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Unsere Wirtschaftsordnung in Zitaten und Fakten:
10. Februar 2006:
VW will 20.000 Stellen abbauen!
VW teilte heute mit, dass der operative Gewinn einschließlich Sondereffekten um 
70 Prozent (!) auf 2,79 Milliarden Euro gestiegen sei - und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen habe. Der Konzern-Umsatz erhöhte sich um sieben Prozent auf 95,3 Milliarden Euro.

Dieses Ergebnis genügt den Aktionären nicht: Während bei den Mitarbeitern gespart werden soll - es ist die Rede von bis zu 20.000 Stellen, die abgebaut werden sollen -  soll allerdings die Dividende für die Aktionäre angehoben werden. Für das Jahr 2005 steigt sie auf 1,15 Euro je Aktie, nach 1,05 Euro im Jahr davor.     

Quelle: Spiegel Online, 10.02.06


28. April 2005:
Der Gewinn nach Steuern sei im ersten Quartal des Jahres auf 1,1 Milliarden Euro gestiegen, teilte die Deutsche Bank am Vormittag in Frankfurt mit. Im Vorjahr waren im selben Zeitraum 941 Millionen Euro Profit angefallen. Vor Steuern sei der Gewinn auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen - nach 1,56 Milliarden im ersten Quartal 2004. 

Die Eigenkapitalrendite vor Steuern betrug im ersten Quartal dennoch 30 Prozent - nach 24 Prozent im Vorjahr. Ohne die Kosten des Konzernumbaus lag die für Investoren wichtige Rendite sogar bei 33 Prozent. Bankchef Josef Ackermann hat den Anlegern für das Gesamtjahr 25 Prozent versprochen. Trotzdem will Ackermann 6400 Stellen streichen.

 

und am 28.10.05:
...hat die Bank gemeldet, dass sie auch im dritten Quartal 2005 ein Rekordergebnis erzielt hat. Von Juli bis September sei unter dem Strich ein Gewinn von 991 Millionen Euro angefallen. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 680 Millionen Euro. Der Profitschub fiel damit weit stärker aus, als von Analysten erwartet. Das Vorsteuerergebnis erhöhte sich mit 1,88 Milliarden Euro sogar noch stärker.

und wie sieht es für die Arbeitnehmer aus? Am gleichen Tag gab es folgende Meldung:

Die tariflichen Einkommen in Deutschland liegen nur um schlappe 1,0 Prozent über dem Vorjahr - der langsamste Anstieg in einem Jahrzehnt. Besonders ärgerlich: Der Minianstieg wird von der Inflation voll und ganz aufgefressen.
Die Daten wurden am Morgen vom Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlicht. Berechnungsgrundlage sind die Gehälter im Juli 2005, die mit dem Vorjahresmonat verglichen wurden. Die Verbraucherpreise stiegen binnen Jahresfrist um zwei Prozent - die private Kaufkraft ging also im Schnitt zurück.

In der vergangenen Woche hatten die sechs führenden Wirtschaftsinstitute sich dafür ausgesprochen, die Tariflöhne auch im kommenden Jahr nur um ein Prozent zu erhöhen! Dies gelte selbst dann, "wenn die Konjunktur weiter anziehen und sich die Arbeitsmarktlage etwas entspannen sollte", heißt es im Gutachten. Gleichzeitig prognostizieren die Volkswirte, dass die Verbraucherpreise 2006 im Jahresschnitt um 2,0 Prozent steigen werden.

Gleichzeitig kündigen zahlreiche Großunternehmen - trotz guter Gewinnlage - weitere Entlassungen an:
Engelen-Kefer (DGB)  betonte: "Diese Ignoranz vieler Arbeitgeber (...) treibt die Menschen in die Perspektivlosigkeit und verschärft die Probleme der Sozialversicherungen."
Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Franz-Josef Möllenberg. "Es geht nicht an, dass Arbeitgeber über die Sozialkassen Kosten für Sozialpläne sparen", sagte er. IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel betonte, diese Arbeitgeber nutzten "schamlos" die von ihnen durchgedrückten sozialen Verschlechterungen aus. "Sie sind Krisenschmarotzer."

