Antifaschistische Chronik für Nürnberg
Teil 5:  ab Januar 2011

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08. Januar 2011 Das Jahr hat gut angefangen: seit dem 6. Januar gibt es den Laden "Tønsberg", in dem über zwei Jahre lang gegenüber dem Gewerkschaftshaus die bei Nazis beliebte Modemarke "Thor Steinar" verkauft wurde, nicht mehr. Die Ladenbesitzer haben dem juristischen Widerstand des Vermieters und dem Widerstand eines Bündnisses aus der Gewerkschaft ver.di, der VVN-BdA, der AAB und vielen weiteren Aktivisten nicht mehr standhalten können und aufgegeben. Am 6. Januar wurde der Laden geräumt, die Polizei begleitete den Umzugs-Lkw noch bis zur Stadtgrenze. Und am 7. Januar wurde dieser Erfolg vor dem Gewerkschaftshaus gebührend bei Glühwein und Kartoffelsuppe gefeiert.
23. Januar 2011 Wie das "Nürnberger Bündnis Nazistopp" berichtet, wurde am Abend des 8. Januar 2011 das Lokal "Wilderer 4,9" von etwa 10 Naziskins überfallen. In diesem Lokal sind "linke" sowie "unpolitische" Skinheads als Gäste keine Seltenheit.

 Das Bündnis berichtet auf seiner Internetseite weiter: "Die etwa 30-Jährigen mischten sich zunächst unter die weiteren Gäste. Mit Fortschreiten des Abends kam es zu Provokationen den anderen, meist jüngeren, Gästen gegenüber, diese wurden teilweise als "Zecken" (Neonazi-Schimpfwort für Linke) beschimpft. Es fielen Sprüche wie: "Migranten machen in jedem Land Ärger". Abgelegte Kleidungsstücke ermöglichten schließlich einen Blick auf rechte Tätowierungen (u.a. Sig-Runen).

Ab Mitternacht hätten die Naziskins massiv andere Gäste verprügelt und einige Einrichtungsgegenstände demoliert. Ein rechtes Muskelpaket habe mit einem Barhocker zugeschlagen. Nach einiger Zeit gelang es, die rechten Schläger aus der Kneipe zu drängen. Ein Gast des "Wilderer 4,9" musste wegen einer Kopfplatzwunde im Krankenhaus behandelt werden."

Die Naziskins bekamen selbstverständlich Kneipenverbot; die Polizei wurde alarmiert." 

Die Täter rühmten sich anschließend auf Facebook ihrer Tat und drohten eine Wiederholung der Aktion an.

5. Februar 2011 Am 10. Februar muss Sebastian Schmaus, Stadtrat der NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp“, wieder einmal vor Gericht erscheinen. Angeklagt ist er wegen der Verteilung von Flugblättern mit strafbarem Inhalt, vorgeworfen wird ihm „Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole“. 

Und am 17. Februar beginnt die Verhandlung gegen Peter R., der letztes Jahr im April einen deutsch-kurdischen Jugendlichen fast tot geprügelt hat. 

11. Februar 2011 Sebastian Schmaus wurde frei gesprochen, die Staatsanwaltschaft wird Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Lt. Süddeutscher Zeitung hatte die Richterin bereits im Vorfeld die Eröffnung eines Verfahrens gegen Schmaus abgelehnt, das Landgericht korrigierte die Entscheidung, wodurch die Richterin nun doch eine Verhandlung durchführen musste.
01. März 2011

