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Antifaschistische
Chronik für Nürnberg
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zu Teil 1: 1930 - 8. Mai 1945 |
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März 2000 |
Die Diskussion um die Ehrenbürgerschaft
Karl Diehls geht weiter: |
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17. April 2000 |
Am 15.04. demonstrierten
mehrere Jugendorganisationen in Nürnberg gegen die Politik
Haiders, gegen Rechtspopulismus auch in der deutschen Politik wie
z. B. die Kampagne "Inder statt Kinder" der NRW-CDU. |
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29. April 2000 |
Eine für den 1. Mai in Nürnbergs Nachbarstadt Fürth angemeldete Demonstration der NPD am 1. Mai wird vom Gericht genehmigt. |
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1. Mai 2000 |
Nur mit großem Polizeieinsatz konnte die von den Gerichten genehmigte Mai-Veranstaltung einiger hundert NPDler in Fürth stattfinden. Der massive Protest zahlreicher Antifaschisten verhinderte, dass irgend jemand die Nazi-Propaganda auf dem weiträumig abgesperrten Bahnhofsplatz zu hören bekam. |
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Mai 2000 |
In Nürnberg wurde endlich - über 50 Jahre nach Ende der Gewaltherrschaft der Faschisten - ein Denkmal für die Opfer unter den Roma und Sinti eingeweiht. Und ein Erfolg für die Stadt Nürnberg ist zu melden: seit Jahren war er bereits wegen seiner rechten Äußerungen - so leugnete er die Vernichtung der Juden in Gaskammern während der Nazi-Herrschaft - vom Unterricht suspendiert, nun ist auch endlich ein Gerichtsurteil gefällt worden - der Lehrer Witzsch darf nicht mehr unterrichten! |
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30. Juni 2000 |
Für große Empörung in der Stadt sorgte das Verhalten eines Stadtrates der "Republikaner": nachdem ein Copy-Shop sich weigerte, weiter Aufträge von dieser rechten Partei anzunehmen, verglich der Vertreter dieser Partei das Verhalten des Copy-Shops gegenüber seiner Partei mit der Judenverfolgung zur Nazizeit. Da hat dieser Stadtrat wohl etwas nicht richtig verstanden: immerhin ist es seine Partei, die gegen Minderheiten, Ausländer und auch Juden hetzt, die sich in die schlechteste deutsche Tradition stellt! Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, SPD-Stadtrat Arno Hamburger, hat sich dafür bedankt, dass dieser Copy-Shop die Parolen der REP nicht weiter verbreiten hilft. |
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25. Juli 2000 |
Und wieder die Kirchweih
in Ziegelstein: ca. zwölf Skinheads haben bei dieser Kirchweih
junge Ausländer und Deutsche angegriffen und wollten
handgreiflich klar machen, dass dies "ihre Kärwa" sei.
Ein 41-jähriger, der zu schlichten versuchte, wurde von den
Glatzen verletzt, der Täter konnte festgenommen werden und sitzt
in U-Haft. |
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06. August 2000 |
Die
rechtsextreme "Deutschland-Bewegung" macht in Nürnberg
mobil gegen Ausländer. So wurden in Schweinau im Umkreis des
Recyclinghofes Flugblätter gegen die "systematische Überfremdung,
durch die Rot-Grün gezielt die Identität Deutschlands auszulöschen"
versuche, verteilt. In den letzten Wochen kam es in dieser Gegend wiederholt zu Konflikten, weil Autofahrer, die Abfälle zum Recyclinghof bringen wollten, von so genannten "Müllgogerern" angehalten wurden, die die Kofferräume der Autos dann nach brauchbarem Abfall (Kühlschränke, Elektrogeräte usw.) durchsuchten. Diese Müllgogerer stammen zum größten Teil aus den östlichen Nachbarländern. |
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12. August 2000 |
Die "Nürnberger Nachrichten" starten heute die Aktion „Bürger im Bündnis gegen Aggression, Hass und Gewalt“ und rufen alle Leserinnen und Leser zur Beteiligung auf. Ziel der Aktion ist es, ein Zeichen gegen die bedrohlich zunehmenden Gewalttaten und menschenverachtenden Parolen von Rechtsextremisten zu setzen. Mit ihrer Teilnahme können alle Bürgerinnen und Bürger der Region deutlich machen, dass sie Aggression, Hass und Gewalt hier zu Lande nicht verharmlosen und dulden wollen. |
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29. August 2000 |
Die
"Nürnberger Nachrichten" berichten, dass sich Nürnberg
zu einem Zentrum der "akademischen" Rechten entwickelt.
