSDAP.

Aber Nürnberg ist auch die Stadt der Nürnberger Prozesse, in denen die Hauptkriegsverbrecher verurteilt wurden. Nürnberg steht für den Versuch, sich der eigenen Geschichte zu stellen und einen Beitrag dazu zu leisten, dass etwas vergleichbares nie wieder geschehen kann. Der "Internationale Menschenrechtspreis", die "Straße der Menschenrechte" und die Einrichtung eines Dokumentationszentrum im ehemaligen "Reichsparteitagsgelände" sind   aktuelle Beispiele dafür.

Diese Chronik soll dazu dienen, die Erfahrungen aus der Geschichte wach zu halten und die aktuelle Entwicklung im Umgang mit alten und neuen Nazis kritisch zu betrachten.

Quellen und ergänzende Literatur: Deshalb Parteigenossen! Frisch ans Werk! - 120 Jahre SPD Nürnberg, Hrsg.: SPD Nürnberg
75 Jahre SPD-Stadtratsfraktion Nürnberg 1908 - 1983, Hrsg.: Stadtarchiv Nürnberg
Das rote Nürnberg, Band 4 und 5, Hrsg.: IG Metall Nürnberg
Kennen Sie das andere Nürnberg? Ein antifaschistischer Stadtführer, Hrsg.: Libresso
Rechtsextremismus in Nürnberg und Mittelfranken, Schriftenreihe des Kreisjugendrings Nürnberg
Spezialitäten aus Mittelfranken - Ein Überblick über rechte und rechtsextreme Strukturen; Hrsg.: adip

Geschichte der Juden in Nürnberg 1146 - 1945, Arnd Müller
Das andere Nürnberg, Antifaschistischer Widerstand in der Stadt der Reichsparteitage, Hermann Schirmer
Der Nürnberger Prozess, Internationaler Militärgerichtshof Nürnberg, Band 1 - 23
Jahr des Erinnerns, Sonderveröffentlichung der Nürnberger Nachrichten, 2005
Der springende Punkt, Zeitung der SPD Nürnberg, Nr. 3/2010
 
27.03.30 Brüning wird Reichskanzler, es findet ein rücksichtsloser Sozialabbau statt.
13.08.30 Bei einer von 2000 Teilnehmern besuchten Veranstaltung der KPD in Nürnberg kommt es durch Provokationen der Nazis zu einer Saalschlacht.
23.12.31 Gründung der "Eisernen Front", ein antifaschistischer Zusammenschluss sozialdemokratischer Organisationen
21.01.32 Kundgebung der Eisernen Front in Nürnberg mit 25.000 Teilnehmern.
10.04.32 Hindenburg wird als Reichspräsident wieder gewählt
30.05.32 Brüning tritt zurück, Papen wird Reichskanzler, wenige Tage später wird der Reichstag aufgelöst
22.01.33 Protestdemonstration in Nürnberg gegen den SA-Aufmarsch vor dem Karl-Liebknecht-Haus in Berlin (Sitz des ZK der KPD)
30.01.33 Machtübernahme der Nazis im Deutschen Reich

Am gleichen Abend beschließt die Unterbezirkskonferenz der Nürnberger SPD, Ruhe und Disziplin zu wahren und sich beim Kampf gegen die Nazis an die Verfassung zu halten.

01.02.33 Der Reichsbanner wird aufgelöst
12.02.33 Auf dem Hauptmarkt findet die letzte große antifaschistische Kundgebung der Eisernen Front mit ca. 60.000 Teilnehmern statt
27.02.33 Der von den Nazis gelegte Reichstagsbrand dient als Vorwand, reichsweit massiv gegen Antifaschisten vorzugehen, es folgt eine blutige Terrorwelle gegen Hitlergegner.
28.02.33 Die KPD räumt das Parteibüro in der Keppler-Straße, die Illegalität beginnt.

In den folgenden Monaten wird durch den KPD-Sekretär Fritz Peter aus Johannis der "Rote Sandberg" herausgegeben und verteilt, Auflage etwa jeweils 2.000 Exemplare.

Sämtliche kommunistischen Veranstaltungen werden verboten, die Räume der KPD-Zeitung "Neue Zeitung" werden geschlossen.

02.03.33 Wahlkundgebung der Nürnberger SPD mit über 30.000 Teilnehmern. Redner: Ernst Schneppenhorst.

Nach der Kundgebung gibt es einen Fackelzug der Eisernen Front zur Deutschherrenwiese.

