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Antifaschistische
Chronik für Nürnberg
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| zurück zu Teil 1: 1930 - 8. Mai 1945 |
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| 20.11.45 | Eröffnung
des Internationalen
Militärtribunals gegen die Hauptkriegsverbrecher (Nürnberger
Prozesse). An 218 Verhandlungstagen rollte das Gericht das ganze
Drama der finstersten Epoche deutscher und europäischer
Geschichte auf. Die Überfälle auf Polen, Holland, Belgien,
Luxemburg, Dänemark, Norwegen, Jugoslawien, Griechenland und der
als besonders heimtückisch angeprangerte Angriff auf die
Sowjetunion kamen ebenso zur Sprache wie die Vernichtung von
Millionen Juden, Russen, Polen und Menschen anderer
Nationalitäten durch Foltern, Erschießen, Erschlagen,
Aushungern, in Gaskammern und bei der Zwangsarbeit. Die Alliierten hatten Berge von material zum Beweis vorgelegt, dass Adolf Hitler und seine Helfer weder ethische, rechtliche oder völkerrechtliche Grundsätze noch Verträge und Abkommen achteten, als sie ihre größenwahnsinnigen Pläne durchsetzen wollten. Am Ende des Prozesses umfasste das Protokoll vier Millionen Wörter in 22 Bänden mit 16000 Seiten. Das Gericht hörte 240 zeugen, nahm 300000 eidesstattliche Erklärungen entgegen und 5330 Dokumente zu den Akten. |
| 15.01.46 | Vertreter verschiedener Parteien und aus den Gewerkschaften bilden in Nürnberg ein antifaschistisches Aktionskomitee. |
| 10.03.46 | Veranstaltung für die Opfer des Faschismus im Opernhaus |
| 25.05.46 | Der Wodanplatz wird in "Platz der Opfer des Faschismus" umbenannt. |
| 26.05.46 | Die ersten Stadtratswahlen in Nürnberg finden statt. Die SPD erhält über 45 % der Stimmen, die KPD fast 10 %. |
| 17.10.46 | Der Nürnberger Prozess endet mit der Hinrichtung der zum Tode verurteilten Kriegsverbrecher. Es gibt noch eine Reihe von Nachfolgeprozessen gegen Industrielle, Militärs, Ärzte, Juristen, Angehörige des Auswärtigen Amtes und andere. Die Verfahren finden in Nürnberg vor amerikanischen Militärgerichten, in Rastatt vor französischen und in Lüneburg vor britischen Gerichten statt. Das letzte Urteil ergeht in Nürnberg im April 1949 im so genannten Wilhelmstraßen-Prozess, in dem vor allem Mitglieder der Reichsregierung angeklagt waren. |
| 26.03.47 | Bombenattentat auf die Betreuungsstelle der Opfer des Faschismus (Äußere Bayreuther Str. 25); mit Demonstrationen und Streiks wird daraufhin ein härteres Vorgehen gegen Nazis gefordert. |
| 02.10.49 | Gründung der rechtsradikalen "Sozialistischen Reichspartei" |
| 23.10.52 | Verbot der rechtsradikalen "Sozialistischen Reichspartei" |
| 13.03.66 | Die NPD erhält bei den Kommunalwahlen in Nürnberg 3 Stadtratsmandate. |
| 24.09.66 | Kundgebung der NPD auf dem Hauptmarkt. |
| 10.05.67 | 6.000 Menschen demonstrieren gegen eine NPD-Veranstaltung in der Messehalle. |
| 10.05.69 | Gedenkfeier der VVN an den Massengräbern der sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Südfriedhof. |
| 26.09.69 | 15.000 Demonstranten verhindern eine NPD-Kundgebung auf dem Egidienberg. |
| 17.06.70 | Bei einer NPD-Kundgebung auf dem Hauptmarkt werden Gegendemonstranten von NPD-Ordnern zusammengeschlagen. |
| 1973/74 | Karl-Heinz Hoffmann gründet eine rechtsradikale Wehrsportgruppe., erst 1980 wird diese verboten. |
| 26.09.80 | Faschistischer Bombenanschlag auf das Oktoberfest in München, 13 Menschen sterben |
| 19.12.80 | Der jüdische Verleger Shlomo Levin und seine Partnerin werden in Erlangen von Mitgliedern der Wehrsportgruppe Hoffmann erschossen. |
| 24.06.82 | Der Neonazi Helmut Oxner erschießt in der Königstraße drei Menschen und verletzt drei weitere. |
| 23.11.86 | Protestaktion gegen eine Veranstaltung der FAP im Fleischerhaus (Bauerngasse). |
| 28.03.87 | Demonstration gegen den Parteitag der "Republikaner" in Nürnberg |
| 01.02.89 | Proteste gegen eine Veranstaltung der "Republikaner" im Stadtparkrestaurant. |
| 20.12.91 | Die Stadt Nürnberg, die Kirchen, Kammern und Gewerkschaften haben eine Erklärung gegen Fremdenfeindlichkeit herausgegeben. |
| 15.02.92 | In der Nähe der Unterkunft für Asylbewerber in Schafhof explodiert ein Sprengkörper. |
| 22./23.08.92 | In
Rostock/Lichtenhagen wird eine Asylbewerberunterkunft unter dem
Beifall von 1000 Schaulustigen in Brand gesteckt. Wenige Tage später
findet wegen dieser Übergriffe eine Mahnwache vor der
Lorenzkirche in Nürnberg statt.