Der Nürnberger Nazischläger Peter Rausch, „Spezialist für Körperverletzung“ (so der Aufdruck auf einem T-Shirt, das der Angeklagte als Zuschauer in einem anderen Prozess trug) muss für 5 Jahre und 6 Monate ins Gefängnis.
Das Gericht verurteilte ihn wegen schwerer Körperverletzung zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis. In seiner Begründung machte der Richter deutlich, dass die Tat – entgegen dem Plädoyer des Verteidigers – sehr wohl einen politischen, rechtsextremen Hintergrund hatte und dass gerade in einer Stadt mit der Vergangenheit wie Nürnberg so eine Tat nicht geduldet werden kann.
Die Staatsanwaltschaft und die Anwälte des Opfers hatten vorher in ihrem Plädoyers eine Verurteilung zu sieben Jahren und neun Monaten Haft wegen versuchten Totschlags gefordert. Den versuchten Totschlag sah das Gericht allerdings nicht als erwiesen an, der Richter konnte keine Tötungsabsicht bei der Tat erkennen.
Der Verteidiger des Angeklagten, Anwalt Axel Graemer, betonte zu Beginn seines Plädoyers, dass er wegen dieses Mandates „kein Komplize“ des Angeklagten sei und als Sozialdemokrat dessen politische Ansichten bekämpfe. Allerdings verneinte er im Gegensatz zu Anklage und Gericht jeglichen politischen Hintergrund der Tat. Das Opfer habe den Angriff auf sich mit der Kritik an der Thor-Steinar-Tasche der Freundin des Angeklagten selbst provoziert.
Graemer gab aber immerhin zu, dass im Gegensatz zu missverständlichen Äußerungen in den vergangenen Prozesstagen sich der Angeklagte keineswegs von der Naziszene distanziert habe und weiterhin darin eingebunden sei.

05. März 2011 Mehrere hundert Menschen demonstrierten heute in Nürnberg, begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot, gegen das Nazinetzwerk "Freies Netz Süd", dem der  am Dienstag verurteilte Nazischläger Peter Rausch angehört.

Fotos

29. Oktober 2011 Ca. 1000 Menschen beteiligten sich heute in Nürnberg an einer Demonstration "gegen den Terror der (kurdischen) PKK", zu der verschiedene türkische Kulturvereine aufgerufen hatten. Deutlich sichtbar wurde die Demonstration von Teilnehmer/innen aus der Anhängerschaft der rechtsextremen türkischen Partei MHP und deren paramilitärischer Gruppe der  "Grauen Wölfen" getragen, immer wieder zeigten die Teilnehmer/innen das "Wolfssymbol", auch die Parteifahne der MHP mit den drei Halbmonden war dabei. Die MHP sieht in Juden, Christen, Aleviten, Armeniern und Kurden "Feinde" der Türkei und tritt für ein großtürkisches Reich ein.
November 2011 Durch Zufall ist eine rechtsterroristische Gruppe aus Thüringen ("Nationalsozialistischer Untergrund") aufgeflogen, die auch für drei Morde an Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg verantwortlich ist. Unklar ist derzeit, inwieweit der Thüringer Verfassungsschutz darin verstrickt ist. Inzwischen (19.11.) gehen die Ermittler von ca. 20 Unterstützern aus, gegen die ermittelt wird. Unterstützung gab es offensichtlich auch in der Naziszene in Nürnberg: so waren die Morde in Nürnberg ohne Ortskenntnis so nicht durchführbar, eine DVD mit einem Bekennervideo wurde den Nürnberger Nachrichten durch einen Boten überbracht. In der Naziszene war die Gruppe und ihre Taten schon länger bekannt, mindestens zwei Nazibands verherrlichen sie seit Jahren  in ihren Liedern. Bei dieser Mordserie mit insgesamt (bisher zugeordneten) 10 Toten handelt es sich nach dem Oktoberfestattentat von 1980 um die schlimmste Mordserie, die von Nazis begangen wurde. Die ganzen Jahre ermittelte die Polizei im persönlichen Umfeld der Opfer, vermutete Beziehungstaten oder Taten aus dem Umfeld organisierter Kriminalität. Dass rassistische Motive dahinter steckten wurde nie ernsthaft in die Ermittlungen einbezogen


Der Nürnberger Nazifunktionär Rainer Biller machte sich auf seinem Account bei Facebook über die Opfer lustig, angeblich wurde er deshalb am 18.11. aus der NPD ausgeschlossen. Insgesamt versucht die NPD verzweifelt, sich von den Taten dieser Mörderbande zu distanzieren, gerade aber in Thüringen sind die personellen Verbindungen bis in die NPD hinein offenkundig.