Am gleichen Tag wird eine für die Illegalität vorbereitete kommunistische Druckerei in Nürnberg ausgehoben, Funktionäre der Stadtteilleitungen der KPD werden anhand vorbereiteter Listen verhaftet.

05.03.33 Reichstagswahlen

In Nürnberg erhöht die SPD ihren Stimmenanteil, die KPD bleibt trotz massiver Verfolgung drittstärkste Partei in Nürnberg.

09.03.33 Die kommunistischen Reichstagsmandate werden von den Nazis für ungültig erklärt.

Die Nazis übernehmen die Macht in Bayern, als ihr Statthalter wird General von Epp eingesetzt, der sich bereits bei der Niederschlagung der Bayerischen Räterepublik einen blutigen Namen gemacht hat.

SA und SS besetzen Polizeipräsidium , Rathaus und andere öffentliche Gebäude in Nürnberg

09./10.03.1933 Die Fränkische Tagespost wird von Nazis besetzt, das Inventar zerstört. Bereits am Nachmittag des 9. März sind SA-Männer wild um sich schießend durch die Gartenstadt gefahren.
Im Gebäude der Tagespost befanden sich noch der Redakteur Riepekohl, die beiden Hausmeister, der Ortssekretär des Reichsbanner Schramm und der Redakteur Goller, beim Sturm auf das Gebäude kam es zu Schießereien.

In den folgenden Tagen werden über 100 Reichsbannerführer verhaftet, Stadträte, Betriebsräte, Partei- und Gewerkschaftsführer werden in "Schutzhaft" genommen und nach Dachau gebracht. Wohnungen von Antifaschisten werden durchsucht und geplündert.

10.03.33 Bürgermeister Treu wird von den Nazis zum Rücktritt gezwungen.
11.03.33 Oberbürgermeister Dr. Luppe wird abgesetzt und wenige Tage später verhaftet.

Die Eiserne Front, das Reichsbanner und die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) werden auch in Bayern verboten.

12.03.33 Die Gewerkschaftsbüros in der Breiten Gasse werden von SA und SS zerstört, ebenso die Räume der "Fränkischen Tagespost"
16.03.33 Der Nazi-Funktionär Willi Liebel wird als kommissarischer Erster Bürgermeister bestellt.
21.03.33 Großkundgebung der Nazis auf dem Hauptmarkt, dieser wird in "Adolf-Hitler-Platz" umbenannt.
26.03.33 Illegale Tagung der KPD-Bezirksleitung Nordbayern in einem Wald bei Feucht.
01.04.33 Reichsweite Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte.

Die Polizei führt in Buchenbühl und der Südstadt große Razzien durch.

05.04.33 Razzien von Polizei, SA und SS in Johannis
07.04.33 Razzien von Polizei, SA und SS in Wöhrd
11.04.33 Einlieferung des ersten großen Transportes von politischen Gefangenen aus Nürnberg in das KZ Dachau. Die nächsten Transporte von jeweils 80 Gefangenen erfolgen am 13. und 26. April.
22.04.33 Der kommunistische Landtagsabgeordnete Fritz Schaper wird in Nürnberg verhaftet
27.04.33 In der Stadtratssitzung soll der Nazi Liebel als Oberbürgermeister gewählt werden. Die noch 14 anwesenden SPD-Stadträte geben ihre Stimmzettel leer ab.

Gegen Ende der Sitzung kommt es zu Gewalttätigkeiten gegen SPD-Stadträte, der Stadtrat Karl Bröger wird krankenhausreif geschlagen. Im Laufe der nächsten Wochen werden die SPD-Stadträte gezwungen, ihre Mandate niederzulegen.

30.04.33 Herstellung und Verteilung von ca. 4.500 Exemplaren des Flugblattes "Es lebe der rote Kampfmai" durch die Nürnberger Kommunisten Fritz Kläde und Hermann Schirmer
02.05.33 Die Gewerkschaften werden im gesamten Reich zerschlagen.
10.06.33 Die letzten SPD-Stadträte in Nürnberg legen ihr Mandat nieder.
22.06.33 Die SPD wird verboten. Alle Parteifunktionäre und ehemaligen Stadträte, die noch auf freiem Fuß sind, werden am gleichen Tag verhaftet und nach Dachau gebracht.