In Nürnberg gießt ein 53-jähriger Buchhalter aus Ausländerhass Benzin in das Treppenhaus eines Nürnberger Asylbewerberheims. Verletzt wird bei diesem Brand niemand. |
| 03.10.92 | 20.000 Menschen demonstrieren auf dem Hauptmarkt gegen Fremdenhass und Rassismus. |
| 23.11.92 | Brandanschlag in Mölln auf ein Wohnhaus, das von türkischen Familien bewohnt wird. 3 Kinder werden getötet, mehrere Menschen verletzt. |
| 25.11.92 | 4.000 Menschen nehmen an einer Kundgebung vor der Lorenzkirche gegen Ausländerhass teil. Die Mitarbeiter/innen von Grundig legen für eine halbe Stunde die Arbeit nieder, um gegen die Anschläge zu protestieren. |
| 05.12.92 | Bayerische
Kommunalpolitiker/innen gründen in Nürnberg ein Bündnis
gegen Rechtsextremismus.
In Nürnberg/Ziegelstein findet ein Schweigemarsch gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus statt. |
| 17.12.92 | 100.000 Menschen bilden um die Altstadt eine Lichterkette als Protest gegen die Anschläge auf Ausländer in Deutschland. |
| 29.05.93 | In Solingen sterben fünf Menschen bei einem Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus. 600 Menschen demonstrieren vor der Lorenzkirche gegen diesen Anschlag. |
| 03.06.93 | 2.000 Menschen demonstrieren vor der Lorenzkirche gegen Naziterror und Ausländerfeindlichkeit. |
| 14.11.93 | Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag entrollen NPDler ein Transparent "Wir trauern um ... die gefallenen Helden von Wehrmacht und Waffen-SS". Die Gedenkfeier wird von OB Schönlein nicht unterbrochen. |
| März 94 | Der Landtagsabgeordnete der Grünen Hans Günther Schramm wird von einem 15jährigen bedroht, als er Nazi-Aufkleber entfernt. |
| 30.04.94 | Jüdische Mitbürger in Nürnberg
erhalten im April amtlich aussehende Briefe, in denen auf ihre
bevorstehende Deportation hingewiesen
wird. Ähnliche Schreiben
gehen an Asylbewerber.
Eine Wahlkundgebung der "Republikaner" vor der Lorenzkirche wird von 2.000 Antifaschisten de facto verhindert. |
| 20.05.94 | Desgleichen geschieht mit einer Kundgebung des österreichischen Rechtsradikalen Haider auf dem Jakobsplatz. |
| 20.08.94 | Demonstration gegen ein Nazi-Schulungszentrum in der Pirckheimer Straße. |
| 10./24. März 96 | Die SPD verliert die Kommunalwahl in Nürnberg. Ohne eigene Mehrheit übernimmt die CSU die kommunale Verantwortung, es gibt bereits erste Befürchtungen, dass die rechtsextremen REPs als Mehrheitsbeschaffer dienen könnten. |
| Sommer 1996 | Durch
aufmerksame Mitarbeiter eines Fotolabors wird eine Nazi-Feier bei
der Nürnberger Bereitschaftspolizei bekannt. Das ganze wird von
den zuständigen Stellen vertuscht und als "Spaß"
hingestellt.