In einem von mir verfassten Kommentar bei "Endstation Rechts Bayern" heißt es dazu weiter:

"Spiegel online zählt weitere Fakten auf: so wurden zwischen 1995 und 2000 sieben Mal in rechtsextremen Kreisen in Jena, Gotha, Eisenach, Arnstadt, Ilmenau und Lobenstein Waffen und Sprengstoff gefunden. Und es gab in dieser Zeit einen weiteren Anschlag: Patrick Wieschke, heute stellvertretender Kreisvorsitzender der NPD im Wartburgkreis, wurde verurteilt, weil er andere dazu anstiftete, am 10. August 2000 in Eisenach einen türkischen Imbiss in die Luft zu jagen. Er selbst wurde nach der Detonation nahe des Tatorts festgenommen.

Aber nicht nur in Thüringen besteht dieses Gewaltpotential in der rechten Szene: Martin Wiese, inzwischen wieder einer der aktivsten Nazis in den bayerischen Kameradschaften, hat sieben Jahre im Gefängnis gesessen wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags auf die Grundsteinlegung der Synagoge in München. Bei seinen zahlreichen aktuellen Auftritten bekennt er sich offen als Nationalsozialist, trägt T-Shirts mit der Unterschrift Adolf Hitlers und bedroht Fotografen und Journalisten mit dem Tod.

Karl-Heinz Hoffmann, ehemaliger Chef der nach ihm benannten und 1980 verbotenen Wehrsportgruppe, tourt derzeit durch die Naziszene und erzählt aus seiner „Kampfzeit“. Und ein weiterer verurteilter Bombenleger, Peter Naumann, war inzwischen zum zweiten Mal in der Oberpfalz bei seinen Gesinnungsgenossen zu Gast und erzählte unter dem Motto „Werwolf – Kommandounternehmen der späten 70er Jahre“ aus seiner Zeit als Bombenleger. Alles ganz harmlos? Erst letzten Monat starb ein „Sympathisant“ der rechten Szene in der Nähe von Kulmbach beim Hantieren mit Sprengstoff, bei einer Hausdurchsuchung wenige Tage vorher wurde angeblich außer rechtsextremen Propagandamaterialien nichts gefunden... Aber auch dann, wenn in solchen Fällen Waffen bei Nazis gefunden werden: das sorgt mal kurz für eine Meldung in den Medien, bleibt aber ohne erkennbare Konsequenzen. Sind ja nur Einzelfälle."

Und "dass es eine gewaltbereite rechtsextreme Szene in Deutschland gibt, ist für jeden, der die Entwicklung mit offenen Augen verfolgt, nichts neues. Das Oktoberfestattentat mit 13 Toten und über 200 teils schwer Verletzten war die Tat eines Nazis aus dem Umfeld der damaligen Wehrsportgruppe Hoffmann. Bis heute ist nicht geklärt, ob es weitere Mittäter gab. Eine Reihe von Indizien, die nicht weiter verfolgt wurden, spricht dafür. Die Ermittlungen allerdings wurden eingestellt, wichtige Asservate vernichtet."

16. November 2011 Heute wurde vor dem Nürnberger SPD-Haus eine Gedenksäule eingeweiht. Auf ihr sind über 200 Namen von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten zu lesen, die in der Nazizeit Widerstand leisteten und dafür Verfolgung, Zuchthaus, KZ ertragen mussten oder umgebracht wurden. Ihr Mut, sich den Nazis entgegenzustellen, ist auch heute für alle Demokratinnen und Demokraten Verpflichtung. Der antifaschistische Widerstand darf nicht vergessen werden und muss auch heute weiter geführt werden: Nie mehr Faschismus!
24. November 2011 Ungefähr 200 Menschen nahmen heute in Nürnberg an einer Kundgebung anlässlich der aufgedeckten Nazimorde teil und brachten ihre Wut und Trauer zum Ausdruck. Organisiert wurde diese Kundgebung von der VVN-BdA und den Nürnberger Jusos, es beteiligten sich zahlreiche weitere Organisationen. 