In den folgenden Tagen "Selbstauflösung" der anderen Parteien: DNVP (Deutschnationale Volkspartei - die Abgeordneten werden in die NSDAP-Fraktion übernommen), DVP (Deutsche Volkspartei), DDP (Deutsche Demokratische Partei), BVP (Bayerische Volkspartei), Zentrum.

Juli 33 Aufbau und Organisation von zwei SPD-Grenzsekretariaten für Bayern. Der ehemalige Nürnberger Reichstagsabgeordnete Hans Dill übernimmt den Bezirk 1 (Nordbayern). Fritz Munkert und Konrad Grünbaum waren seine Kontaktmänner.
20. Juli 33 Ca. 300 Juden werden von der SA in Nürnberg verhaftet und auf einen Sportplatz geführt und dort misshandelt. Anführer der SA-Meute war Hanns Günter von Obernitz.
31.08.33 Beginn des faschistischen "Reichsparteitages des Sieges" in Nürnberg
August - Oktober 1933 Die erst neu aufgebauten Stadtteilleitungen der KPD werden durch eine Verhaftungswelle zerschlagen, anschließend versucht Richard Bayer eine Reorganisation. Die illegale SPD-Organisation wird auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt.
14.11.33 Konrad Grünbaum wird in Weiden bei dem Versuch, Kontakte für die Verteilung des "Neuen Vorwärts" zu knüpfen, verhaftet und am 03.01.1934 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, bis 1939 war er im KZ Dachau.

H. Stöhr und J. Prölß konnten für die SPD neue Kontakte knüpfen und das Verteilernetz erweitern.

Januar 34 Die Mitglieder der dritten illegalen KPD-Bezirksleitung werden verhaftet.
20.03.34 Georg Berthold wird verhaftet
22.03.34 Leonhard Weller, Heinrich Stöhr und Hans Strobel werden verhaftet.
04.04.34 Andreas Umrath, Johann Prölß und Georg Hübner werden verhaftet, gefolgt von Verhaftungen der SPD-Genossen Ernst Walz, Fritz Munkert, Josef Feldmeier, Fritz Walz, Johann Donhauser, Johann und Konrad Christel, Karl Prölß und Otto Leser.

Alle Verhafteten wurden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt und anschließend in verschiedene KZs gebracht.

April - August 1934 Große Verhaftungswelle der Gestapo in Nordbayern, über 150 SPD-Funktionäre werden festgenommen.
11. Oktober 1934 In München beginnt der Prozess gegen 156 Angeklagte wegen Hochverrats.
17. Dezember 1934 Dr. Benno Martin, Polizeipräsident von Nürnberg, überreicht das "Erste Frontkämpferkreuz" in Franken an Julius Streicher.
1935 Nürnberg erhält den Namenszusatz "Stadt der Reichsparteitage"
Januar 35 In sieben Prozessen werden 68 bayerische Sozialdemokraten zu über 57 Jahre Zuchthaus verurteilt. Aus Nürnberg und Fürth stammen 36 Angeklagte.