Nachdem eine Gruppe von Rechtsradikalen um den Vorsitzenden des "Freiheitlichen Volks Block" Thomas Scharf bereits 1995 anlässlich der Ziegelsteiner Kirchweih türkische Jugendliche angegriffen hat, eskalieren die Ereignisse dieses Jahr. Zur Eröffnung der Kirchweih werden mehrere Skins verhaftet. Organisiert haben sich diese Nazis im Brauchtumsverein, gedeckt durch den CSU-Bezirksrat Vogel (Vorsitzender des Brauchtumsvereins), der die neonazistische Weltanschauung dieser Gruppe als "Privatsache" verharmlost. |
| 21.09.96 | In
Ziegelstein findet eine antifaschistische Demonstration statt, die
sich gegen den Naziterror des FVB richtet, unter dem dieser
Stadtteil schon länger zu leiden hat.
Der "Freiheitliche Volks Block" verteilt in der Folge Flugblätter an die Haushalte, in denen politischen Gegnern massiv gedroht wird (wörtliches Zitat: "Dann nimm Dich in acht vor uns!"), verantwortlich auch hier wieder Thomas Scharf. |
| 02.11.96 | Der Auftritt
der NPD vor der Noris-Halle gegen die Ausstellung über die
Verbrechen der Wehrmacht wird von einer antifaschistischen
Gegenkundgebung nahezu unmöglich gemacht. Im Anschluss
kommt es
zu Polizeiübergriffen gegen Antifaschisten.
In Nürnberg findet im Herbst ein Kongress der "Ärzte gegen den Atomkrieg" statt, der sich mit den Verbrechen der Nazi-Ärzte im "Dritten Reich" befasst. Erst unter großem Druck beendet die Nürnberger CSU ihre Stimmungsmache gegen diesen Kongress und OB Scholz lässt sich doch noch herab, bei der Eröffnung anwesend zu sein. |
| Nov 96 | Die CSU
beschließt den Nürnberger Haushalt mit den Stimmen der
"Republikaner". Der CSU-Fraktionsvorsitzende rechnet
diese rechtsextreme Partei in seinem Schlusswort
zur "bürgerlichen
Mitte".
Gleichzeitig hetzt ein CSU-Nachwuchsstar in der Nürnberger CSU-Zeitung gegen Grüne, Jusos, SPD und Ausländerbeirat und bezeichnet diese als "staatsfeindlich", weil sie sich kritisch mit den Todesschüssen einer jungen Polizistin auf einen Griechen vor dem KOMM auseinandergesetzt haben. |
| Nov 96 | Die VVN-BdA Nürnberg verhindert erfolgreich, dass die NPD über einen Nürnberger Provider unter der Adresse "npd.de" im Internet erreichbar ist, die NPD muss zu einem amerikanischen Provider ausweichen. |
| März 97 | Eine
Kundgebung von ca. 5.000 Faschisten am 1. März gegen die
Wehrmachtsausstellung in München wird von mehr als 10.000
Gegendemonstranten verhindert. Im Vorfeld dieses Nazi-Aufmarsches
bildete sich eine Koalition von NPD bis hin zu CSU-Gauweiler und
CDU-Dregger gegen die Wehrmachtsausstellung. Der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans Jochen Vogel schreibt in einem "Offenen Brief" u. a.: "Wer sich so äußert, wer sich so verhält, wie das der augenblickliche Vorsitzende der Münchner CSU getan hat, der sollte seine politische Heimat bei der NPD suchen. An der Spitze einer demokratischen Partei hat er nichts mehr verloren..." Der Vorstadtverein und Teile der CSU,
darunter auch Stadträte, wollen den "Platz der Opfer des
Faschismus" wieder in "Wodanplatz" umbenennen.
SPD-Stadtratsfraktion und PDS wehren sich dagegen, die Nürnberger
Medien berichten ungewohnt kritisch über diesen CSU-Vorstoß.