Wie verschiedene Recherchen ergaben, hat sich jetzt die Zahl der Todesopfer rassistisch motivierter Morde seit der Wiedervereinigung auf 182 erhöht. Dabei sind nicht die Morde vor 1990 berücksichtigt: die 13 Toten beim Anschlag auf das Oktoberfest, die Ermordung eines jüdischen Verlegers und seiner Ehefrau in Erlangen, der rassistisch motivierte Amoklauf von Oxner in Nürnberg mit mehreren Toten, der Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim bereits 1988 in Schwandorf usw. usw. Durch die gesamte Geschichte der  Bundesrepublik zieht sich eine Blutspur der Nazis, immer verharmlost als Taten Einzelner. Dass dabei aber eine gemeinsame rassistische Ideologie die Grundlage für diese Taten lieferte, wurde verdrängt. Dass bei einigen Taten eindeutig auch organisatorische Zusammenhänge bestanden (beispielsweise zu der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann) wurde verdrängt und bei den Emittlungen nicht berücksichtigt....

01. Dezember 2011 Großer Andrang heute bei der Ausstellungseröffnung "Opfer rechter Gewalt" im Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg. Als diese Ausstellung Anfang des Jahres geplant wurde, ahnte niemand, wie aktuell sie sein wird. In der Ausstellung, die vom Verein Opferperspektive hergestellt wurde, werden über 150 der inzwischen 182 von Nazis ermordeten Menschen und der Tatverlauf vorgestellt.

In den letzten Tagen haben die Aktivitäten insbesondere der in den Kameradschaften des "Freien Netz Süd" organisierten Nazis in Mittelfranken stark zugenommen. In Fürth - wo der gerade aus der Haft entlassene Matthias Fischer/Freies Netz Süd tätig ist - wurde das Auto eines Antifaschisten angezündet. In der Gegend von Weißenburg und Treuchtlingen wurden zahlreiche Nazi-Parolen an Gebäuden angebracht, das Jugendzentrum in Weißenburg wurde nach einer Mahnwache gegen Rechts von Nazis angegriffen.

Nachdem in der Sendung "Kontrovers" des Bayerischen Fernsehens und auf der Seite "Endstation Rechts Bayern" über das Abtauchen des Nazis Gerhard Ittner 2005 kurz vor der Urteilsverkündung (er stand damals in Nürnberg vor Gericht) berichtet wurde, haben auch andere Medien das Thema aufgegriffen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian Ritter stellte dazu eine Anfrage im Landtag. Ittner hatte damals enge Kontakte zur Thüringer Naziszene wie dem "Thüringer Heimatschutz", dem die Mörder des "NSU" angehörten und ist bis heute - angeblich spurlos - verschwunden.

11. Dezember 2011 Am Freitag, 09. Dezember gedachten über 700 Menschen den Todesopfern der Nazi-Terrorgruppe NSU: 3 ihrer Opfer wurden in Nürnberg umgebracht. Von der Scharrerstraße - einem der Orte der Morde - ging ein Demonstrationszug über die Königstraße (dort brachte in den 80er Jahren der Rechtsextremist Oxner mehrere Menschen um) zum Plärrer (dort wurde letztes Jahr ein deutsch-kurdischer Jugendlicher von einem Angehörigen des Freien Netz Süd fast tot geprügelt).
Am Samstag, den 10. Dezember fand in der Straße der Menschenrechte und auf dem Kornmarkt eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Naziterrors statt: mehr als zweitausend Menschen nahmen daran teil, u. a. Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften, der Oberbürgermeister Maly, Alt-OB Schönlein, Markus Rinderspacher (Fraktionsvorsitzender der SPD im Bayerischen Landtag) und die Generalkonsulin der Türkei.