Verurteilt wurde aus Nürnberg/Fürth u. a. folgende Sozialdemokraten:
Heinrich Stöhr, Fürth (6 Monate Zuchthaus); Andreas Umrath, Loher Moos (5 Jahre Zuchthaus); Ernst Walz, Loher Moos (4 Jahre Zuchthaus - alle drei bis Kriegsende im KZ); Josef Feldmeier, Loher Moos (3 Jahre und 6 Monate Zuchthaus, bis 1940 KZ Dachau); Hans Prölß, Loher Moos (3 Jahre Zuchthaus, bis 1943 KZ Dachau/Flossenbürg); Fritz Munkert, Loher Moos (2 Jahre 6 Monate Zuchthaus, bis 1939 KZ Dachau, 1943 wieder inhaftiert und 1944 mit dem Fallbeil
hingerichtet); Johann Böhmer, Gibitzenhof (2 Jahre und 6 Monate Zuchthaus, bis 1939 KZ Dachau); Hans Dillinger, Gartenstadt (2 Jahre und 6 Monate Zuchthaus, bis 1939 KZ Dachau); Wolfgang Krodel, Johannis (1 Jahr 5 Monate Gefängnis, bis 1936 KZ Dachau); Heinrich Ruff, Gartenstadt (1 Jahr 5 Monate Gefängnis, bis 1938 KZ Dachau); Franz Haas, Gostenhof (1 Jahr und 5 Monate Gefängnis, bis 1936 KZ Dachau); Albert Pöpple, Gibitzenhof (1 Jahr 5 Monate Gefängnis); Leonhard Weller, Maxfeld (1 Jahr 3 Monate Gefängnis, bis 1936 KZ Dachau); Arthur Schreyer, Johannis (1 Jahr 3 Monate Gefängnis); Hans Strobel, Gartenstadt (1 Jahr 3 Monate Gefängnis, bis 1936 KZ Dachau); Anton Müller, Bleiweis (1 Jahr 3 Monate Gefängnis, bis 1937 KZ Dachau); Friedrich Windsheimer, Johannis (1 Jahr 3 Monate Gefängnis, bis 1935 KZ Dachau); Leonhard Kohl, Gibitzenhof (1 Jahr Gefängnis); Karl Prölß, Loher Moos (8 Monate Gefängnis, bis 1938 KZ Dachau); Georg Dorner, Gibitzenhof (8 Monate Gefängnis); Loni Übler, Mögeldorf (8 Monate Gefängnis, bis 1937 KZ Dachau);  Johann Reibenwein, Gibitzenhof (8 Monate Gefängnis, bis 1936 KZ Dachau); Johann Sperber, Gibitzenhof (8 Monate Gefängnis, bis 1937 KZ Dachau); Paul Zöllner, Fürth (8 Monate Gefängnis); Georg Hübner, Loher Moos (freigesprochen, trotzdem bis 1936 im KZ Dachau).

16.März 1935 Der Nürnberger Polizeipräsident berichtet an die Gestapo: "Diese Verhaftungen hatten die restlose Zerschlagung der illegalen Neuorganisation der SPD in Bordbayern zur Folge". Im gleichen Schreiben stellt er jedoch fest, "dass neue Versuche illegaler Organisationstätigkeit der SPD seit Januar 1935 feststellbar sind."
10.09.35 Beginn des faschistischen "Reichsparteitages der Freiheit"
15.09.35 Verkündung der antisemitischen Rassegesetze (Nürnberger Gesetze) anlässlich des "Parteitages der Freiheit" in Nürnberg, Beginn der systematischen Judenverfolgung.
Die "Nürnberger Gesetze" umfassten das "Reichsbürgergesetz". Dieses Gesetz billigte die vollen Bürgerrechte nur noch Angehörigen "deutschen oder artverwandten Blutes" zu. Es schuf den Begriff des "Staatsangehörigen". Nur "arische" Deutsche wurden als "Reichsbürger" mit allen politischen Rechten definiert.
Hinzu kam das "Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre", das Eheschließungen und den außerehelichen sexuellen Kontakt zwischen Juden und Deutschen verbot. Außerdem untersagte es die Beschäftigung von "deutschen Frauen" unter 45 Jahren in jüdischen Haushalten.
Diese Gesetze waren eine folgenschwere Etappe auf dem Weg der systematischen Vernichtung der Juden.
17.07.36 Putsch der Franco-Faschisten gegen die spanische Republik
März 37 Verhaftungsaktion gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe um den Nürnberger Schriftsteller Ernst Niekisch.
6. - 13. September 37 NSDAP-"Parteitag der Arbeit" in Nürnberg
12.03.38 Anschluss Österreichs
10.08.38 Zerstörung der Synagoge am Hans-Sachs-Platz. Der Abriss wird mit einer antisemitischen Kundgebung eingeleitet, bei der Oberbürgermeister W. Liebel und Julius Streicher sprechen.
September 38 "Parteitag Großdeutschland" in Nürnberg
September 38 Münchner Konferenz: Das "Münchener Abkommen" wird beschlossen, Deutschland erhält das Sudetengebiet.
09./10.11.1938 Zentral gesteuertes Judenpogrom, Zerstörung der Synagoge in der Essenweinstraße unter Leitung des SA-Obergruppenführers v. Obernitz.
Die Geschäfte von jüdischen Eigentümern werden demoliert, jüdische Bürger verhaftet und in Konzentrationslager gesteckt.
Die bereits 1936 begonnene "Arisierung" jüdischen Vermögens erreicht einen neuen Höhepunkt, die Pogrome vom 9.11. bildeten den Auftakt für den beispiellosen systematisch organisierten Massenmord an über sechs Millionen Juden.
Die jüdische Bevölkerung Nürnbergs zahlte den höchsten Blutzoll der Pogromnacht: Oberbürgermeister Liebel teilte mit, dass 26 Juden die Ausschreitungen nicht überlebt hätten, neun waren ermordet worden, die anderen hatten sich das Leben genommen.