Oberbürgermeister Scholz (CSU) erklärt schließlich, dass
für
ihn eine Umbenennung nicht in Frage komme. Der faschistische "Freiheitliche
Volksblock" des Thomas Scharf dehnt seine Aktivitäten von
Ziegelstein in die Nordstadt aus. Das Auftauchen von ausländerfeindlichen
Flugblättern (vor Schulen) und Aufklebern sorgt für Aufregung,
eine Stadträtin der Grünen will Anzeige wegen Volksverhetzung
erstatten. (Pressemeldungen der 13. KW) |
| April 97 | Die CSU arbeitet im Rathaus immer enger mit den von ihr zur "bürgerlichen Mitte" gezählten rechtsextremen REPs zusammen: "Der schwarz-braune Pakt im Rathaus ... hat sich offen etabliert" schreibt eine Tageszeitung und fährt fort: "Wachen die Demokraten im Rathaus nicht auf, dann steht zu befürchten, dass Schwarz-Braun gar zum Markenzeichen Nürnberger Stadtpolitik wird." |
| Mai 97 | Der Versuch der Nazis, einen bundesweiten Aufmarsch am 1. Mai in Leipzig zu organisieren, schlägt fehl. Die Kundgebung wird ebenso wie alle möglichen Ersatzveranstaltungen verboten, die Polizei geht bundesweit konsequent gegen jeden Ansatz einer rechtsradikalen Versammlung vor. |
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Juni 97 |
Am ersten Juni-Wochenende wird eine Nazi-Versammlung mit ca. 50 Teilnehmern im Treffpunkt des "Freiheitlichen Volksblock" ("Bamberger Hofbräu") nach Beschwerden aus der Nachbarschaft von der Polizei aufgelöst. |
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Juli 97 |
Die Stadt Nürnberg vergibt Ehrenbürgerwürden. U. a. an Karl Diehl. Die Vergangenheit dieses (Rüstungs-)Fabrikanten, der Häftlinge eines Außenlagers des KZ Flossenbürg für sich arbeiten ließ, wurde dabei von den Verantwortlichen unberücksichtigt gelassen. Unterstützt wurde die von der CSU vorgeschlagene Ernennung Diehls zum Ehrenbürger auch von der IG Metall und den Betriebsräten der Diehl GmbH. |
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August 97 |
Oberbürgermeister
Ludwig Scholz hat seinen Pressesprecher entlassen müssen. Der
Grund: Ein "Wolgadeutscher" namens Adolf Bersch hat ein
Buch veröffentlicht. Unter dem Titel "Zwischen Leiden und
Hoffen - das Schicksal eines Wolgadeutschen" schreibt dieser
u. a., dass Hitlers "Mein Kampf" "...viel
wertvolles" enthalte. Wörtlich: "Das war nicht nur
damals, das ist auch heute noch aktuell". Als sei dies nicht schon Skandal genug, hat an diesem Buch der Pressesprecher der Stadt Nürnberg Wolfgang Hübner (CSU) mitgewirkt. Die Aufmärsche der alten und neuen
Nazis anlässlich des 10. Todestages von R. Hess wurden bundesweit
von der Polizei unterbunden. Es gab über 400 Festnahmen. In Nürnberg
mit dabei: Thomas Scharf vom "Freiheitlichen Volks
Block". |
| September/Oktober 97 | Alte und
neue Nazis versuchen immer intensiver, Mittelfranken zu ihrem
Aufmarschgebiet zu machen. So schreiben am 1. Oktober die
"Nürnberger Nachrichten": "Neonazis in Herzogenaurach schlagen, scheinbar grundlos, ihnen missliebige Bürger zusammen. Skinheads prügeln in Neunkirchen am Brand (Landkreis Forchheim) wiederholt auf friedfertige Punks ein, weil sie ihnen als Ungeziefer ("Zecken") gelten. Einwohner von Adelsdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) skandieren bei einer Lichterdemonstration gegen einen "verehrten" Altnazi "Juden raus!" und "Euch hat man vergessen zu vergasen!". Die rechte Szene macht mobil, unbescholtene Bürger entpuppen sich als reaktionärer Mob..." ... und in Hamburg scheitert die rechtsradikale DVU bei den Wahlen zum Senat nur knapp an der 5%-Hürde, zieht aber in verschiedene Bezirksvertretungen ein. Insgesamt erhalten alle rechten Organisationen ca. 10 Prozent der Stimmen! Und sie werden aufgrund dieses Wahlergebnisses Millionen an Wahlkampfkostenerstattung kassieren... |
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Oktober 97 |
Am 11./12. Oktober versuchen verschiedene rechte Gruppen in Thüringen Anti-Antifa-Demos zu organisieren. Die Aktionen werden verboten, ein großes Polizeiaufgebot geht aber auch massiv gegen Teilnehmer der teilweise ebenfalls verbotenen antifaschistischen Demonstrationen, die u. a. vom DGB angemeldet waren, vor. |
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November 97 |
Nach einem
Fernsehbericht, in dem ehemalige ZwangsarbeiterInnen der Firma
Diehl zu Wort kamen, ist die Diskussion um die Ehrenbürgerschaft
des K. Diehl neu entflammt. Die Stimmen, die eine Aberkennung der
Ehrenbürgerschaft verlangen, werden immer mehr. Die Familie und
Firma Diehl - unterstützt von der CSU-Fraktion im Rathaus - sieht
bis jetzt dagegen keinen Grund, sich mit ihrer Vergangenheit
auseinanderzusetzen.