Nicht nur, dass der "Nationaldemokratische
Hochschulbund" der NPD hier seinen (Postfach-)Sitz hat, hier
treffen sich auch andere ideologische Stichwortgeber regelmäßig
im Rahmen der "Staatsbürgerlichen Runde". Die NN schreibt weiter: "Rund 100 Teilnehmer, so berichtet es zumindest die Deutsche Stimme, Monatsschrift der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), hören sich an, wie Horst Mahler, Jürgen Schwab und Hans-Dietrich Sander die Rückkehr zum Führerprinzip und die Abschaffung der Demokratie in Deutschland erreichen wollen. (...) drei Referenten sind keine Unbekannten: Jürgen Schwab ist Redakteur bei der Deutschen Stimme und wird vom bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz als Rechtsextremist bezeichnet. Hans-Dietrich Sander gibt in München die rechtsextremen Staatsbriefe heraus, in denen schon mal zu „bewaffneten Gauaufständen“ gegen das herrschende System aufgerufen wird. Und Horst Mahler gilt seit seinem wundersamen Wandel vom Rechtsanwalt der linksradikalen Rote Armee Fraktion zum rechtskonservativen Hardliner als Galionsfigur der rechten Szene." Das letzte Treffen fand unbehelligt am 28. April 2000 statt. Ende September lädt die „Staatsbürgerliche Runde“ erneut nach Nürnberg ein, diesmal zum Thema „Repressionsstaat BRD“. Dazu wieder die NN: "Der Probelauf ist für Anfang September vorgesehen, wenn die NPD zur „kunstgeschichtlichen Stadtführung“ nach Nürnberg einlädt. Es darf gemutmaßt werden, welche historischen Stätten sich die rechten Akademiker in der „Stadt der Reichsparteitage“ anschauen werden." An der Aktion der Nürnberger Nachrichten "Bürger gegen Aggression, Hass und Gewalt" haben sich bis heute über 20.000 Menschen durch ihre Unterschrift beteiligt. |
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12. September 2000 |
CSU-Innenminster
Beckstein will zwar die NPD verbieten, sein eigener Bezirksverband
hat aber ein Papier vorgestellt, in dem die rechtsradikalen
Parteien für die CSU "keine ernste Bedrohung für Demokratie
und Gesellschaft" darstellen. |
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29. September 2000 |
Die Stadt Nürnberg ist mit
Beschluss des Stadtrates von dieser Woche der parteiübergreifenden
"Bürgerbewegung für Menschenwürde" beigetreten und
damit dem "Ansbacher Aufruf gegen Fremdenfeindlichkeit"
gefolgt. Auch die CSU-Fraktion im Rathaus stimmte zu und stellte
sich damit offen gegen ihren Bezirksvorsitzenden Spranger, der in
einem Gegenpapier behauptete, dass rechtsradikale Parteien in
Deutschland "keine Bedrohung für Demokratie und
Gesellschaft" darstellten und sich gegen eine Beteiligung an
diesem Bündnis aussprach. |
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25. Oktober 2000 |
Nürnberg überklebt NPD-Plakate: Wegen "Verstoßes gegen die guten Sitten" hat die Stadt Nürnberg rund 400 Protest-Plakate der NPD gegen das geplante Verbot der rechtsextremen Partei überkleben lassen. Das Plakatmotiv, das den NPD-Vorsitzenden Udo Voigt mit verbundenem Mund zeigt, hatte zu zahlreichen Protesten geführt. Nach einer Intervention der Stadt hat die für die Plakatierung zuständige Stadtreklame am Mittwoch das Überkleben der NPD-Plakate angeordnet, berichtete Stadtreklame-Geschäftsführer und SPD-Stadtrat Jürgen Fischer. |
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Dezember 2000 |
Menschen mit rechter Gesinnung berufen sich ja meist auf deutsche Traditionen. Dass sie davon absolut keine Ahnung haben, beweist folgender Vorfall: ein neueröffnetes Lokal in Nürnbergs Altstadt hatte einen Braustern am Lokal angebracht. Dieser Stern (Zaiger oder Zeugl genannt), der wie der Davidsstern aussieht, zeigt an, dass es zapffrischen Gerstensaft gibt. Die Folge waren ständige nächtliche Drohanrufe mit antisemitischen Hetzparolen, die jetzt dazu führten, dass die Eigentümer des Lokals den Stern wieder entfernten. Dieser Vorfall zeigt aber auch, dass es mit der Überwindung des Antisemitismus in Nürnberg nicht weit her ist: Stadt der Menschenrechte oder immer noch der Reichsparteitage? |