"Zum Unglück hat sich mit der Industrie ein System verbunden, das Profit als den eigentlichen Motor des gesellschaftlichen Fortschritts betrachtet, den Wettbewerb als das oberste Gesetz der Wirtschaft, Eigentum an den Produktionsgütern als absolutes Recht, ohne Schranken, ohne entsprechende Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber ... Noch einmal sei feierlich daran erinnert, dass Wirtschaft im Dienst des Menschen steht."

Papst Paul VI.

„Wenn Herr Ackermann als Chef der Deutschen Bank eine Rendite von 25 Prozent fordert, dann fordert er Ausbeutung. Er sagt damit nichts anderes als ‘Gier ist geil’.“

Nikolaus Schneider, Präses d. ev. Kirche im Rheinland

"Es gibt schreckliche Beispiele in der Managerkaste. Furchtbare Menschen, die in ihrer Gier sämtliche Verantwortung beiseite gelassen haben".

Edzard Reuter, ehemaliger Daimler-Vorstandschef

"Nur Dummköpfe und Besserwisser können den Menschen weismachen wollen, man könne auf Dauer Solidarität und Partnerschaft in einer Gesellschaft aufs Spiel setzen, ohne dafür irgendwann einen politischen Preis zahlen zu müssen."

Heiner Geißler, CDU

"Wir müssen eine Konzeption entwickeln, die im Gegensatz zum gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftssystem steht. Wir müssen uns aus dem Schlepptau des Neoliberalismus befreien, der Interessen des Kapitals über das der Menschen stellt und für eine Erhöhung der Kapitalrendite die Entlassung von Zehntausenden von Menschen in Kauf nimmt."

Heiner Geißler, CDU

„Denn der moderne Kapitalismus maßt sich an, über die Menschen zu herrschen. Der Börsenwert eines Unternehmens steigt umso höher, je mehr Leute entlassen und in ihrer wirtschaftlichen Existenz vernichtet werden. Ein solches Wirtschaftssystem ist pervers. Das Kapital hat den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt.“

Heiner Geißler, CDU

„Bei den internationalen Konzernen findet Wertschöpfung nur noch mit Blick auf die Börse statt. Je mehr die Unternehmen entlassen, um so höher steigt der Kurs der Aktien. Das ist pervers.“

Norbert Blüm, CDU

"Es gibt auch Leute, die behaupten, der Standort Deutschland könne seine Spitzenposition im globalen Wettbewerb durch Lohn- und Sozialdumping absichern. Die aber befinden sich ganz bestimmt auf dem Holzweg. Ich sage Ihnen: Wir verarmen, wenn wir asiatisch werden wollen."

Porsche-Chef Wiedeking 

"Was auf dem Weltmarkt tatsächlich zählt, sind (...) die Lohnstückkosten, also der Produktwert, der mit einer Einheit Arbeit hergestellt wird. (...) Berechnet auf der Basis der jeweils einheimischen Währung stiegen die Lohnstückkosten in Westdeutschland zwischen 1974 und 1994 um insgesamt 97 Prozent, im Durchschnitt aller übrigen OECD-Länder dagegen um volle 270 Prozent.(...) Das durchschnittliche Realeinkommen je Arbeitnehmer ist nirgendwo schwächer gestiegen als in Deutschland. (...) Die Daten bestätigen die These von den maßvollen deutschen Gewerkschaften und belegen, dass hohe Stundenlöhne bei kurzen effektiven Arbeitszeiten durch die Produktivität gerechtfertigt sind." 

"Die Globalisierungsfalle", Martin/Schumann, rororo-Sachbuch

"Wenn Gier grenzenlos ist und die Rendite zum goldenen Kalb wird, dann muss das angeprangert werden."

Gerald Weiß, CDU, am 21.04. im Deutschen Bundestag

"Wenn jemand auch langfristig ausreichende Gewinne erwirtschaftet und trotzdem damit beginnt, Produktion zu verlagern, kann ich das nicht nachvollziehen."

BDI-Chef Jürgen Thumann

"Bei vielen Großunternehmen orientiert sich die Wertschöpfung nur noch an Aktienkursen. Es ist pervers, wenn der Kurs umso höher steigt, je mehr Menschen entlassen werden. Der Staat kann seine ureigenen Aufgaben immer weniger wahrnehmen, weil die öffentlichen Haushalte ausbluten. Hier wachsende Arbeitslosigkeit und Armut, dort schamlose Selbstbedienung eines Teils der Managerkaste. Das zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt und untergräbt das Vertrauen in die Demokratie."