Die ehemaligen Zwangsarbeiterinnen berichten übereinstimmend von Misshandlungen durch die Meister. Einmal pro Woche wurde - ebenfalls durch die Meister der Firma Diehl - selektiert: wer die Stückzahl nicht schaffte kam nach Auschwitz. |
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Dezember 97 |
Die Diskussion
um die Ehrenbürgerschaft Karl Diehls geht weiter. Oberbürgermeister
Scholz "hat mit seiner Erklärung (...) erneut jede
Sensibilität für Nürnbergs Vergangenheit vermissen lassen...
Der Oberbürgermeister vergisst schlichtweg,
dass Nürnberg ...
nicht nur an seinen glanzvollen Leistungen der Wiederaufbauzeit,
sondern gerade auch an seiner Rolle im Dritten Reich gemessen
wird." schreibt die NN am 11. Dezember. Ergebnis der
Stadtratssitzung am 10.12.: Diehl behält seine Ehrenbürgerwürde,
nur Bündnis 90/Die Grünen, die SPD und der Stadtrat der
"Guten" stimmten für eine Aberkennung.
Inzwischen traf Sohn Werner Diehl in Israel mit überlebenden Zwangsarbeiterinnen zusammen und hat die Zahlung von "freiwilliger Hilfe ohne Rechtsanspruch" angeboten. Die Behauptung Diehls, dass der Einsatz von Zwangsarbeitern vom Nazi-Regime verlangt worden sei, wird inzwischen immer unglaubwürdiger. Der Bochumer Historiker Grieger, der zu diesem Thema geforscht hat: Es gebe keinen Hinweis, dass ein Unternehmer verfolgt, ins KZ geworfen oder erschossen worden wäre, weil er keine Zwangsarbeiter anforderte. Diehl hat seinerseits den Berliner Historiker Wolfgang Benz mit der Untersuchung der Rolle der Firma Diehl im Dritten Reich beauftragt. Daniel Jacoby, der Ehrenpräsident der Internationalen Vereinigung der Ligen für Menschenrechte, und Dani Karavan, der die "Straße der Menschenrechte" geschaffen hat, wollen als Konsequenz ihre weitere Teilnahme in der Jury des Nürnberger Menschenrechtspreises überdenken. |
| 06.12.97 | Der
Kreisverband Nürnberg der VVN-BdA übergibt in Happurg die seit
Sommer gesammelten Unterschriften für die Anbringung einer
Gedenktafel an der Houbirg an die bayerische
SPD-Landtagsabgeordnete Anne Voget. Als weitere Erstunterzeichner
des Aufrufes waren Horst Schmidbauer MdB (SPD) und die Nürnberger
SPD-Stadträtin Erika Faul anwesend. In den dortigen Bergwerksstollen wurden während des Nazifaschismus mehr als 3.000 KZ-Häftlinge durch Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten und Folter getötet. |
| 04.01.98 | Ca. 50 Anhänger des "Freiheitlichen Volks Block" demonstrierten in Nürnberg unter dem Motto: "Vorsicht - Linksextremisten in Nürnberg - Gegen linke Gewalt". Es gab am Rande der Kundgebung dieser Neonazi-Organisation eine Festnahme. |
| 13.01.98 | Die NN
meldet heute: "Dreister Raubüberfall mit ausländerfeindlichem
Hintergrund: Zwei Männer aus Sri Lanka sind in der Straßenbahnlinie
6 angepöbelt, geschlagen und ausgeraubt worden... Die Täter, drei Männer und zwei Frauen, konnten flüchten... Nachdem sie ständig ausländerfeindliche Parolen gegrölt hatten, ... schlugen die Täter auf sie ein, nahmen ihnen den Schmuck ab und machten sich davon. Die Polizei ermittelt wegen Raub, Beleidigung und Volksverhetzung." |
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27.01.98 |