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Dezember 2000 |
Die "Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland" will am Samstag, den 24. März 2001 ab 11 Uhr eine "Feierstunde" in der Nürnberger Meistersingerhalle abhalten. Anlass ist der 80. Jahrestag der "Volksabstimmung in Oberschlesien" am 20. März 1921. Im Anschluss an diese "Volksabstimmung" zettelten damals die reaktionären deutschen Freikorps, darunter auch das "Freikorps Oberland", einen Aufstand an und lieferten sich heftige Gefechte mit den polnischen und alliierten Truppen. Einer der Höhepunkte dieser militärischen Auseinandersetzung stellte die Erstürmung Annabergs dar, an der auch das "Freikorps Oberland" teilnahm. Das später zum "Bund Oberland" umgewandelte "Freikorps" nahm 1923 auch maßgeblich am missglückten Hitler-Putsch in München teil. Dies ist nicht verwunderlich, denn das 1919 gegründete "Freikorps Oberland" entstand auf Initiative der antisemitischen "Thule-Gesellschaft". So gehört – Tradition verpflichtet – seit 1998 auch der Vorsitzende des "Thule-Seminars" aus Kassel, Pierre Krebs, zu den Trägern des "Oberland-Ehrenzeichens". |
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20. Januar 2001 |
Ungefähr 4.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Mittelfranken demonstrierten heute in Nürnberg gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt. Aufgerufen hatte die SMV Mittelfranken. |
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23. Februar 2001 |
Wirbel im Rathaus um die geplante Gedenkveranstaltung der Landsmannschaft der Oberschlesier am 24. März in der Meistersingerhalle, zu der auch die faschistische "Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland" einlädt: Sollten sich die Veranstalter nicht klar und deutlich von dieser rechtsextremen Splittergruppe distanzieren, dann gibt Oberbürgermeister Ludwig Scholz (CSU) die Schirmherrschaft zurück. Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer (SPD) hat vom Oberbürgermeister den Auftrag bekommen, die Verstrickung zwischen der Landsmannschaft der Oberschlesier und der "Kameradschaft" genau zu prüfen und das Landeskriminalamt einzuschalten. |
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03. März 2001 |
Die städtischen Unternehmen bzw. die Unternehmen, an denen die Stadt Nürnberg beteiligt ist, zahlen in den Fonds zur Entschädigung der Zwangsarbeiter ein: insgesamt fast 2 Millionen DM. Davon stammen 1,2 Millionen von den Städtischen Werken und fast eine halbe Million von der Sparkasse Nürnberg. |
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21. März 2001 |
"Gesicht zeigen gegen Rassismus" - unter diesem Motto demonstrierten etwa 150 Menschen in der Nürnberger Innenstadt gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit. Aufgerufen dazu hatte der DGB. |
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August 2001 |
Nach Angaben des Vorsitzenden des Nürnbergers Kreisverbandes der rechtsextremen NPD, Ralf Ollert, erklärte der ehemalige Bundesvorsitzende der NPD, Günther Deckert, gegenüber einer rechten Bürgerinitiative seine Bereitschaft zur Kandidatur bei der Wahl zum Nürnberger Oberbürgermeister (die Wahl findet im März 2002 statt). Der heute 61-jährige Deckert, der zahlreiche Vorstrafen hat, musste von 1995 bis 2000 eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren wegen Beleidigung und Volksverhetzung verbüßen. Stadtrechtsdirektor Frommer (SPD) hat bestätigt, dass eine OB-Kandidatur Deckerts nicht möglich sei. Mit rechtskräftigem Urteil des Verwaltungsgerichtes Mannheim wurde Deckert 1988 aus dem Schuldienst entfernt. Im Artikel 39 des Gemeindewahlgesetzes steht: "Nicht gewählt werden kann, wer von einem Gericht (...) im Disziplinarverfahren zur Entfernung aus dem Dienst (...) rechtskräftig verurteilt ist." Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Mannheim ein neues Verfahren gegen Deckert wegen Volksverhetzung eingeleitet. |