Fotos unter:

http://www.facebook.com/media/set/?set=a.302909706398792.71319.117923418230756&type=3
und
http://www.facebook.com/media/set/?set=a.303606012995828.71411.117923418230756&type=3

16. Dezember 2011 Auf den Treffpunkt "Komm e. V." in Gostenhof wurde ein Anschlag in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 2011 verübt. Vermutlich Neonazis warfen vier Fensterscheiben ein. Damit ist nach den Angriffen auf das Jugendzentrum in Weißenburg vor einigen Tagen, nach dem Brandanschlag auf das Auto eines Fürther Antifaschisten und nach dem Anschlag auf das SPD-Büro in Aschaffenburg festzustellen, dass die Gewalttätigkeit der rechten Szene in Franken erheblich zunimmt. Außerdem gehen die Ermittlungsbehörden inzwischen aufgrund diverser Funde in der ausgebrannten Wohnung der Gruppe NSU davon aus, dass es eine Unterstützerszene in Mittelfranken/in Nürnberg gegeben hat und hier weitere Objekte für Anschläge detailliert ausspioniert worden sind. Bleibt abzuwarten, wann die Polizei und die Bundesanwaltschaft endlich tätig werden und es die ersten Hausdurchsuchungen gibt, bevor alle Beweismittel vernichtet sind.
22. Dezember 2011 Das Urteil gegen Peter Rausch (Freies Netz Süd), der letztes Jahr einen jungen Antifaschisten am Nürnberger Plärrer fast tot geprügelt hat, ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof hat die Revisionsanträge von Nebenklage und Staatsanwaltschaft zurück gewiesen. Auf einer aktuell von der rechtsextremen "Division Franken" veröffentlichten "Gefangenenliste" wird Peter Rausch zusammen mit anderen inhaftierten Nazis aufgeführt.
Dezember 2011 Wie das Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg mitteilt, haben rechte Gäste der Kneipe "Valhalla" in der Spenglerstraße in Gostenhof in den letzten Wochen mindestens zwei Mal Passanten bedroht:
Am Freitag, den 16. Dezember wurden um etwa 16:00 Uhr zwei Männer von zwei Gästen der Kneipe auf der Straße mit einem Messer bedrängt.  Einer der Angreifer trug ein Sweatshirt mit einem „Anti-Antifa“ - Logo. Zwei Tage später ließen Unbekannte einen Drohbrief im aufgebrochenen Briefkasten der zwei Angegriffenen zurück. Der Wortlaut des handschriftlich verfassten Zettels ...nächstes Mal gibt es Tote – Gruß NSU“.
Wenige Tage danach sei erneut ein Passant von drei Gästen des "Valhalla" bedrängt und mit einem Messer bedroht worden. 
Februar 2012 Die Anschläge und Drohungen gegen Nazigegner in der Region nehmen kein Ende. Das Auto des ehemaligen Sprechers des Bürgerforum Gräfenberg wurde zerstört, auf das Auto der Sprecherin des Fürther Bündnisses gegen Rechtsextremismus wurde ein Anschlag verübt, der presserechtlich Verantwortliche des Nürnberger Bündnis Nazistopp wurde zum wiederholten Male auf der Internetseite des Freien Netz Süd namentlich genannt und dieses Mal mit einem Portraitfoto abgebildet.

Am 27. Januar fand eine Gedenkfeier anlässlich des Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz am Platz der Opfer des Faschismus statt, anschließend demonstrierten mehrere hundert Menschen zu einem der Tatorte, an dem der NSU einen seiner Morde beging.