In Schwabach wird ein Schulrektor und CSU-Mitglied von Neonazis bedroht, weil er nicht geschwiegen hat zur rassistischen Propaganda, die an seiner Schule von Skins und anderen rechten Schülern betrieben wird. In einem Rundschreiben an die Eltern der Schüler hatte er deutlich gemacht, dass er "Kahlköpfe" nicht mehr dulden werde und dass er nicht zu den Schulleitern gehöre, die solche Bewegungen ignorieren. Gegen die rassistische Hetze setzte er positive Aussagen über Ausländer. Das Innenministerium meint dazu, der Schulleiter hätte sich in seinen Äußerungen "in der einen oder anderen Formulierung zurückhalten können". |
| März 98 | Und wieder schwarz-braune Verbindungen: Der Geschäftsführer der Nürnberger CSU-Stadtratsfraktion Michael Kaiser trat im Februar 98 als Referent bei der rechtsextremen "Freien Deutschen Sommerakademie" auf. Er referierte dort über seine Erfahrungen als Sanitätsoffizier bei Einsätzen in Kambodscha und Ruanda. |
| 1. April 98 | Vor einer Erlanger Diskothek greifen 15 Skinheads andere Gäste an. |
| 18. April 98 | In Schwabach wird ein Türke von Skinheads zusammengeschlagen. |
| 26. April 98 | In Nürnberg wird eine Frau, die mit einem Farbigen spazierenging, von Skins beleidigt und angegriffen. |
| 23. Mai 98 | Von der Polizei gefasst wurden zwei 20 und 23 Jahre alten 'Glatzen', die in der Pillenreuther Straße/Nürnberg nachts einen Schwarzen niederschlugen und noch nach ihm traten, als er bereits am Boden lag. |
| Juni 98 | Sehr spät, aber doch noch hat der kürzlich zum Nürnberger Ehrenbürger ernannte Karl Diehl ein Einsehen mit den ehemaligen Zwangsarbeiterinnen: er hat einen Fond eingerichtet, aus dem die 250 noch lebenden Frauen pro Häftlingsmonat DM 1.000 bekommen. |
| 28. Juni 98 | Die Auseinandersetzung um Diehls Ehrenbürgerschaft ist noch nicht beendet: inzwischen wurde bekannt, dass im Nürnberger Stadtarchiv amerikanische Dokumente aufgetaucht sind, aus denen hervorgeht, dass Diehl noch mindestens bis 1949 die rechtsradikale Partei "Der Deutsche Block" finanziert hat. Außerdem gebe es Hinweise, dass Diehl nach dem Krieg wiederholt "alte Kameraden" unterstützt haben soll. |
| 29. Juni 98 | Eine
Politiker-Delegation aus der französischen Partnerregion Limousin,
die sich anlässlich der Europapreis-Verleihung für den Bezirk
Mittelfranken in Nürnberg aufhielt, wurde am Freitag, 26. Juni in
Nürnberg von Skinheads angegriffen. Die Delegation, die sich in Begleitung mittelfränkischer Bezirksräte befand, wurde mit Flaschen und Dosen beworfen und konnte sich weiteren direkten Angriffen nur durch Flucht entziehen. |
| 4. Juli 98 | In Nürnberg
soll eine - seit langem hier lebende und integrierte -
vietnamesische Familie abgeschoben werden. Zahlreiche Einzelpersönlichkeiten
und Verbände setzen sich für diese Familie ein. Vom Nürnberger
Oberbürgermeister Scholz stammt in diesem Zusammenhang die Äußerung,
man könne das Gesetz nicht für diese Familie
uminterpretieren: "Morgen kommen dann Klabuffke und Kaputzke
oder weiß der Teufel wer". Den einzigen Ausweg für die verzweifelte
Familie sieht er lt. NN vom 4. Juli darin, dass
diese
Familie freiwillig nach Vietnam ausreist. Von der
SPD-Stadtratsfraktion wurden die Äußerungen des OB als
"Stammtischparolen" kritisiert.