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Ein breites Bündnis
verhinderte heute in Nürnberg erfolgreich und friedlich einen
Demonstrationszug der NPD durch Nürnbergs Innenstadt. |
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04. November 2001 |
Heute wurde von Bundespräsident
Rau das Dokumentationszentrum in der Kongresshalle eröffnet. Mehr
als fünfzig Jahre nach Ende der Nazidiktatur hat damit die
Diskussion um die Nutzung des Nürnberger Reichsparteitagsgeländes
der NSDAP ein vorläufiges Ende gefunden. |
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12. Januar 2002 |
Deckert kandidiert nicht |
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21. Januar 2002 |
Wie das Wahlamt mitteilt, hat die NPD-Tarnorganisation "Bürgerinitiative Ausländerstopp" die für ihre Kandidatur bei der Kommunalwahl erforderlichen 610 Unterstützerunterschriften zusammen. Am frühen Samstag Morgen (19.01.) hat die Polizei in einer Innenstadt-Kneipe in der Nähe des Wahlamtes vier Rechtsradikale festgenommen. Die stark alkoholisierten Nazis hatten "Sieg Heil" geschrieen und Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen getragen. |
| 11. Februar 2002 |
An einem Infostand der rechtsextremen NPD-Tarnorganisation "Bürgerinitiative Ausländerstopp" ist es am Wochenende erneut zu Handgreiflichkeiten gekommen. Ein Passant, der es ablehnte, ein Flugblatt der Ausländergegner anzunehmen, ist nach eigenen Angaben von einem Mitglied dieser "Initiative" auf den Hinterkopf geschlagen und bedroht worden. Die Polizei rückte mit mehreren Einsatzfahrzeugen an, um die Auseinandersetzung zu beenden, es wird wegen Körperverletzung ermittelt. |
| 13. Februar 2002 |
Seit einigen Tagen wird in Nürnberg
ein anonymes Flugblatt verbreitet, in dem unter der Überschrift
"Gesichter des Grauens" der SPD-Stadtrat und Vorsitzende
der Israelitischen Kultusgemeinde Arno Hamburger und der türkischstämmige
SPD-Stadtratskandidat Arif Tasdelen auf übelste Weise
verunglimpft werden. |
| 4. März 2002 |
Bei der gestrigen Kommunalwahl haben - nach ersten Ergebnissen - die Republikaner einen Sitz im Stadtrat verloren und stellen nur noch einen Stadtrat. Allerdings hat die NPD-Tarnliste "Bürgerinitiative Ausländerstopp" nach Auszählung der unveränderten Stimmzettel 2,3 % erreicht und stellt damit ebenfalls einen Stadtrat. Das endgültige Ergebnis wird für Dienstag, den 5. März erwartet. |
| 5./6. März 2002 |
Ein schwarzer Tag für die
"Stadt der Menschenrechte": Mit 15.622 Stimmen wurde der
bayerische Landesvorsitzende der NPD, Ralf Ollert, als
Spitzenkandidat der NPD-Tarnliste "Bürgerinitiative Ausländerstopp"
am letzten Sonntag in den Nürnberger Stadtrat gewählt. Damit
zieht erstmals seit 30 Jahren wieder ein Funktionär dieser
rechtsextremistischen Partei in den Nürnberger Stadtrat ein. Die
Republikaner, die bisher bereits mit zwei Sitzen im Nürnberger
Stadtrat vertreten waren, mussten zwar Stimmeneinbußen hinnehmen,
trotzdem haben sie weiter einen Sitz im Stadtrat. Walter Beisig
wurde mit 11.393 Stimmen gewählt. |
| 1. Mai 2002 |
Mehr als 4000 Menschen
sind dem Aufruf eines breiten Bündnisses gefolgt und
demonstrierten gegen den Aufmarsch der NPD in Fürth. Die
Demonstration der NPD konnte nur unter massivem Polizeischutz
stattfinden, was aber nicht verhinderte, dass Fürther Bürger aus
ihren Fenstern Wassereimer auf die Faschisten entleerten. Die
Kundgebungsredner der NPD kamen gegen die Lärmkulisse aus
Sambatrommeln, Musik, Pfeifkonzerten und Sprechchören nicht an,
sie beendeten ihre Kundgebung vorzeitig gegen 13.00 Uhr, als auch
noch ihr Lautsprecherwagen den ohnehin schwachen Geist aufgab. |
| 3. Mai 2002 |
Gestern fand die
konstituierende Sitzung des neugewählten Stadtrates statt, in dem
erstmals seit 30 Jahren wieder ein Vertreter der NPD sitzt.