(Nach 1945 sind kaum Schuldige der Schandtaten zur Rechenschaft gezogen worden. Von den bundesweit über 30000 Verfahren betrafen nur 35 die Pogromnacht in Nürnberg, 122 Beschuldigte mussten sich verantworten, zwei Drittel der Verfahren endeten mit der Einstellung oder mit Freispruch. Nur 46 Freiheitsstrafen wurden verhängt, die höchste davon lautete auf drei Jahre)

1936/1938 Zwei große Prozesse fanden in den Jahren 1936 und 1938 gegen die Widerstandskämpfer der Gruppe "Albfreunde" und der Gruppe "Falkenhorst" statt, angeklagt waren Martin Albert, Georg Bach, Erich Strogies, Georg Beyer, Otto Kraus und die Brüder Lodes. Sie wurden zu langjährigen Gefängnisstrafen und KZ-Haft verurteilt.
14.03.39 Deutscher Einmarsch in die Tschechoslowakische Republik.
28.03.39 Ende des spanischen Bürgerkrieges mit dem Sieg der Franco-Faschisten.
23.08.39 Nichtangriffspakt Deutschland-Sowjetunion ("Hitler-Stalin-Pakt") mit Geheimprotokoll über die Aufteilung Osteuropas.
01.09.39 Beginn des zweiten Weltkrieges mit dem Überfall der Hitler-Wehrmacht auf Polen. Der für diesen Zeitpunkt in Nürnberg geplante "Reichsparteitag des Friedens" wird abgesagt.
03.09.39 Britisch-französische Kriegserklärung an Deutschland
08.11.39 Missglücktes Attentat auf Hitler im Bürgerbräukeller

1940

Der NSDAP-Gauleiter Julius Streicher wird seiner Parteiämter enthoben, darf aber auf Hitlers Veranlassung das antisemitische Hetzblatt "Der Stürmer" weiter herausgeben.
22.06.41 Deutscher Überfall auf die Sowjetunion
31.07.41 Göring beauftragt Heydrich mit der "Gesamtlösung der Judenfrage"
23.09.41 erste Versuchsvergasungen im KZ Auschwitz
27.11.41 Deportation von 512 Juden aus Nürnberg nach Riga, nur 16 überleben.
29.11.41 798 Juden werden aus Nürnberg deportiert.
11.12.41 Hitler erklärt den USA den Krieg
20.01.42 In der sog. "Wannseekonferenz" wird die "Endlösung der Judenfrage", d. h. die Ausrottung aller Juden im Machtbereich der Nazis, beschlossen.
März 42 Deportation von mehreren hundert Juden aus Nürnberg

Am 13. März wird der letzte gewählte Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg wegen "Rassenschande" zum Tode verurteilt. Leo Katzenberger war 1941 unter der Beschuldigung verhaftet worden, mit der 22jährigen Deutschen Irene Scheffler intime Beziehungen gepflegt zu haben, was von Anfang an von beiden bestritten wurde. Als der Ermittlungsrichter das Verfahren gegen beide einstellen wollte, zog der Vorsitzende des Sondergerichts, Dr. Oswald Rothaug, das Verfahren an sich. Er machte von Anfang an kein Hehl daraus, dass er Leo Katzenberger dem Henker überantworten wollte. Irene Scheffler wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. 
Der Staatssekretär im Reichsjustizministerium und spätere Präsident des "Volksgerichtshofes", Roland Freisler, lobte seinen Nürnberger Kollegen Rothaug für dieses "kühne" Urteil.

Oswald Rothaug wird im Prozess gegen NS-Juristen vom Internationalen Militärtribunal in Nürnberg 1947 wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt. 1953 wird die Strafe auf 20 Jahre ermäßigt, drei Jahre später wird er aus der Haft entlassen. Die beiden Beisitzer Dr. Ferber und Dr. Hoffmann müssen sich erst 1967 wegen Totschlags vor einem Nürnberger Schwurgericht verantworten. Die äußerst milden Urteile von zwei bzw. drei Jahren Haft werden vom Bundesgerichtshof 1970 aufgehoben, das erneute Verfahren zieht sich bis 1976 hin und wird dann eingestellt. Beide gehen somit straffrei aus.