Nach Herzogenaurach und Schwabach entwickelt sich im Raum Nürnberg/Fürth/Erlangen nun auch Eckental zu einem Treffpunkt rechtsradikaler Skins. Die "Neuen Eckentaler", wie sich die aus ca. 35 Personen bestehende Gruppe selbst nennt, trifft sich allabendlich auf dem Parkplatz eines Supermarktes. Auch gewalttätige Übergriffe gab es schon: so wurde u. a. ein 16-jähriger auf der Eckenhaider Kirchweih von diesen Skins krankenhausreif geschlagen. |
| 6. September 98 | Etwa 700 Menschen haben gestern in Nürnberg eine Wahlkundgebung von etwa 20 NPD-Anhängern erfolgreich verhindert. |
| 24. November 98 | Gegen eine Gruppe von Skins hat die Nürnberger Polizei Ermittlungen eingeleitet. Nachdem die Neonazis zuerst in einem Lokal im Stadtteil Lichtenhof rechtsradikale Lieder gesungen und "Sieg-Heil" gerufen hatten, wurden sie aus dem Lokal verwiesen. Kurz danach wurde die Gruppe in der Innenstadt festgenommen. Ermittelt wird u. a. wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. |
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30. Januar 99 |
Heute hat die CSU auch
in Nürnberg ihre bundesweite Unterschriftensammlung gegen die
Reform des Staatsangehörigkeitsrechts gestartet. Mit
dabei am Infostand: stadtbekannte NPD-Funktionäre! |
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4. Februar 99 |
Zu 9 Monaten Gefängnis (mit Bewährung) wegen Volksverhetzung wurde in Nürnberg ein 24-jähriger verurteilt. Außerdem muss er DM 8.000,-- an Amnesty International zahlen. Grund der Verurteilung: in einer als Treffpunkt der rechtsradikalen Szene bekannten Gaststätte fand ein "Liederabend" statt, dort trat der Angeklagte mit volksverhetzenden Liedern auf. |
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8. Februar 99 |
In verschiedenen Nürnberger Schulen und am Bildungszentrum sind in den letzten Tagen Flugblätter mit ausländerfeindlichem Inhalt aufgetaucht. |
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27. Februar 99 |
Gestern haben zwei Skinheads am Weißen Turm in Nürnberg einen ausländischen Mitbürger zusammengeschlagen. Durch das schnelle Eingreifen zweier Kaufhausdetektive konnten sie der Polizei übergeben und damit Schlimmeres verhindert werden. |
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5. Juni 99 |
Nur gegen massiven Widerstand und mit Hilfe eines großen Polizeiaufgebots konnte die NPD in Nürnberg mit etwa 60 - 80 Teilnehmern eine Kundgebung zur Europawahl durchführen. |
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Juni 99 |
Die Finanzierung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände ist gesichert - allerdings wird sich lt. einer dpa-Meldung die Fertigstellung verzögern. |
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August 99 |
Und wieder "Ehrenbürger
Diehl": Inzwischen liegt das Gutachten über Diehls Aktivitäten
während der Nazizeit vor - es wurde von seiner Familie selbst in
Auftrag gegeben. Veröffentlicht wurde allerdings nur eine
Zusammenfassung, nicht das gesamte Gutachten. |
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18.09.99 |
Kurz vor der Verleihung des Internationalen Menschenrechtspreises der Stadt Nürnberg haben zwei Mitglieder der Jury eine Erklärung zur Ehrenbürgerschaft Karl Diehls veröffentlicht. Ihren Verbleib in der Jury machten sie davon abhängig, dass die Stadt Nürnberg diese Erklärung veröffentlicht. |
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11.10.99 |
Die von der VVN-BdA lange
geforderte Umgestaltung des Platzes der Opfer des Faschismus
bekommt ein Gesicht. Der Baureferent der Stadt Nürnberg, Dr.
Walter Anderle schlägt einen Platz mit zentralem Gedenkstein und
pflanzlicher Umrahmung vor. |
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17.11.99 |
In der Stadt Nürnberg - die
sich selbst immerhin als "Stadt der Menschenrechte"
sieht - wurde eine Iranerin gegen ihre religiöse Überzeugung
gezwungen, ein Kopftuch zu tragen, um das für ihre Abschiebung
vom Iran geforderte Passbild zu erstellen. |
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12.12.99 |
Die Diskussion um die
Entschädigung der während der Nazidiktatur in Deutschland beschäftigten
Zwangsarbeiter geht auch nicht spurlos an der Stadt Nürnberg
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verantwortlich: © Rüdiger
Löster, Lauf
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