Ottmar Schreiner, MdB, SPD

"Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten. Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen har, grasen sie ab und ziehen weiter"

Franz Müntefering, SPD-Vorsitzender

Die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands haben 2004 ihre Gewinne auf 35,7 Milliarden Euro verdoppelt. Gleichzeitig haben sie knapp 35.000 Stellen abgebaut.

div. Pressemeldungen, März 2005

"Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Art. 14,2

"... es ist eine Verhöhnung aller Arbeitslosen, die seit Hartz IV ihr meist karges Hab und Gut genauestens angeben müssen, wenn sich Manager gegen die Veröffentlichung ihrer nach wie vor oft obszön hohen Gehälter sperren, die sie, wie Rekord-Verdiener Ackermann (Deutsche Bank), noch dazu mit Massenentlassungen verdienen."

Kommentar in den Nürnberger Nachrichten

"Ökonomie zielt - bestenfalls - indirekt auf das Sozialwesen Mensch, sie kalkuliert die Menschen zwar ein, aber nur in Funktionen: als Größe in der Produktion, als Verbraucher oder als Ware auf dem Arbeitsmarkt. Diese abstrakte Logik schlägt sich konkret im Handeln von bestimmten Finanz-Unternehmen nieder: Die international forcierten Profit-Maximierungs-Strategien gefährden auf Dauer unsere Demokratie."

Franz Müntefering, SPD-Vorsitzender

"Müntefering hat Recht. Viele Konzernmanager verstehen sich als Filialleiter der Börse. Diese neoliberalen Yuppies verwüsten unsere partnerschaftliche Unternehmenskultur." 

Norbert Blüm, CDU

 

Der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering hat seine Kritik an überzogenen Managergehältern und fehlender Unternehmerethik in manchen Firmen Deutschlands erneuert. „Wo totale Ökonomisierung das Handeln bestimmt, hat der soziale Auftrag der Politik keine Chance mehr. Wirtschaft ist aber für die Menschen da und nicht umgekehrt“, sagte Müntefering.
Heutzutage würden beispielsweise Arbeitnehmer entlassen und durch ausländische Scheinselbständige ersetzt, die für den halben Lohn arbeiten müssten. Zugleich siedelten Unternehmen „wegen weniger Prozent zusätzlicher Gewinne ins Ausland um und lassen ihre Arbeitnehmer mit ihren Familien im Stich“, während sich hier großes Geld mit kurzfristigem Profitinteresse“ einkaufe. Daneben stiegen viele Managergehälter „ins Unermessliche“. Es könne nicht angehen, dass beispielsweise „eine große deutsche Bank“, die auf der einen Seite exorbitante Gewinne verkünde, 6000 Mitarbeiter entlasse. „Das alles hat mit sozialer Marktwirtschaft und Unternehmerethik nichts zu tun. Da geht es um den Vorteil weniger und da geht es um Lasten für viele.“, kritisierte der SPD-Parteivorsitzende: „Das ist marktradikal und asozial“.

Quelle: www.spd.de

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dietrich H. Hoppenstedt, äußerte Verständnis für die Kritik von SPD-Chef Franz Müntefering am Verhältnis von Kapital und Arbeit. "Diese Diskussion müssen wir führen", sagte Hoppenstedt der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "Die Welt". "Die Diskussion, die Müntefering angestoßen hat, ist im Kern eine Debatte um die Verantwortung von Unternehmern und um die Gestaltungsmöglichkeiten der Politik in einer globalisierten Welt." Es gehe darum, Managern deutlich zu machen, dass sie auch eine Verantwortung für ihr gesellschaftliches Umfeld haben, sagte Hoppenstedt. "Sie können sich nicht nur auf Renditemaximierung beschränken." In Deutschland stehe eine grundsätzliche Debatte auf der Tagesordnung.

Quelle: Spiegel online, 23.04.05

 

aktualisiert: 29.09.2006

Verantwortlich:
Rüdiger Löster
http://www.loester.net
http://www.loester-fotografie.de