25. April 42 23 Nürnberger Juden werden deportiert.
10.09.42 Deportation von ca. 500 Nürnberger Juden nach Theresienstadt und Auschwitz. Weitere Deportationen folgen.
23.09.42 Die Mitglieder der im August 1941 gegründeten "Reserve Polizei Kompanie Nürnberg" (ca. 120 Polizeibeamte aus Nürnberg und Umgebung) ermorden in der Ukraine in dem Dorf Kortelisy 2.875 Menschen, darunter 1.260 Kinder. Das Dorf wird geplündert und zerstört.
Der Ablauf der Vernichtung ist genau dokumentiert, der Auslöschung des Dorfes lag ein entsprechender Befehl zugrunde.
Bereits 1941 war diese Polizeieinheit bei der brutalen Räumung des Juden-Ghettos von Brest-Litowsk dabei.
31.01.43 Die 6. Armee kapituliert vor Stalingrad
18.02.43 Goebbels verkündet den "Totalen Krieg"
22.02.43 Hinrichtung der Geschwister Scholl ("Weiße Rose")
17. Juni 43 29 Nürnberger Juden werden deportiert.
17. Januar 1944 10 Nürnberger Juden werden in Konzentrationslager deportiert: es ist die letzte Deportation in Nürnberg.

Von den insgesamt im Zeitraum zwischen November 1941 und Januar 1944 aus Nürnberg deportierten  Juden überleben nur 72 den Holocaust.

21.10.44 Aachen wird als erste deutsche Großstadt von den Amerikanern befreit
02.01.45 Schwerster Luftangriff auf das Stadtgebiet Nürnberg. ca. 1830 Menschen werden getötet, 100000 obdachlos. Die Löscharbeiten dauern bis zum 10. Januar.
Sechzig Jahre später schreibt Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly: 
"Die Fliegerangriffe machten auch die Nürnberger zu Opfern. Vorausgegangen war indes der Rassenwahn und der menschenverachtende Terror der Nazis. Ohne den nationalsozialistischen Krieg und den Genozid hätte es die Bombennacht des 02. Januar 1945 nicht gegeben. Zum
Blick auf 1945 gehört auch jener auf das Jahr 1933, als Adolf Hitler in Deutschland von vielen umjubelt die Macht übertragen wurde, auf die NS-Barbarei, auf die systematische Verfolgung und Vernichtung der Juden."
19.04.45 Fürth wird von den amerikanischen Truppen befreit.
20.04.45 Nürnberg wird (am Geburtstag Hitlers) vom Faschismus befreit, auf dem Hauptmarkt wird um 18.30 Uhr die Siegesparade der amerikanischen Truppen abgehalten. Zur gleichen Zeit kämpft eine Nazitruppe um den Gauleiter Holz in den Ruinen des Polizeipräsidiums weiter. Der Kampf endet erst, als der Gauleiter gegen 23.00 Uhr fällt.
Für die Befreiung Nürnbergs setzten die Amerikaner drei Infanteriedivisionen, zwei Panzerdivisionen und ein Panzeraufklärungsregiment ein. Damit standen etwa 45000 amerikanische Soldaten den etwa 7000 Mann der Wehrmacht, des "Volkssturms" und einem SS-Regiment gegenüber.
08.05.45 Deutschland ist befreit, die Wehrmacht kapituliert am 07. Mai vor den Westalliierten und am 09. Mai vor der Roten Armee der Sowjetunion bedingungslos!

Anmerkung 2010:
Zahlreiche Menschen aus den Reihen der SPD und der KPD, aus Gewerkschaften und anderen Bereichen haben sich in den 12 Jahren Naziterror - auch und gerade in der "Stadt der Reichsparteitage" - gegen die Machthaber gestellt, haben mit ihrer Freiheit und sogar mit ihrem Leben einen hohen Preis für Freiheit und Demokratie, für Menschenrechte und im Kampf gegen den von den Nazis angezettelten Krieg gezahlt.
Gerade beim derzeit wieder aufkommenden Rechtsextremismus sollten wir uns an ihren aufrichtigen Widerstand erinnern!

weiter zu Teil 2: ab Mai 1945 bis 31.12.1999
weiter zu Teil 3: 2000 - 2002
weiter zu Teil 4: ab 2003  
weiter zu Teil 5: ab 2011

verantwortlich: © R. Löster, Nürnberg
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