Bereits zu Beginn der Sitzung protestierten zahlreiche Menschen
gegen den NPD-Landesvorsitzenden Ralf Ollert vor dem Rathaus. Als
dieser als letzter der Einzelstadträte seine Grundsatzerklärung
abgab, öffnete die SPD-Stadträtin Ruth Zadek demonstrativ das
Fenster, damit das gellende Pfeifkonzert der Antifaschisten vor
dem Rathaus in den Sitzungssaal dringen konnte. Die Grünen lasen
demonstrativ Zeitung, andere Stadträte unterhielten sich und
ignorierten auf diese Weise den Neofaschisten. Der Antrag des
NPDlers Ollert zum Nahost-Konflikt erledigte sich durch
Nichtbefassung, da diese Themen nicht in die Zuständigkeit des
Stadtrates fallen. |
| 26. Juli 2002 |
Die "Nürnberger
Nachrichten" berichten heute, dass die Staatsanwaltschaft ein
Ermittlungsverfahren gegen Ralf Ollert, Landesvorsitzender der NPD
und Nürnberger Stadtrat der NPD-Tarnliste "BI Ausländerstopp",
wegen Volksverhetzung eingeleitet hat. Besonders ins Visier
geraten sind dabei die Veröffentlichungen auf der Homepage der
BI, wo im besten Streicherstil vom "judäo-globalistischen
Völkermordprogramm der „multikulturellen Gesellschaft"
schwadroniert wird und davon, dass das "Deutsche Volk
(ist) in seinem biologisch-ethnischen Bestand und seiner
kulturellen Identität auf das schwerste bedroht" sei.
Stadtrechtsdirektor Frommer hält die Einbeziehung der
NPD-Tarnliste in das NPD-Verbotsverfahren für wünschenswert. |
| 02. August 2002 |
Der
SPD-Stadtrat Arno Hamburger hat Strafanzeige gegen die
Verantwortlichen der Internetseiten der "BI Ausländerstopp"
des NPDlers Ollert gestellt. Es wird wegen des Verdachts der
Volksverhetzung ermittelt. |
| 14. Sept. 2002 |
Die NPD hat heute versucht, in Nürnberg eine Kundgebung zur Bundestagswahl abzuhalten. Durch die großräumigen Polizeiabsperrungen hat kaum ein Passant etwas von der ausländerfeindlichen und antisemitischen Hetze der wenigen NPDler mitbekommen. |
| 25. Sept. 2002 | Polizeiaktion
gegen die "Bürgerinitiative Ausländerstopp": Die
Wohnungen von acht Mitgliedern der rechtsextremen "Bürgerinitiative
Ausländerstopp" des NPD-Landesvorsitzenden und Stadtrates
Ralf Ollert wurden durchsucht. Dabei stellte die Polizei
PC-Anlagen, etwa 170 Disketten und CDs sowie umfangreiches
Propagandamaterial sicher. Gegen den Stadtrat Ralf Ollert läuft bereits seit einigen Monaten ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung. Die "Bürgerinitiative" hat in den vergangenen Monaten vor allem durch ihre Internet-Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht, die durch "aggressiv fremdenfeindliche, rassistische, antisemitische (...) Agitation gekennzeichnet" sind, so das bayerische Innenministerium. Innenminister Beckstein hat das konsequente Ausschöpfen aller rechtlichen Mittel gegen die "aggressive und widerliche Agitation der BIA" angekündigt. |
| November 2002 | Die "Bürgerinitiative Ausländerstopp" hat sich - wahrscheinlich wegen der bereits erfolgten juristischen Maßnahmen - formal von ihrer Website getrennt. Diese firmiert jetzt unter "Nationaler Widerstand Nürnberg" ist aber weiterhin unter der alten url im Internet erreichbar. Berichte, Anträge und Anfragen aus der "Stadtratstätigkeit" des NPD-Funktionärs Ollert sind nicht mehr enthalten. Rückwirkend wird erklärt, dass diese Seite der Unterstützung der "Bürgerinitiative" diente, nicht also von dieser betrieben wurde und zu verantworten sei. Was davon zu halten ist, zeigt die gesamte Arbeit der so genannten "Bürgerinitiative": es war und ist eine Tarnorganisation der NPD, deren Landesvorsitzender ja nun auch für diesen Verein im Stadtrat sitzt. Ein Impressum oder die Angabe eines Verantwortlichen enthält die Internetseite natürlich nicht. |
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verantwortlich: © Rüdiger
Löster, Nürnberg
http://www.loester.net