Nach Medienberichten stammen 38 der derzeit 159 untergetauchten Nazis aus Bayern, darunter auch Gerhard Ittner, der frühere Mitarbeiter Ollerts in der Bürgerinitiative Ausländerstopp 

16. Februar 2012 Gestern haben die demokratischen Stadträtinnen und Stadträte in Nürnberg beschlossen, das Innenministerium aufzufordern, die "Bürgerinitiative Ausländerstopp" der beiden Stadträte Ollert und Schmaus zu verbieten. Damit erhielt Arno Hamburger, SPD-Stadtrat und Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg, pünktlich zu seinem 89. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk.

Hamburger begründete auch für die demokratischen Parteien (SPD, CSU, Grüne, Linke Liste, FDP, Gute, Freie Wähler, ÖDP, Offene Linke und ein Einzelstadtrat) den Antrag: „Es war und ist eine Schande, dass in unserer Stadt, der Stadt der Menschenrechte, Neo-Nazis ihre volksverhetzenden Parolen verkünden können.“

Mit dieser Entscheidung hat sich der Nürnberger Stadtrat dem Vorgehen der Münchner Stadträte angeschlossen: Auch dort sitzt mit dem NPD-Bundesvorstandsmitglied Karl Richter ein Stadtrat der Münchner „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ im Stadtrat und auch dort haben die Vertreterinnen und Vertreter der demokratischen Parteien in einem gemeinsamen Beschluss das Innenministerium aufgefordert, die BIA zu verbieten.

April 2012

Im November 2011 verhöhnte der damalige NPD-Funktionär Rainer  Biller auf seinem Facebook-Profil die Opfer des NSU: Er veröffentichte ein Foto der  Imbissbude, in der am 9. Juni 2005 Mitglieder des NSU den Inhaber Ismail Yasar erschossen. „Tod dem Döner, es lebe die Nürnberger Bratwurst“, hatte er darunter geschrieben. Und: „Wenn wir Glück haben, verschwinden erst die Dönerbuden und dann der Rest von der Mischpoke.“ Die SPD-Landtagsabgeordnete Helga Schmitt-Bussinger erstattete daraufhin Anzeige.

Vor Gericht wollte er diese als Tat aus Frust gewertet wissen: schließlich sei ihm – den ehemaligen Gastwirt – von der Stadt Nürnberg die Eröffnung einer Imbissbude verweigert worden, weil es schon so viele Döner-Buden gebe. Richter Bernd Kirchhof erkannte darin etwas anderes: Volksverhetzung. Er verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von vier Monaten, auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Es sei eindeutig, dass Biller nicht gegen Döner, sondern gegen Ausländer gewettert habe, meinte Richter Kirchhof. Die Bewährung bekomme er nur deshalb, weil er den Eintrag nach zwei Tagen von sich aus wieder gelöscht habe.

Die NPD, die sich derzeit um möglichst große Distanz zu den NSU-Morden bemüht, schloss ihren Funktionär Biller gleich nach Bekanntwerden des Facebook-Eintrages aus der Partei aus. Rainer Biller, der bereits 2010 wegen Beleidigung verurteilt worden war (er hatte Nürnbergs OB Dr. Maly und den SPD-Stadtrat Arno Hamburger der „Volksverhetzung“ bezichtigt) ist aber weiterhin in der rechtsextremen Szene aktiv, regelmäßig nimmt er an Demonstrationen des „Freien Netz Süd“ teil. So auch am 18. Februar diesen Jahres in Fürth.

Das rechtsextreme „Freie Netz Süd“ wirft der NPD in einem Artikel über das Gerichtsverfahren vor, dass das Verhalten der NPD „ein bezeichnendes Licht auf den Umgang mit ehemals äußerst aktiven Nationalisten innerhalb der Nationaldemokraten in Bayern“ werfe. „Es bezeugt auch zum erneuten Male, daß man vor der Diskreditierung und Kriminalisierung einstiger politischer Weggefährten nicht zurück schreckt, um sich den Systemmedien in jeglicher Form anzubiedern“ Und droht gleichzeitig: „Der langjährige Parteisoldat und nationale Aktivist könnte nun Nachtreten und jede suspekte und unseriöse Geschichte auspacken, die er in seiner langjährigen aktiven NPD-Zeit mit so manch führendem Kopf der Partei erlebte.“

 

2. Mai 2012 Im Vorfeld der Nazi-Demonstration am 1. Mai in Hof wurden vom "Freien Netz Süd" Plakate in verschiedenen Stadtteilen Nürnbergs geklebt, u. a. auch an die Büros von SPD und Linke.
8. Mai 2012 Wie gestern die Staatsanwaltschaft bestätigte, ist der seit 2005 untergetauchte überzeugte Nationalsozialist Gerhard Ittner in Portugal verhaftet worden und wartet nun auf seine Auslieferung. Wegen Volksverhetzung wurde er 2005 in Nürnberg zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nach verschiedenen Medienrecherchen scheint er auch eine wichtige Rolle in den Verbindungen der fränkischen Naziszene und dem "Thüringer Heimatschutz" und damit zum NSU gespielt zu haben.
Mai 2012 Wie a.i.d.a. berichtet, haben Neonazis aus den Reihen der Kameradschaft "Division Franken" und der "Jungen Nationaldemokraten Franken / Oberpfalz" am 12. Mai konspirativ einen nicht öffentlich angekündigten "Redner- und Liederabend" in der Vereinsgaststätte des SV Maiach durchgeführt. Vor der Veranstaltung hängen die Neonazis die Fenster mit Leintüchern ab. Knapp vierzig Neonazis aus Nürnberg, Fürth, Bamberg, Neustadt/Waldnaab und Roth nehmen an der Veranstaltung teil. Als Redner stehen Sven Diem (Nürnberg), Stützpunktleiter der JN Franken/ Oberpfalz, Maik Scheffler (Delitzsch), stellvertretender sächsischer NPD-Landesvorsitzender, Ralf Ollert (Nürnberg), bayerischer NPD-Landesvorsitzender und JN-Bundesgeschäftsführer Julian Monaco (Dresden) auf dem Programm, außerdem das extrem rechte Liedermacherduo "Infestus", das u. a. Lieder der Neonazibands "Sleipnir" und "Arische Jugend" spielt. An den folgenden Tagen werden beim Eisweiher im Lorenzer Forst (Stadtteil Fischbach) neonazistische Sprühereien und Morddrohungen entdeckt: Auf einer Fläche von sechs mal vier Quadratmetern haben Unbekannte mit blauer Farbe an Klettersteine unter anderem "Division Franken", "Anti-Antifa", "Good night left side", "Kommunisten töten" und "Wir kriegen euch alle" gesprüht.

In Fürth wurde durch das mutige Handeln der Wirtin eine Naziveranstaltung verhindert.  Neonazis aus den Kreisen des extrem rechten "Bund Frankenland" (BF) sowie des Kameradschaftsdachverbands "Freies Netz Süd" (FNS) wollten eine Veranstaltung in einer Fürther Gaststätte durchführen. Nach a.i.d.a.-Informationen hatte ein älteres Ehepaar aus Unterführberg dafür einen Saal der Gaststätte reserviert. Drei Tage vor der geplanten Veranstaltung, für die unter anderem FNS-Führungskader Matthias Fischer (Fürth) als Redner angekündigt war, klären Antifaschist/innen die Wirtin über die Hintergründe von BF und FNS auf. Daraufhin entschließt sie sich, die Neonazis nicht in ihre Gaststätte zu lassen, die Veranstaltung fällt aus. Mehrere Nazis sind trotzdem vor Ort, fotografieren die Gäste der Wirtschaft und bedrohen anwesende Antifaschisten.

 
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verantwortlich: © Rüdiger Löster, Nürnberg
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